CLOSING 10/18

Die fünf Goldenen Regeln für weniger Umsatz

von Marc Chmielewski

Sie haben es satt, in der Fachpresse immer diese Zahlen mit den vielen Nullen zu lesen. Freshfields macht 400 Millionen im Jahr? Bei Weil Gotshal macht jeder einzelne mehr als eine Million? Pah! Sie wissen: Geld ist nicht so wichtig, vor allem für Anwälte. Deshalb spüren Sie keinen Neid, sondern Sie haben Angst, wenn Sie diese verrückten Umsatzstatistiken lesen. Angst davor, dass Sie und Ihre Kanzlei auch irgendwann in so einer indiskreten Liste auftauchen. Zum Glück können Sie das verhindern – wenn Sie sich an diese Regeln halten.

1. Fummeln Sie am Vergütungsmodell rum. 

Machen Sie’s wie die Sozis, über die Sie sich am Stammtisch immer so gern mit Ihren Freidenkerfreunden lustig machen: Streiten Sie über die Verteilung des Kuchens, statt darüber nachzudenken, wie sich der Kuchen vergrößern ließe. Definieren Sie Gates. Gründen Sie einen Ausschuss, der einen Partner-Monitoring-Prozess aufsetzt und checkt, wer durch welches Gate darf. Bilden Sie weitere Ausschüsse, in denen über raffinierte Leistungskomponenten nachgedacht wird. Lassen Sie über die Ergebnisse dieser Überlegungen alle abstimmen. Ganz wichtig: Einstimmigkeitsprinzip. Je kleiner Ihre Kanzlei ist, desto wirksamer schützt diese Ausschussmaschinerie vor Horrorumsätzen à la Freshfields.

2. Überlassen Sie das Netzwerken den Spinnen und Spinnern.

Lässt sich ein Koch von anderen Köchen in die Töpfe gucken? Natürlich nicht. Diesen Grundsatz sollten Sie im Herzen tragen, wenn Sie für Ihre Mandantin wieder einen köstlichen Kaufvertrag (SPA nach Omas Geheimrezept) zubereiten. Lassen Sie sich von Kollegen in nichts reinreden und halten Sie sich auch bei denen raus. Nicht nur Schuster sollten bei ihren Leisten bleiben. Dieses ganze Vernetzungsgequatsche haben Leute in die Welt gesetzt, die lieber in der Kaffee­küche palavern als am Schreibtisch zu arbeiten. Silodenken ist für diese Schwätzer geradezu ein Schimpfwort. Silos sind nützliche und ehrbare Bauwerke. 

3. Konzentrieren Sie sich ganz auf Jura.

Sie sind kein Controller, Sie sind kein Betriebswirt und kein Buchhalter. Sie sind Anwalt. Lassen Sie das Ihre Mandanten spüren. Sie wissen, warum man eine Sache so oder so sehen kann – korrekt gesagt: Warum bezugnehmend auf den zugrundeliegenden Sachverhalt Paragraf soundso Anwendung finden könnte oder auch Paragraf soundso, wobei dahinstehen kann, ob … Rechnungen schreiben Sie dagegen nicht so konsequent. Das überlassen Sie den Kleinkrämern.

4. Seien Sie ehrlich. 

Freitag, 15.33 Uhr. Das Telefon klingelt in der Kanzlei, und natürlich sollte längst das Band laufen: „Leider rufen Sie ­außerhalb unserer Geschäftszeiten an!“ Aber Fräulein Schmitz hat vergessen es einzuschalten, als sie mittags ging. Sie sind eigentlich auch auf dem Sprung, greifen aber versehentlich zum Hörer, und da ist Firma Daimler am Apparat: Probleme mit Diesel, viele Klagen – ob man helfen könne? Sagen Sie‘s, wie es ist: „Ehrlich gesagt, so was haben wir noch nie gemacht. Wahrscheinlich ist das eine Nummer zu groß für uns.“ Es geht Ihnen leicht über die Lippen, denn Sie haben den Satz ja schon geübt, als damals Bayer anrief wegen Monsanto.

5. Trauen Sie den Richtigen.  

Glauben Sie bedingungslos jedem, der sagt, Sie bräuchten nur fünf Goldene Regeln für irgendwas, und dann läuft das schon. 

 

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