EDITORIAL 04/17

Nur Worte

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Ulrike Barth

Manchmal sagen kleine Worte viel über die Welt aus, in der da gegen- und miteinander gearbeitet wird. So wie das Wörtchen „non“. Gastredner Dr. Friedrich Blase (The Un-Firm of the Future) brachte auf der JUVE-Fachtagung Signale trefflich auf den Punkt, wie maximal diskriminierend das Präfix zum Einsatz kommt. Denn in Kanzleien gibt es viele Nicht-Menschen: „Non-Lawyer“, „Non-Equity-Partner“ oder „Non-Fee-Earner“ – Bezeichnungen, die ungefähr so geistig flexibel sind, wie „Nicht-Weiße“ und „Nicht-Männer“, wenn es um Diversity geht. Die Denke dahinter ist wenig subtil: Wer nicht auf Partnerebene Geld heranschafft, hat nix zu melden. Gut, dass die Umsatzzahlensaison wieder begonnen hat – so fällt das Kräftemessen leichter (Große Sprünge).

Auch Teilzeitpartner wissen um die Feinheiten von Begrifflichkeiten – und wollen sie deshalb lieber gar nicht aussprechen. Zumindest nicht laut. Denn dann müsste man ja zugeben, dass es vielerorts ein Problem ist, nicht maximal verfügbar zu sein. Die „Nicht-Vollzeitkraft“ ist und bleibt unter Partnern ein Stigma – trotz der angeblich so diversen und auf Work-Life-Balance getrimmten neuen Arbeitswelt (Eiszeit für Teilzeit).

„Don‘t hate the player, hate the game“, wird da mancher den Teilzeitkollegen entgegenrufen. Auch so eine feine Art zu sagen: „Klappe halten, weiter machen“. Oder noch besser: „Das haben wir schon immer so (und noch nie anders) gemacht.“ Auf Englisch klingt das natürlich ein bisschen mehr nach Business Punk und weniger nach Gutsherrenart. Die Denke ist aber die Gleiche. Bitte nichts infrage stellen – und vor allem nicht herumlamentieren.

Dabei braucht es manchmal genau das, um einen eigenen Standpunkt zu entwickeln – wie im Fall der europäischen Compliance-Strukturen, die sich mittlerweile vom eigenen Geburtshelfer, dem knallharten US-Vorgehen bei Compliance-Verstößen, emanzipiert haben. Allerdings sucht der Berufstand der Compliance Officer noch nach sich selbst (Die Selbsterfinder) und ist personell nach vielen Seiten offen – Hauptsache keine No-Brainer.

Ulrike Barth
ulrike.barth@juve.de

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