CLOSING 09/18

Augen auf im Kanzleiverkehr!

von Konstanze Richter

Augen auf im KanzleiverkehrAnwälte sind starke Typen. Aber manchmal reicht die eigene Kraft nicht. Dann braucht es mindestens 600 PS zur Unterstützung.

So sah sich ein Leverkusener Rechtsanwalt auch völlig im Recht, als er mit seinem Sportwagen bei der Post vorfuhr, um sein Fach zu leeren. Dass die Filiale in einer Fußgängerzone lag, hatte ihn nicht zu kümmern. Schließlich war diese laut Verkehrsschild „Für den Lieferverkehr frei“ – und er hatte eine Lieferung abzuholen. Außerdem kann ja wohl auch keiner verlangen, dass er seine Stromrechnung, die Mahnung über den nicht gezahlten Golfclubbeitrag sowie die unausweichlichen Werbezettel für die neueste Diätpille („In drei Tagen 10 kg – wirkt garantiert“) zu Fuß abholt!

Das Amtsgericht Leverkusen und das OLG Köln sahen das anders. Sie wollten ihm die 30 Euro Bußgeld nicht erlassen. Die juristische Gemeinde dürfte entsetzt gewesen sein.

Fallstricke lauern überall – nicht nur in der Fußgängerzone, sondern auch in der Kanzleiwelt. Wir haben die wichtigsten Warnschilder zusammengestellt, die Sie unbedingt beachten sollten, wenn Ihnen Ihre Karriere und Ihre Kanzlei lieb und teuer sind:

  • Vorfahrt: Gilt an der Kaffeemaschine ebenso wie im Fahrstuhl. Aber grundsätzlich nur für Equity-Partner – und nur, solange die Kanzlei wirtschaftlich stabil ist.
  • Dringende Warnung vor fallenden Kanzleiumsätzen: Warum sind Sie um 23:30 Uhr schon auf dem Weg nach Hause? Sehen Sie zu, dass Sie zurück ins Büro kommen!
  • Die Sozietät befindet sich auf Schlingerkurs: Sie sollten das bisherige Managementteam rausschmeißen, sämtliche Praxisgruppen umkrempeln und mit mindestens einer Großkanzlei fusionieren.
  • Gegenwind: Aufmüpfige Associates denken nicht daran, sich unterzuordnen und fordern mindestens 200.000 Euro Einstiegsgehalt. Dann weigern sich auch noch die Mandanten, die überzogenen Stundensätze zu zahlen. Da hilft nur: zurückpusten.
  • Achtung: Der junge Quereinsteiger auf dem beschleunigten Partnertrack ist Ihnen dicht auf den Fersen. Geben Sie Vollgas!
  • Endstation: Das passiert mit Ihrer Karriere, sobald Sie Urlaub nehmen, krank werden oder so verrückt sind, Teilzeit zu beantragen. Machen Sie das besser nicht.
  • Neue Kollegen: Sie haben es mit der Internationalisierung der Kanzlei maßlos übertrieben. Diese Typen bekommen Sie nie in die Sozietät integriert.
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