DEAL DES MONATS 10/17

Schnelle neue Welt

Inhousejuristen und Grüter koordinieren digitales Mittelstands-Joint-Venture

Gut Ding will Weile haben, heißt ein bekanntes deutsches Sprichwort. Es lässt uns glauben, man solle sich ausreichend Zeit lassen, wenn man etwas ganz Neues beginnen will.

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Benno Quade (Software AG)

Dr. Benno Quade, General Counsel der Darmstädter Software AG, ist da vermutlich anderer Meinung. Aus gutem Grund: Hat er doch gerade mit mehreren Kollegen aus Unternehmen und Kanzleien ein bemerkenswertes Projekt innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt. Quades Unternehmen hat mit dem Werkzeug­maschinenbauer DMG Mori, mit Dürr, einem Hersteller von Lackieranlagen und Holzbearbeitungsmaschinen, dem Optikkonzern Zeiss, sowie mit AMS, einem Hersteller von Maschinen zur Leiterplattenbestückung, eine digitale Plattform mit Namen ,Adamos‘ aufgesetzt. Darüber wollen sie ihren Kunden künftig ihre Serviceleistungen anbieten. Das Projekt geht Anfang Oktober an den Start.

Wie effizient es sich gut vernetzt arbeiten lässt, haben die beteiligten Juristen bei diesem Projekt schon einmal unter Beweis gestellt. Denn auch sie haben digital zusammengearbeitet. Die dafür verwendeten Tools, die natürlich von Quades Software AG kamen, gaben ihnen zum Beispiel die Möglichkeit, kleinste Änderungen in Dokumenten oder den aktuellen Bearbeitungsstand des Gesamtprojekts jederzeit abzufragen.

Neben Quade gehörten der Leiter der Zeiss-Rechtsabteilung Jörn Lipkow, Andreas Birk, Chefsyndikus von Dürr, und Andreas Felsch, Partner der Duisburger Kanzlei Grüter, die DMG Mori regelmäßig berät, zum Kernteam.

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Jörn Lipkow (Carl Zeiss)

Was für die anderen eher noch technisches Neuland war, gehört für Quade längst zum Arbeitsalltag. Denn er hat seine Rechtsabteilung bereits für das digitale Zeitalter mobilisiert. Mittlerweile nutzen seine Mitarbeiter eine Plattform, die es ihnen erlaubt, die benötigten Anwendungen, also die Apps, eigenständig zu ent­wickeln. Rund ein Dutzend haben sie schon ans Laufen gebracht, darunter eine Applikation für die Kommunikation zwischen Rechtsabteilung und Vorstand sowie eine für die Mandatierung externer Rechtsberater.

Ganz ähnlich funktioniert nun auch die Software für den Maschinenbau-Mittelstand. Die modular angelegte Plattform soll es Unternehmen in Zukunft ermög­lichen, über anwenderspezifische Apps die eigenen Anlagen bei ihren Kunden im Blick zu behalten. Sie können sie nicht nur digital überwachen, sondern auch aus der Ferne steuern und warten. So können Produktionsabläufe weiter optimiert und Ersatzteile frühzeitig bestellt werden.

Die offene IIoT-Plattform (Industrial Internet of Things) ist herstellerneutral und verbindet IT-Technologie mit Branchenwissen. Denn Adamos stellt nicht nur das notwendige IIoT-Werkzeug mit entsprechenden Funktionen zur Verfügung, sondern langfristig auch Datenanalysen, die aus dem jeweiligen Maschinen- und Anlagenbau resultieren.

Weitere Partner – die ausdrücklich erwünscht sind – und auch ihre Kunden können die gewünschten Applikationen selbst auf der Plattform betreiben.

Bisher sind die fünf großen Mittelständler zu gleichen Teilen an dem Joint Venture beteiligt. Sie haben in die Allianz nicht nur Millionen investiert, sondern auch ein Startteam von mehr als 200 Mitarbeitern dafür zusammengestellt.

Von der Ursprungsidee bis zur Präsentation haben die Beteiligten rund zwei Monate gebraucht. Möglich war das nur, weil die Zusammenarbeit reibungslos verlief und technische Hilfsmittel wie eben die Software AG-Apps dazu beitrugen, das Arbeitstempo nicht nur der Juristen hoch zu halten.

Jörn Lipkow von Zeiss hat zudem noch etwas Wichtiges aus dem Projekt mitgenommen: „Es hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es auch für uns Unternehmensjuristen ist, im eigenen Business vernetzt und firm zu sein“, sagt er. Denn gerade bei Projekten mit einem solch hohen Abstimmungsbedarf sei es notwendig, schnell die richtigen Ansprechpartner aus anderen Abteilungen bei der Hand zu haben. „Wir Juristen können uns eine Menge ausdenken. Ob das dann tatsächlich auch umsetzbar ist, müssen im Zweifel aber andere entscheiden“, sagt Lipkow.

Aber warum eigentlich der hohe Zeitdruck? „In der digitalen Welt ist Zeit ein ganz entscheidender Faktor. Dann kann eine gute Idee von heute morgen schon veraltet sein“, sagt Quade. Gut Ding mag eben auch mal eilen in der schnellen, neuen Welt. (lau)

 

Berater Dürr
Inhouse Recht (Bietigheim-Bissingen): Andreas Birk (Vice President Legal), Carina Lenz
Skadden Arps Slate Meagher & Flom (Frankfurt): Dr. Holger Hofmeister (Gesellschaftsrecht), Thorsten Götz (Kartellrecht); Associate: Damien Simonot (M&A; München)

Berater DMG Mori
Grüter (Duisburg): Andreas Felsch (Federführung/Gesellschaftsrecht/Kartellrecht), Dr. Ina-Maria Böning; Associates: Dr. Sandra Fischer (beide Gesellschaftsrecht), Thomas Talian (IP/Lizenz­vertrag), Dr. Stephan Kessen (Kartellrecht)

Berater Software AG
Inhouse Recht (Darmstadt): Dr. Benno Quade (SVP Global Legal & General Counsel), Katharina Winkler
Klaus-Dieter Stephan (Frankfurt): Dr. Klaus-Dieter Stephan

Berater Carl Zeiss
Inhouse Recht (Oberkochen): Joern Lipkow (Corporate Counsel)

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