DEAL DES MONATS 05/18

Transformation des Energiemarkts

E.on und RWE sortieren sich mit Linklaters und Freshfields neu

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Ulrich Rust

Alles musste unter höchster Vertraulichkeit geschehen – schon aus kapitalmarktrechtlichen Gründen“, sagt RWE-General Counsel Dr. Ulrich Rust. Das gelang und so schlug die Nachricht am 12. März ein wie eine Bombe: E.on übernimmt den knapp 77-prozentigen Anteil von RWE an Innogy. Zwar war schon Ende 2017 bekannt geworden, dass es Gespräche mit ausländischen Interessenten gab.Doch dass nun ausgerechnet der deutsche Erzrivale E.on zum Zug kommt, hätte wohl niemand erwartet.

„Es ist die attraktivste Option gewesen, da sie für uns die größte industrielle Logik hat“, erklärt Rust. Dies liegt an den Tauschgeschäften, die mit dem Übernahmeangebot einhergehen. „Der groß angelegte Tausch von Assets ist der spektakuläre Teil des Deals“, sagt auch E.on-General-Counsel Dr. Guntram Würzberg. RWE wird beispielsweise eine rund 17-prozentige Beteiligung an E.on erhalten. Außerdem bekommt RWE das Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy und einen Großteil dieses Geschäftsbereichs von E.on. Des Weiteren geht ein Teil des österreichischen Energieversorgers Kelag an RWE, genauso wie ein Minderheitsanteil an den Kernkraftwerken Emsland und Grundremmingen. Unterm Strich bleibt ein Saldo von 1,5 Milliarden Euro, den RWE an E.on zu zahlen hat. Innogy hat derzeit einen Marktwert von rund 19,2 Milliarden Euro. Finanziert wird das öffentliche Übernahmeangebot unter anderem mit einem milliardenschweren Kredit der BNP Paribas. Die Transaktion im Ganzen inklusive der zahlreichen Tauschgeschäfte soll sich auf 60 Milliarden Euro belaufen, wie Bloomberg unter Berufung auf Firmenkreise schreibt. Zwar wollten weder E.on noch RWE diese Zahl auf Bloomberg-Anfrage bestätigen, doch wenn dies zutrifft, wäre der Deal einer der größten, den es in Deutschland je gegeben hat.

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Guntram Würzberg

Die beiden Konzerne richten sich mit der Transaktion völlig neu aus: Während RWE sich auf die Energieerzeugung konzentriert, verschreibt sich E.on dem Stromnetz und dem Vertrieb. „Für uns ist es das Grundlegendste in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren“, ordnet Würzberg die Bedeutung der Transaktion ein. Am Ende steht, wie Freshfields Bruckhaus Deringer-Partner und RWE-Berater Dr. Andreas Fabritius es nennt, „die Transformation des Energiemarktes in Deutschland“.

Freshfields bekam mit der Megatransaktion einen Fuß in die Coporate- und M&A-Beratung von RWE. Fabritius übernahm gemeinsam mit dem jüngeren Partner Dr. Tobias Larisch die Federführung. Letzterer steht inzwischen zwar vor dem Wechsel zu Latham & Watkins, war bis zum Platzen der Bombe am 12. März allerdings noch voll dabei und hat Beteiligten zufolge „einen klasse Job gemacht“. In zweiter Reihe findet sich Counsel Dr. Nicholas Günther, der zum neuen Geschäftsjahr zum Partner ernannt wird.

Der Zeitdruck war für alle Beteiligten enorm. „Zudem musste unbedingt verhindert werden, dass Informationen nach außen dringen“, berichtet Linklaters-Partner Staffan Illert, der sich die Federführung mit Partner und E.on-Stammberater Dr. Ralph Wollburg teilt. Doch nicht nur für die Kanzleien ist der Megadeal eine Riesen­sache, auch Würzberg betont: „Es war das Komplexeste und Anspruchsvollste, das ich je gemacht habe.“

Klarer Verlierer der Neuordnung ist Innogy. Die RWE-Tochter stand einst für die Zukunft und sollte in den Dax aufsteigen. Ihr aufwendiger Börsengang wäre wohl kaum erfolgt, wenn absehbar gewesen wäre, dass sie sich selbst aufteilen muss. Das Deal-Closing ist für Ende 2019 avisiert. Wären Vorstandsmitglieder oder die ehemalige RWE-Rechtsabteilungsleiterin Dr. Claudia Mayfeld dafür zur Tochter gezogen? Dass ihr als treue Beraterin auch Hengeler Mueller folgte, eröffnete neue Chancen für Freshfields. Sie zählt hier mit E.on und RWE zu den Gewinnern. (co)

Berater E.on
Inhouse Recht (Essen): Dr. Guntram Würzberg (General Counsel), Dr. Christoph Radke (Vice President Corporate & Governance), Sebastian Heidtkamp (Head of Legal M&A), Dr. Dermot Fleischmann (Head of Corporate & Finance Law), Dr. Iris Eveleigh (Head of Antitrust/Regulatory/Public Law)
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Staffan Illert (beide Federführung)

Berater RWE
Inhouse Recht (Essen): Dr. Ulrich Rust (General Counsel), Dr. Claas Westermann (Head of M&A Legal), Dr. Christian Kuhn (Head of Corporate, Capital Market and Civil Law), Dr. Florian Fischer (Head of Competition Law & Energy Law), Thurid Wagner-Henk (Senior Legal Counsel, RWE Power)
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Andreas Fabritius (Frankfurt), Dr. Tobias Larisch (Düsseldorf; beide Federführung; beide Gesellschaftsrecht/M&A)

Berater RWE Aufsichtsrat
Ihrig & Anderson (Mannheim): Dr. Hans-Christoph Ihrig, Dr. Nils Anderson

Berater Innogy
Inhouse Recht (Essen): Dr. Claudia Mayfeld (Leiterin Recht)
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Andreas Austmann (Federführung)

Berater BNP Paribas
Allen & Overy (Frankfurt): Thomas Neubaum (Finanzrecht), Dr. Hartmut Krause (Corporate/M&A), Dr. Mark Hallett (Bank- und Finanzrecht)

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