CLOSING 07/18

Fußball-WM trifft DSGVO

von Konstanze Richter

Fußball-WM trifft DSGVODas WM-Fieber hat die Nation fest im Griff, alles schaut gebannt nach Russland. Doch die DSGVO, von einem Marktteilnehmer ganz im Geiste des Ballsports als „dummes Eigentor“ beschimpft, macht selbst vor dem Fußball nicht halt. Ob Tipprunden im Büro, abendliches Public Viewing oder Fachsimpeln beim Mittagessen – in Sachen Datenschutz droht jetzt mancher Fallstrick. Schließlich zählt der Volkssport spätestens seit dem Sommermärchen 2006 hierzulande zu den kritischen Infrastrukturen. Die gilt es gegen Cyberattacken jeglicher Art zu schützen.

Gefahren lauern immer und überall: So macht die spanische Fußball-Liga „La Liga“ die Fans mithilfe einer Smart­phone-App zu unfreiwilligen Spitzeln. Die App aktiviert automatisch das Mikrofon des Mobiltelefons. Nimmt es ­Geräusche einer Spielübertragung wahr, prüft die App über die GPS-Daten des Handynutzers, wo der sich aufhält. Handelt es sich dabei um eine Kneipe, die keine Lizenz für das ­Public Viewing hat, schlägt die App Alarm – und die Liga zu. Wie man hört, sind die spanischen Ermittlungs­behörden ­allerdings überfordert durch zahlreiche Fälle, in denen bloß jemand den Bezahlsender gehackt und daheim mit ­Freunden Fußball einen netten TV-Abend organisiert hat.

Selbst Tipprunden im Kollegenkreis müssen datenschutzrechtlich einwandfrei organisiert sein. Schließlich handelt es sich bei den abgegebenen Tipps um das geistige Eigentum der Mitarbeiter. Während die USA und sogar China und Korea den Know-how-Schutz in ihren Ländern vorantreiben, hinkt Deutschland mit der Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtline hinterher.

Umso mehr sind Verantwortliche in den Unternehmen gefragt, eigene Systeme zu entwickeln, um die abgegebenen Tipps vor Hackerangriffen zu schützen. Es soll ja auch Kollegen geben, die sich in einer irrigen Verweigerungshaltung der Tipprunde nicht angeschlossen haben. Damit diese bloß keine Einblicke in die Vorgänge bekommen, haben einige Firmen sogar im Vorfeld der WM Chinese Walls eingerichtet.

Besondere Vorsicht ist bei personellen Wechseln während der WM geboten. Hier muss vertraglich festgelegt werden, dass ein Mitarbeiter das Wissen um WM-Favoriten keinesfalls mit zum neuen Arbeitgeber nehmen darf – im schlimmsten Fall drohen sonst Klagen wegen Geheimnisverrats.

  • Teilen