CLOSING 08/18

Bahnfahrt ins Bankenglück

von Marc Chmielewski

Bahnfahrt ins Bankenglück

Sie möchte ihr Konto löschen.

Warum geht eine Blondine mit einem Eimer Wasser in die Bank?

Aufgrund einer Deutsche Bahn-Spezialausgabe verkehrt dieses Closing heute in umgekehrter Pointenreihung. Die Witze der ersten Klasse befinden sich in den Abschnitten B und F.
Deutsche Bahn-Spezialausgabe? „Wir wurden fehlgeleitet und befinden uns auf einem falschen Streckenabschnitt!“ It’s deutsche Bank-Spezialausgabe, kleines d, ganz wichtig. 

Also, Abschnitt B, Zug nach Frankfurt, Thema Banken. Im ­Finanzsektor gilt im Jahr elf der Krise wieder: Bankenbranche = Powerbranche. Jeder Anleger spürt das im Portemonnaie, und auch die sonst gern selbstkritischen PR-Abteilungen der Banken klingen wieder selbstbewusst wie ein Lokführer, der auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt ICE fahren darf.

Wer zum Beispiel am 25. April 2017 für eine Million Euro Container bei P&R gekauft hat, muss heute gucken, ob er wirklich Container gekauft hat und was Herr Jaffé noch für ihn tun kann.

Wer an diesem Tag dagegen Aktien der Deutschen Bank (großes D, ganz wichtig) gekauft hat, hat gut lachen, selbst bei blöden (Christian) Schertzen über Dividendenverspätung durch Störungen im Betriebsablauf (miese Presse). 

An diesem Apriltag nämlich erklärte der Deutsche Bank-Chef anlässlich einer Kapitalerhöhung alle Zweifel an seinem Haus für beendet. Schön abgeräumt, die ganzen Rechtsrisiken, alles wieder auf dem Gleis. Das war die Message. Wer an diesem Tag für eine Million Euro Deutsche Bank-Aktien gekauft hat, hat jetzt immer noch mehr als eine halbe Million Euro – verglichen mit dem Containerinvestor ist das eine um viele tausend Prozent höhere Rendite. 

Kein Wunder also, dass sie in den PR-Abteilungen der Banken wie besoffen sind von all dem Ober(leitungs)wasser. Beispiel Commerzbank. Operatives Ergebnis erstes Quartal 2018: 289 Millionen Euro. Vorjahresquartal: 330 Millionen. Respekt! Dazu Durchsage vom Vorstand: „Wir liefern, was unsere Strategie auszeichnet: Wir wachsen in unserem Kerngeschäft. Wachstum ist unsere Antwort im weiterhin sehr wettbewerbsintensiven deutschen Bankenmarkt.“

Am harten Wettbewerb hat auch die HSH-Powerbank im ­Norden ihren Anteil. Pressemitteilung zum Auftaktquartal: „Erwartet hohe Belastungen“, ok, aber sonst: ein Stakkato des Aufbruchs, quasi Griff nach den Sternen. „Einsparerfolge“, „operative Wachstumstreiber“, „unverändert gute Liquiditätszahlen“. Shipping? Da „wird nach wie vor ebenso selektiv wie vorsichtig agiert“. 

Für Banking-Litigators sind all diese Erfolgsmeldungen schlechte Nachrichten. Wo es einfach super läuft, muss keiner streiten. Und wenn keiner streitet, muss der Litigator bei langweiligen Deals mitmachen. Weitsichtige Spezialisten für Bankenprozesse haben die Weichen deshalb neu gestellt: Sie wissen, dass heutzutage alles, was zwei Beine und eine Anwaltszulassung hat, eher in der sogenannten Automotive-Branche unterwegs ist. 

Dies umso mehr, als das Verfassungsgericht entschieden hat: Der Staatsanwalt darf jetzt in die Jones Day-Kiste gucken. Zwar beträgt die Verspätung mindestens anderthalb Jahre, aber alle Anschlusszüge Richtung Vorstandshaftung dürften noch erreicht werden.

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