EDITORIAL 12/16

Vermittler gesucht

Klos_Mathieu

Mathieu Klos

Haben Sie in letzter Zeit auch den Eindruck, dass die große Politik nur schwer nachvollziehbar ist? Jetzt ist Donald Trump tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten, und der US-Wahlkampf hinterlässt eine zutiefst gespaltene Nation. Mit Trump und Brexit darf man gespannt sein, wie sich wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen im kommenden Jahr entwickeln. Es wird reichlich Unsicherheiten geben.

Vielleicht täten uns mehr Menschen vom Format einer Juliane Kokott gut. Die deutsche Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof gilt als eine Persönlichkeit, die zu vermitteln versteht, sei es zwischen den Klageparteien, sei es zwischen den europäischen Gerichtsinstitutionen (Die Konziliante, Seite 70). Zugleich ist sie aber auch eine der einflussreichsten Juristinnen in Europa, und das nun schon seit 13 Jahren.

Vermittler könnte auch Großbritannien gut gebrauchen: Nachdem der High Court in London entschieden hat, dass das Parlament beim Brexit mitzureden hat, sind die Karten neu gemischt. Die Ausstiegsverhandlungen mit der EU wird das Urteil erschweren. Das ist Gift für den Unified Patent Court. Nicht wenige Experten halten das neue Patentgericht nach dem 23. Juni für gescheitert. Der Chef des Vorbereitungskomitees Alexander Ramsay dagegen verteidigt es als äußerst vital und kaum noch zu stoppen („Für uns ist der Brexit nur eine Bremsschwelle“, Seite 64).

Dass die Welt nicht nur in der großen Politik, sondern auch in der kleinen Welt der Wirtschaftsberatung immer komplexer wird, zeigt sich an den Investments internationaler Kanzleien in selbstlernende und cloudbasierte Programme (Künstlicher Kollege, Seite 32). Beim EuGH übrigens ist der Einfluss des World Wide Webs begrenzt: Auf dem Kirchberg wird um 22 Uhr das IT-System abgeschaltet. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Mathieu Klos
(mathieu.klos@juve.de)

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