DEAL DES MONATS 12/17

Ménage à trois

Luther und Noerr lassen sich auf den Telekom-Großauftrag ein

Mit Dienstleistern ist es oft so eine Sache. Bis man etwa eine passende Service- oder Reinigungskraft gefunden hat, gehen oft Jahre ins Land. Auch hier gilt das Motto ‚Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet‘ – auch wenn die meisten Beziehungen schon lange nicht mehr ewig halten.

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Olav Wagner (Noerr)

Das ist bei der Deutschen Telekom nicht anders. Das Kommunikationsunternehmen trennte sich nach zehn Jahren von seinem Facility-Manager und vergab das Gebäudemanagement für seine 9.000 deutschen Standorte neu. Der Großauftrag über zehn Jahre, der dem neuen Dienstleister mehrere hundert Millionen Euro jährlich einbringt, ging an ISS. Für den dänischen Facility-Manager ist es der größte Einzelauftrag seiner Geschichte. Und die Telekom prüfte genau, mit wem sie sich einlassen würde: Etwa zwei Jahre sollen die Verhandlungen über das neue Bündnis gedauert haben.

Ein Mandat, an das man sich wegen seiner Komplexität auch noch mit 80 Jahren zurückerinnert, sagt Luther-Partner Meier, der gemeinsam mit M&A-Partner Dr. Michael Krömker federführend für die Telekom tätig war. Die Kanzlei hatte sich in einem Pitch durchgesetzt. Und nicht zufällig war mit Meier ein Immobilienrechtler in der Federführung: Neben komplexen Maximalpreismodellen, arbeitsrechtlichen und infrastrukturellen Aspekten stand auch die Strukturierung von Bauleistungen im Vordergrund.

Grund für die langwierigen Verhandlungen war eine Dreiecksbeziehung. Denn auch der bisherige Dienstleister, Strabag Property and Facility Services (PFS), hatte sich um den Großauftrag bemüht. Die strukturellen Verflechtungen zwischen der Strabag PFS und der Telekom trugen unter anderem dazu bei, dass auch die Berater der ‚Neuen‘ lange an den Verträgen feilen mussten. Die Neue im Bunde war ISS, die von einem Noerr-Team um Dr. Christoph Spiering und Dr. Olav Wagner beraten wurde. Schon mehr als hundert Jahre am Markt, bringt die börsennotierte ISS reichlich Erfahrung mit. Im letzten Geschäftsjahr erwirtschaftete sie einen Umsatz von rund 10,66 Milliarden Euro weltweit, in Deutschland rund 332 Millionen Euro.

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Achim Meier (Luther)

Strabag PFS ist die ehemalige DeTeImmobilien, die 2008 von der Telekom an Strabag verkauft wurde. Teil der Vereinbarung war damals der nun von ISS übernommene Gebäudemanagementvertrag. Sowohl bei Strabag PFS als auch bei der Telekom sind noch Beamte tätig, deren Arbeitsverträge und Anstellungsverhältnisse von der ISS mit übernommen werden sollen. Das forderte vom Noerr-Team neben der Corporate/M&A-Beratung auch den Spagat zum Arbeits- und Beamtenrecht und erfasste ebenso den Bereich Regulierte Industrien. Hinzu kamen noch Aspekte des IT-Rechts – es mussten sowohl die Überführung der IT-Systeme als auch die Serviceleistungen, die digital und IT-gestützt bereitgestellt werden sollen, definiert und ausgehandelt werden.

Noerr-Partner Spiering ist auf Corporate-Fragen mit regulatorischen und energierechtlichen Bezügen spezialisiert und hat ISS schon früher bei Vertragsabschlüssen und Transaktionen mit Vattenfall und E.on beraten. Da er auch regelmäßig für Telekommunikationsunternehmen tätig wird, lag seine erneute Mandatierung für die Verhandlungen mit der Telekom nahe. Die Federführung teilte er sich diesmal mit dem Leiter der Vergaberechtspraxis von Noerr, dem Berliner of Counsel Wagner. Beide sind erprobt bei Mandaten, in denen der strukturierte M&A-Bieterprozess Parallelen zum Vergaberecht aufweist und arbeiten deshalb regelmäßig mit dem Fachbereich Regulierte Industrien zusammen. Auch wenn der Großauftrag vergeben ist – die Arbeit an der Dreiecksbeziehung zwischen ISS, Telekom und Strabag ist noch lange nicht abgeschlossen. Erst ab Juni 2019 übernimmt ISS das Facility-Management der Telekom, dann endet das Vertragsverhältnis mit Strabag PFS. Der Großauftrag soll bei ISS für Personalbedarf sorgen, bei der Strabag PFS hingegen könnte Personal frei werden. Dann müssen mögliche Personalübernahmen durch ISS verhandelt werden – das wird auch für Beratungsbedarf in den nächsten Jahren sorgen, erwarten Spiering und Wagner. Die Ménage à trois geht weiter. (hh)

Berater ISS
Noerr: Dr. Christoph Spiering (Corporate; Hamburg), Dr. Olav Wagner (Regulierung; Berlin; beide Federführung), Dr. Stefan Schwab (Arbeitsrecht; Berlin), Tobias Kugler (IT; Frankfurt), Robert Korndörfer (Corporate; London), Dr. Tom Beckerhoff (Finanzierung; Frankfurt), Volker Bock (Immobilienrecht; Dresden), Prof. Dr. Peter Bräutigam (IT; München), Dr. Andreas Butz (Arbeitsrecht; Düsseldorf); Associates: Dr. Sarah Götze (Corporate; Hamburg), Dr. Christoph Ickenroth (Arbeitsrecht; Berlin)
Inhouse Recht: Olaf Hoepfner (Leiter Recht; ISS Deutschland; Düsseldorf), Bjørn Rasteen (Group General Counsel; ISS Global; Kopenhagen), Janek Blankensteiner (Group Vice President; ISS Global; Kopenhagen)

Berater Deutsche Telekom
Luther: Achim Meier (Immobilienrecht; Essen), Dr. Michael Krömker (M&A/Corporate; Düsseldorf; beide Federführung), Sebastian Fedder (Hamburg), Stefanie Prehm, Dr. Martin Kolmhuber (beide Köln; alle Arbeitsrecht/Beamtenrecht/Pensionen); Associate: Christiane Struppek (Immobilienrecht; Essen)
Inhouse Recht (Bonn): Dr. Christoph von Damm (Leiter Immobilienrecht), Tobias Nürnberg, Stephan Peter, Christoph Appel Berater Strabag PFS Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Tim Weber (Immobilienrecht) – aus dem Markt bekannt

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