DEAL DES MONATS 01/17

Zu wenig Energie

Latham & Watkins machte Batteriehersteller Varta fit für die Börse

Die Glocke auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse blieb stumm am Morgen des 2. Dezember. Kein Varta-Unternehmensvertreter, der den Handel mit der neuen Aktie einläutete und mit leicht schwitzigen Händen den ersten Kurs erwartete. Kein Vorstand der Frankfurter Börse, der gutgelaunt ein neues Mitglied auf dem Parkett begrüßt – es wäre der zehnte IPO im Prime Standard gewesen. Doch Varta hat den Sprung an die Börse nicht geschafft. Der Energieschub durch den Börsengang blieb aus.

Maass_Roland

Roland Maaß (Latham & Watkins)

„Das ist frustrierend für alle, die in den letzten Monaten sehr viel Arbeit in den IPO gesteckt haben“, resümiert Dr. Roland Maaß die Stimmung nach dem abgesagten Gang zum Parkett. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Rüdiger Malaun hatte der Latham & Watkins-Partner das Unternehmen federführend bei dem Projekt begleitet.

Bis 2007 war der Batteriespezialist schon einmal an der Börse notiert. Dann übernahm der österreichische Investor Michael Tojner das Unternehmen. Es folgten langwierige Streitigkeiten mit Minderheitsaktionären um höhere Abfindungen und die Integration in Tojners schweizerische Holding Montana Tech Components. Trotz der wechselvollen Historie ist Varta auch heute noch eine Marke, die in Deutschland fast jeder kennt.

Malaun_Rüdiger

Rüdiger Malaun (Latham & Watkins)

Entsprechend hoch sind die Erwartungen, auch an die Anwälte, als sie im Sommer angesprochen werden – sowohl von den Banken, als auch vom IPO-Berater. Dass das Mandat der Emittentenseite bei Latham & Watkins landet, haben dabei wohl die wenigsten erwartet. Zwar gehören die Kapitalmarktrechtler zu den erfahrenen Einheiten hierzulande, allerdings vor allem in der Beratung deutscher Unternehmen bei Kapitalmarktdeals mit USBezug. Doch Maaß‘ gute Vernetzung auf Bankenseite und die langjährigen Kontakte des gebürtigen Österreichers Malaun in sein Heimatland sind letztlich ausschlaggebend für ihre Mandatierung: Eine der Konsortialbanken ist die Erste Group aus Wien.

Viel Zeit zur Freude bleibt allerdings nicht, denn der Zeitplan ist eng. Und es gibt viel zu tun. „Es musste viel geordnet und aufbereitet werden“, berichtet Maaß. Der Teil, der an die Börse soll, existiert in seiner Struktur nämlich noch gar nicht sehr lange. Das Autobatteriegeschäft wurde 2002 verkauft, zurück an die Börse will Varta mit den Sparten Mikrobatterien, Energiespeicher für Solaranlagen und in Serie gefertigte Spezialbatterien. „Als besondere Herausforderung erwies sich die enge Verflechtung in die Montana- Tech-Gruppe“, so der Kapitalmarktexperte weiter. „Diese sauber abzubilden und aufzulösen bedeutete einen erheblichen Aufwand.“

Viele Tage verbrachte das Latham- Team dazu in Ellwangen, wo Varta Microbattery ihren Sitz hat. Maaß kennt die knapp 27.000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Aalen aus seiner Schulzeit. Seinerzeit fanden dort die Leichtathletik- Schülermeisterschaften statt und Maaß war über 400 Meter Hürden und im Stabhochsprung dabei.

„Eine eigene Welt“, meint Malaun. „Die Uhren ticken etwas anders.“ Kein Wunder: In die Vorbereitungen für einen Börsengang waren die wenigsten Mitarbeiter jemals involviert. Eine Arbeitsatmosphäre herzustellen und alle mitzunehmen, ist in den ersten Wochen die größte Aufgabe der Anwälte. Und es ist keine einfache. „Es ist enorm wichtig, auch die zweite Managementreihe einzubinden und zu überzeugen, dass neben dem Tagesgeschäft nun noch zusätzlicher Aufwand zu betreiben ist“, sagt Malaun.

Daneben sind es die langjährigen Berater wie Heuking Kühn Lüer Wojtek, deren Anwälte Varta Microbattery seit vielen Jahren betreuen. Unter der Führung von Dr. Peter Ladwig bringen sie ihre Expertise im IP- und Patentbereich ein und bereiten die Kapitalmaßnahmen gesellschaftsrechtlich vor. Der Wiener Anwalt Dr. Georg Blumauer kennt als Vertrauensanwalt von Varta-Eigentümer Tojner dagegen das Unternehmen aus Shareholder-Sicht. Hinzu kommen Julia Weber, Leiterin der Rechtsabteilung von Varta, und die IPO-Berater. „Dass dieses Team so gut funktioniert hat, ist der Schlüssel dafür, dass man es in so kurzer Zeit hinbekommen hat“, sind sich Maaß und Malaun sicher.

Aus Sicht der Anwälte ist ihr Etappenziel erreicht: Ab dem 18. November können interessierte Investoren die Aktien von Varta zeichnen. Doch was dann innerhalb der Zeichnungsfrist bis zum 29. November passiert, liegt nicht in ihrer Hand. Der Börsengang wird verschoben – Varta muss zunächst andere Wege finden, die Batterien aufzuladen. (gds)

Weitere Infos zu den Beratern

  • Teilen