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Welcher Typ Anwalt sind Sie?

von Konstanze Richter

Welcher Typ Anwalt sind Sie?Umweltaktivisten und Verbraucherschützer machen der deutschen Wirtschaft das Leben immer schwerer. Tier- und Pflanzenschützer protestieren gegen die Elbvertiefung, rauschebärtige Baumhaushocker im Parka lassen im Hambi die Schaufelbagger stillstehen. Und der Autoindustrie droht mit der Musterfeststellungsklage eine Prozesslawine mit hohen Schadensersatzforderungen. Die Wirtschaftsanwälte bringen sich für künftige Prozesse in Stellung. Die Frage ist nur: Auf welcher Seite? Mit diesen drei Fragen finden Sie es heraus.

 

1) Wie hoch ist Ihr Stundensatz?

  1. 1.000 Euro ist ja wohl das Mindeste, was ein Top-Wirtschaftsanwalt wie ich verlangen muss. Man weiß ja schließlich: Was nix kostet, ist auch nix wert. (5 Punkte)
  2. 350 Euro, naja bei gut betuchten Mandanten nehme ich auch schon mal 500 Euro. (3 Punkte)
  3. Stundensatz? Ich rechne nur nach RVG ab, mit Prozesskostenhilfe kriegen wir das schon hin – aber für die wirklich gute Sache arbeite ich auch pro bono. (1 Punkt)

 

2) Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

  1. Ich arbeite 80 Stunden pro Woche und meine Freizeit nutze ich sinnvoll: mit dem Netzwerken auf dem Golfplatz. Meine Kinder dürfen die Tasche ziehen. So sehe ich die auch mal. (5 Punkte)
  2. Bei einem guten Wein und leckerem Essen mit Freunden. (3 Punkte)
  3. Mindestens zweimal die Woche gehe ich mit der Familie auf einem Waldlehrpfad wandern. Abends frage ich dann meine Kinder über das Gelernte ab und erzähle ihnen noch interessante Fakten über die Bedeutung des Purpurweiden-Jungfernkind und der asiatischen Keiljungfer für unser heimisches Ökosystem. (1 Punkt)

 

3) Welches Verkehrsmittel nutzen Sie für den Weg ins Büro?

  1. Natürlich die S-Klasse. Damit schaffe ich den Kilometer in 18 Sekunden. (5 Punkte)
  2. Bei schönem Wetter fahre ich die zehn Kilometer mit der Vespa, ansonsten hole ich meinen Oldtimer aus der Garage. (3 Punkte)
  3. Ich gehe die 5 Kilometer zu Fuß, um Insekten und Kleintiere nicht zu überfahren. (1 Punkt)

 

Auswertung:

ab 12 Punkte: Sie sind ein ganz scharfer Hund, der sich für die Mandanten voll ins Zeug legt – sofern der Preis stimmt. Haben Sie einmal Blut geleckt, gehen Sie durch alle Instanzen und lassen nicht locker, ehe nicht der Baustopp aufgehoben ist, die Bagger wieder rollen dürfen und alle Schadensersatzansprüche vom Tisch sind. Inhouse-Counsel multinationaler Konzerne stehen bei Ihnen Schlange.

ab 7 Punkte: Sie sind nicht ehrgeizig genug oder härter ausgedrückt: ein Fähnlein im Wind. Komplexe Verfahren wie der Dieselskandal und der Atomausstieg sind eine Nummer zu groß für Sie. Mal ein Stadtwerk oder Kfz-Händler, mehr ist nicht drin. Bleiben Sie lieber bei ihren Mandanten aus dem soliden deutschen Mittelstand.

0-6 Punkte: Nur ein verurteilter Konzernchef ist ein guter Konzernchef. Sie ruhen nicht, ehe nicht alle Autos abgewrackt und alle Fabriken geschlossen sind – natürlich ohne Stellenabbau. Geld verdient man damit zwar keines, aber egal, für die gute Sache ist Ihnen kein Opfer zu groß. Sie haben sich voll und ganz der Gerechtigkeit für den kleinen Mann sowie das kleine Tier verschrieben. Venceremos!

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