CLOSING 03/18

Schleichwerbung vom General Counsel

von Konstanze Richter

Schleichwerbung vom General CounselRechtsabteilungen sind chronisch knapp bei Kasse. Das weiß, wenn nicht schon jedes Kind, so doch zumindest jeder First-Year-Associate. Dank Legal Tech konnten Inhouse-Anwälte die Kosten immerhin schon leicht verringern. Aber das reicht nicht. Zum Glück verspricht ein unter Bloggern weit verbreitetes Geschäftsmodell weitere Entlastung: Selbst ernannte Influencer schnattern auf YouTube oder Instagram über Mode und Make-up, sie geben Schmink- und Reisetipps. Dafür erhalten sie die von ihnen beworbenen Produkte und Hotelaufenthalte kostenlos.

Viele Rechtsabteilungen elektrisiert dieser Trend. Vor allem, weil man sich dort bis vor Kurzem überhaupt keine Vorstellung gemacht hat, wie viel Volumen man mit dieser neuen Wimperntusche von L’Oréal rausholen kann. Aber auch ein bisschen, weil man hofft, als Legal Influencer Tausende Euro an Beratungshonoraren sparen zu können. Noch stehen die Überlegungen ganz am Anfang, aber es gibt schon reichlich Vorschläge für analoge Trockenübungen:

  • Peppen Sie die Dia-Show zum 80. Geburtstag Ihrer Mutter mit einem kurzen Werbeblock für die Kartellrechtler auf, die bei der Megafusion Ihres Unternehmens neulich das Kartellamt aufs Kreuz gelegt haben.
  • Wenn Sie schon wegen der Paradise-Papers eine zerknirschte Pressekonferenz geben müssen: Würzen Sie das Schuldbekenntnis mit einem Lob an die Strafrechtler, die das Management raushauen.
  • Lassen Sie beim gemütlichen Wein mit Freunden öfter mal den Namen des IP-Teams fallen, das die Schutzrechte für Ihre neue Marke durchgeboxt hat.
  • Lesen Sie Ihren Kindern die Gutenachtgeschichte von Schneewittchen vor, deren Stiefmutter es versäumt hatte, für den weltweiten Rückruf vergifteter Äpfel Ihre Lieblings-Litigationpraxis zu mandatieren.

Noch mehr Aufmerksamkeit bringen natürlich die Sozialen Medien. Nehmen Sie sich einfach ein Beispiel an Elle Darby und Paul Stenson. Die britische Bloggerin hatte dem irischen Hotelier Gratiswerbung auf ihren Social-Media-Kanälen angeboten – wenn der ihr und ihrem Freund im Gegenzug vier Übernachtungen in seinem Luxushotel spendiert. Hotelier Stenson lehnte öffentlich ab, Begründung sinngemäß: Wenn hier jede Internetbratze umsonst übernachtet, wer bezahlt dann meine Leute?

Allerdings brachte die Affäre so viel Wirbel, dass am Ende beide profitierten: Darby hat noch mehr Follower und also noch mehr Influence, der sich in Schminke und ­Kurztrips für lau ummünzen lässt. Auch das irische Hotel ist nun viel ­bekannter und verkauft inzwischen T-Shirts, auf denen steht: Ich habe im Café nach kostenlosen Häppchen gefragt, und alles, was ich bekommen habe, ist dieses lausige T-Shirt.

Wenn also eine Kanzlei sich über das von Ihnen angebotene Modell „Werbung gegen Rechtsberatung“ empört zeigt und das auf YouTube, Instagram, Snapchat und Twitter publik macht: keine Sorge. Die Publicity ist gut für Sie und Ihr Unternehmen. Jetzt müssen Sie das nur noch dem Vorstand erklären – und sich ein passendes Motiv für die T-Shirts einfallen lassen.

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