CLOSING 06/17

Die geheimen Patente der Juristen

von Marc Chmielewski

Die geheimen Patente der JuristenDas UPC kommt, ein ­einziges ­Patentgericht für ganz Europa. Die Änderungen sind so tiefgreifend, dass bereits heute völlig neue ­Akteure mit den Hufen scharren, um ihre Erfin­dungen in das neue System zu geben. JUVE enthüllt exklusiv die heißesten Fälle.

1. Patent für die raffinierteste ­Verschlüsselungsmethode seit Enigma
Anmelder: Landgericht Köln
Kürzlich hat das Gericht Altkanzler Helmut Kohl eine Million Euro Schadenersatz zugesprochen, weil in dem Buch „Die Kohl-Protokolle“ Zitate standen, die nicht autorisiert waren. Damit sich jeder hinter die Ohren schreibt, was alles niemals hätte verbreitet werden dürfen, gibt es eine 43-seitige Zusammenfassung des Gerichts. Die Herausforderung, dabei nicht selbst Schmuddelkram in die Welt zu setzen, meistern die Kölner Juristen souverän. Namen werden so penibel anonymisiert, dass die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten Freudentänze aufführen. So heißt es in dem Dokument etwa über einen gewissen Franz Mü.: „Man kann ja nicht sagen, dass der Generalsekretär der SPD ein Ehrenmann ist.“ Verboten! Über Angela M. und Friedrich M.: „Das sind Leute, die es nicht können. Die M. hat keine Ahnung, und der Fraktionsvorsitzende ist ein politisches Kleinkind.“ Verboten! Über Richard v. W. hätte nicht geschrieben werden dürfen: „Überall, wo etwas zu holen ist, ist er da. Der hatte übrigens auch immer Aufsichtsratsposten.“ Tabu ist auch zu schreiben, dass Helmut Ko. (LG Köln) über Margaret Tha., die auf G7-Gipfeln gern einnickte, wenn es spät wurde, gesagt habe: „Dann kippte sie beinahe vom Stuhl und hielt ihr Täschchen.“ Was gäbe man darum zu erfahren, wer hier gemeint ist! Aber die Kölner Kryptographie-Cracks lassen einem keine Chance.

2. Patent für die ­feinsinnigste ­PR-Leistung
Anmelder: Anwaltskanzlei R.
Die Kanzlei hat ein neues Büro, wie schön. Das Zitat des Managements dazu wurde von JUVE zunächst so wiedergegeben: „Mit der Eröffnung wollen wir die deutschlandweite Präsenz von R. und unsere Kernbereiche weiter ausbauen.“ Das klingt natürlich etwas poplig. Richtig muss es daher heißen: „Mit der Eröffnung wollen wir die deutschlandweite Präsenz von R. und von unseren Kernbereichen weiter ausbauen.“ Für einige Minuten mussten Leser annehmen, die Kernbereiche selbst seien noch gar nicht deutschlandweit präsent. Skandalös, falsch, ehrenrührig! Zum Glück konnte der Fauxpas dank patenter Intervention von Kanzlei R. rasch korrigiert werden.

3. Patent für die eleganteste Einladung an ­Arbeitsbehörden, mal genauer hinzuschauen
Anmelder: Anwaltskanzlei M.
Offenbar beflügelt durch die Innovationskraft der Patent­metropole Düsseldorf, hat die Kanzlei ein revolutio­näres Arbeitszeitmodell eingeführt. Allerdings nur für die ­Anwälte ihres NRW-Hauptstadtbüros. Berufseinsteiger dürfen ­lächer­liche 35 bis 38,5 Stunden in der Woche arbeiten – ­vorausgesetzt, sie verzichten auf 40 Prozent des Gehalts. Sie ­bekommen dann bis zu 75.000 statt 125.000 Euro im ersten Jahr. Dass dauerhaft mehr als 48 Wochenstunden ein schwieriges Thema sind, weiß man bei den Arbeitsbehörden. Aber weiß man dort auch, wie man den Dreisatz anwendet? Kanzlei M. lädt mit ihrem patentierten Coup zur Challenge!

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