DEAL DES MONATS 03/17

Das Feld ist bereitet

Bayer-Inhouse-Experten steuerten innovative Konzernumstrukturierung

Die Umgestaltung zu einem ‚Life Science‘-Konzern ist durch – fürs erste. Bayer setzt ganz auf das Pharma- und Agrargeschäft. Lange verfolgte das Leverkusener Unternehmen mit über 46 Milliarden Euro Umsatz diese Neuausrichtung. Zum Jahresbeginn war es schließlich soweit: Es kehrte zu einem Stammhauskonzept zurück, welches sich nun in der gesamten Struktur von Bayer widerspiegelt.

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Stephan Semrau (Bayer)

Die Schritte dorthin zogen sich durch alle Bereiche, vom Accounting bis hin zum Vertragsmanagement: „Das Team hat dabei unter jeden Stein geschaut und die Prozesse grundlegend neu geordnet“, fasst
Dirk Rosenberg zusammen, der die Steuerstrategie bei Bayer verantwortet.

Der Startschuss zu dem Mammutprojekt fiel Mitte September 2015. Der Bayer-Aufsichtsrat beschloss damals, die Organisation der Aktiengesellschaft neu auszurichten: An der Spitze gewann der Vorstand drei neue Mitglieder, unter anderem die Chefs der Sparten Pharmazie und ‚Crop Science‘. Die Geschäftsbereiche verloren ihren eigenständigen Markenauftritt, nach außen sollte wieder die Marke ‚Bayer‘ dominieren. Parallel kehrten die Beschäftigten der Bayer Business Services in den Flächentarif der IG Bergbau, Chemie, Energie zurück.

An diesen verschiedenen Schritten wird klar: Der Umbau war mehr als eine tiefgreifende, gesellschaftsrechtliche Umstrukturierung. Folglich waren sämtliche Projektschritte in den folgenden 13 Monaten konzernweit über 34 Länder koordiniert. Das übernahm die hauseigene Consulting-Abteilung.

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Dirk Rosenberg (Bayer)

Zuvor hatten die Rechts- und die Steuerabteilung gerade die Kunststoff- und Klebesparte von Bayer mit ausgegliedert, die zuletzt mit 15.800 Mitarbeitern einen Umsatz von 12,1 Milliarden Euro erwirtschaftete. Diese ging im Oktober 2015 als Covestro an die Frankfurter Börse. Bayer blieb mit rund 64 Prozent ihr Mehrheitsaktionär. Die nächsten Herausforderungen lagen dann in der gesellschaftsrechtlichen Struktur des Unternehmens, darunter der Frage, wie sich die Bereiche Pharma und Agrar am besten an die Gesellschaft angliedern lassen.

Die Entscheidung des Aufsichtsrats zum Konzernumbau hatten die Rechtsund Steuerexperten ab Sommer 2015 mit vorbereitet. Dazu gehörte der Vorschlag des jetzt umgesetzten, rechtlichen Kniffs: „Die Divisionen Pharma und Crop Science verpachten ihre Betriebe an die Bayer AG, die diese Geschäfte nunmehr in eigener Regie und auf eigene Rechnung führt“, erklärt Dr. Stephan Semrau, der das Projekt in der Rechtsabteilung leitete. „Da eine Verschmelzung aus steuerlichen Gründen nicht in Betracht kam, war diese Lösung für uns besonders attraktiv“, ergänzt Steuerexperte Rosenberg. „Und sie ermöglicht der Bayer AG zugleich einen einheitlichen Außenauftritt.“

Wichtig war der pünktliche Start der Pachtverträge am 1. Januar 2017. Auf diesen Termin liefen sämtliche Zeitpläne zu. Unter anderem mussten über 8.500 Vertragspartner ihr Einverständnis zu dem neuen System erteilen, 20.000 Lieferanten musste das Unternehmen über die neue Struktur informieren. Und sämtliche Dokumente hatten rechtzeitig bei den Registergerichten in Berlin-Charlottenburg und in Düsseldorf vorzuliegen, sodass die Eintragungen mit Neujahr standen. Dass die steuerlichen und rechtlichen Vorgaben dieses Pachtsystems eingehalten bleiben, überwacht bei Bayer seither ein dreiköpfiges ‚Betriebspachtbüro‘.

Die Inhouseexperten stecken nach der Konzernneuordnung inzwischen schon im nächsten Großprojekt: Sie kümmern sich um die Genehmigungen und die anstehende Integration des US-Agrarriesen Monsanto mit seinen 20.000 Beschäftigten. Diese generieren in etwa einen Umsatz von rund 14 Milliarden Euro. Die Pharma- und Agrarsparten bei Bayer wären dann umsatzmäßig etwa gleich auf, das Geschäft mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln für die US-Landwirtschaft gewänne innerhalb des Konzerns erheblich an Gewicht.

Monsantos Aktionäre nahmen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Dezember das Übernahmeangebot von Bayer mit überwiegender Mehrheit an. Wenn die Kartellbehörden in rund 30 Ländern zustimmen, steht auch dieser Umsetzung nichts im Wege. Sie soll mit Abschluss der Transaktion Ende 2017 starten. (pha)

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