EDITORIAL 11/17

Das Ende der Mittelsmänner

Stender_Christin

Christin Stender

Besitzen Sie Bitcoin? Nein? Schade! Denn hätten Sie vor einem Jahr 500 Euro in nur einen Bitcoin investiert, hätten Sie Ihr Vermögen jetzt verachtfacht. Heute kostet ein Bitcoin rund 4.000 Euro. Nun zucken Sie mit den Schultern und denken: „Pech gehabt. Aber was soll ich auch mit einer Kryptowährung?“ Vielleicht bezahlen Sie künftig Ihre neue Villa mit Bitcoin. Oder Ihren Anwalt. Oder Ihren Notar. Vorausgesetzt, es gibt ihn noch. Denn so mancher Verfechter der Blockchain, auf deren Technologie Bitcoin basiert, sagt das Ende der Mittelsmänner bereits voraus.

Florian Glatz, der unser Cover ziert, ist solch ein Blockchain-Verfechter. Er ist Anwalt und Softwareentwickler. Im Interview mit JUVE erklärt er, warum es im Transaktionsbereich bald keine Rechtsberater mehr geben wird und warum sich Kanzleien dennoch mit der neuen Technologie auseinandersetzen müssen (Die Blockchain-Revolution).

Der Finanzsektor ist hier schon etwas weiter, er experimentiert kräftig. Das Ziel: Transaktionen automatisieren, Kosten sparen (Süßes oder Saures). Damit stemmen sich die Banken kräftig gegen ihr vorausgesagtes Schicksal, ihr Verschwinden. Denn sie gehören zu eben jenen Mittelsmännern, die die Blockchain-Erfinder eigentlich überflüssig machen wollen.

Überflüssig könnten auch die Notare werden. Denn künftig können Vertragspartner über Blockchain direkt miteinander interagieren. Bis es soweit ist, beschäftigt die Mittelsmänner aber ein ganz anderes Thema: In Baden-Württemberg wird es bald ausschließlich freiberufliche Nur-Notare geben. Vor allem für mittelständische Kanzleien ist das bitter, ist ihr Notariat doch nicht selten ein kräftiger Umsatzbringer (In freier Wildbahn).

Es sind unruhige Zeiten, in denen wir leben. Doch sorgen Sie sich nicht: Es bleibt noch genügend Zeit, um auf die Veränderungen zu reagieren und gestärkt aus der digitalen Transformation hervorzugehen. Packen Sie es an!

Christin Stender
(christin.stender@juve.de)

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