DEAL DES MONATS 06/17

Ein Glückstag für alle

Nidec kauft mit Gleiss Lutz bei Aurelius ein – auf japanische Art

Selbst für Dr. Michael Burian war die Situation ungewöhnlich, als er mitten in der Nacht beim Notar saß. Dort sollte der Verkauf der Aurelius-Tochter Secop an seine Mandantin Nidec besiegelt werden. Auch die Vertreter des Verkäufers Aurelius waren anwesend, und natürlich der Notar selbst. Alle auf Wunsch eines einzigen Mannes: Shigenobu Nagamori.

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Michael Burian (Gleiss Lutz)

Der Gründer des japanischen Elektromotorherstellers Nidec ist auch mit Mitte 70 noch eine der schillerndsten Persönlichkeiten der japanischen Wirtschaft. An dem 1973 gegründeten und heute weltweit größten Unternehmen für Mikroelektromotoren hält der Selfmade-Milliardär selbst zwar nur noch eine kleinere Beteiligung, trotzdem hat er weiterhin entscheidenden Einfluss. Es war denn auch sein erklärter Wille, dass die Transaktion an einem japanischen Glückstag beurkundet werden muss – selbstverständlich angeglichen auf mitteleuropäische Zeit. Und deshalb saßen nun alle gemeinsam mitten in der Nacht beim Notar.

Glückstage gibt es im traditionellen japanischen Kalender so einige und manche beziehen sich auch nur auf eine bestimmte Tageszeit. Andere Tage wiederum sind für Geschäftsabschlüsse, Beerdigungen oder Hochzeiten denkbar ungünstig und sollten unbedingt vermieden werden. Was jedoch am Glückstag geschieht, steht unter einem guten Stern. Dass ein japanischer Mandant heutzutage auf die alten Riten so viel Wert legt, hat auch Burian noch nicht häufig erlebt, obwohl der Gleiss Lutz-Partner mit japanischen Wurzeln von Beginn an seine Beratung auf japanische Unternehmen fokussiert und dabei auch einige Jahre selbst in Japan als Anwalt gearbeitet hat. Dass japanische Unternehmen jedoch ganz eigene Vorstellungen davon haben, wie eine Transaktion ablaufen sollte, das ist für den Stuttgarter Partner Alltag – das auf Japan spezialisierte Team steuert jährlich nach eigenen Aussagen rund zehn bis 15 Transaktionen. „Bei japanischen Mandanten werden Entscheidungen in der Regel im Konsens getroffen,“ so Burian, „deswegen reisen sie zu Verhandlungen häufig mit einer großen Gruppe an, damit sich jeder ein Bild machen kann. Das erleichtert die interne Konsensbildung.“ Hinzu kommen sehr detaillierte Due Diligences: „Das hat den Hintergrund, dass in japanischen Unternehmen von einer hierarchischen Ebene zur nächsten kommuniziert wird.Und in der unteren Ebene müssen dann schon alle möglichen Fragen antizipiert werden, die später kommen könnten“, erklärt Burians Kollege Dr. Martin Lembke.

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Christian Pleister (Noerr)

Und da auch Aurelius durchaus ein bisschen Glück gebrauchen konnte, haben die Verkäufer und ihre Berater mitgespielt. Denn Aurelius selbst war mächtig unter Druck. Das Münchner Beteiligungshaus stand unter Beschuss von Hedgefonds. Trotzdem gelang Aurelius der größte Erfolg der gut zehnjährigen Unternehmensgeschichte: Ganze 185 Millionen Euro in bar ließ sich Nidec den Anbieter spezieller Kühlkompressoren kosten. Weniger als ein Zehntel davon hatte Aurelius bezahlt, als es Secop 2010 von der dänischen Danfoss-Gruppe gekauft hat.

Für diesen Erfolg war dann auch der nachtschlafende Termin beim Notar kein Problem mehr: „Das Schöne an Cross-Border-Transaktionen sind ja oft die Herausforderungen, die durchaus auch kulturell bedingt unterschiedliche Verhandlungsstile mit sich bringen“, so Aurelius-Berater Prof. Dr. Christian Pleister. „Der nächtliche Unterzeichnungstermin beim Notar war der krönende Abschluss – so wurden japanische und deutsche Kapitalmarktpflichten mit dem Wunsch nach Vertragsunterzeichnung zu japanischer Glückszeit in harmonischen Ausgleich gebracht.“

Ob das gute Ende tatsächlich etwas mit dem gewählten Datum zu tun hatte, wer weiß. Sicher ist jedoch: Ein Glückstag war es für alle Beteiligten. (cb)

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