CLOSING 01/18

Keine Gefahr für Superman

von Konstanze Richter und Christin Stender

Keine Gefahr für SupermanWie ich das liebe! Mal wieder bis 6 Uhr morgens durchverhandelt, den Milliarden-Deal unter Dach und Fach gebracht. Nebenbei noch eine Telko geführt – die Kollegen aus den USA können einfach nicht auf mich verzichten. Die Weihnachtsgeschenkbestellungen effizient an meine Frau outgesourct. Jetzt noch schnell der morgendliche 20-Kilometer-Lauf und dann ab in die Partnerversammlung. Schlaf ist was für Luschen. Und für Frauen.

Deswegen brauchen die auch Frauenförderungsprogramme. Weil den Damen von heute Superausbildung und Top-Gehalt in Teilzeit nicht mehr reichen. Was hilft? Ein sinnloses Programm entwerfen, diesem einen wohlklingenden Namen geben und so tun, als ob man es ernst meinen würde.

Die internationalen Großkanzleien machen das am besten vor. Sie sind die schlimmsten unter den scheinbaren Frauenverstehern. Die haben es ja auch nötig, schließlich haben sie die mickrigste Frauenquote von allen. Als Ablenkungsmanöver denken die sich tolle Sachen aus, den Ladies Lunch zum Beispiel. Die Mädels treffen sich zum Mittagessen und quatschen. Das machen sie ja sowieso schon den ganzen Tag. Sprich: keine Gefahr für die Männerquote. Noch eine tolle Idee: das Maternity Coaching. Damit sollen werdende Mütter auf ihren neuen Lebensabschnitt mit Kind vorbereitet werden. Babyschwimmen und Latte Macchiato trinken. Auch keine Gefahr für die Männerquote.

Kopfschmerzen bereiten mir allerdings diese Women-Leadership-Programme. Da lernen Frauen, wie Männer aufzutreten. Als würde es nicht reichen, dass sie an der Uni die besseren Noten bekommen. Jetzt werden sie auch noch darauf trainiert, taffer und durchsetzungsfähiger zu sein als die Männer. Da kann man nur hoffen, dass sie bald Kinder bekommen. Dann erledigt sich das mit der Vollpartnerschaft von selbst. Und damit: keine Gefahr für die Männerquote.

Gute Nacht, Ihr Loserinnen.

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