DEAL DES MONATS 12/18

Goldesel auf der Autobahn

Freshfields, Gleiss und Clifford beraten beim Kauf von Abertis

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Kai Hasselbach

Schon 2006 sah er das Gold auf den spanischen Straßen liegen. Der italienische Milliardär Gilberto Benetton hätte seine Freude gehabt an dem nun erzielten Verhandlungsergebnis: Drei europäische Börsenkonzerne kaufen gemeinsam den spanischen Autobahnbetreiber Abertis. Darauf haben sich der italienische Dienstleistungskonzern Atlantia, an dem die Benetton-Familie beteiligt ist, der deutsche Baukonzern Hochtief und seine Madrider Mehrheitseignerin ACS nach monatelangen Verhandlungen in einer 32 Milliarden Euro schweren Vereinbarung verständigt.

Vergangenen Herbst sah es noch ganz anders aus: Die Italiener wollten Abertis kaufen, und Hochtief ging mit Freshfields Bruckhaus Deringer und einer Gegenofferte dazwischen. Die Magic-Circle-Kanzlei tritt seit vielen Jahren bei großen Transaktionen an der Seite des Essener Baukonzerns auf. Doch dieses Mandat verlief für das Team um Dr. Kai Hasselbach weit länger als gedacht. In der ersten Phase beriet die Kanzlei zunächst noch zu dem unabhängigen Angebot, das rund 17 Milliarden schwer war.

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Christian Cascante

In der zweiten Phase kam man zur Erkenntnis, dass eine gemeinsame Offerte für Abertis auch eine Option wäre. Nun sprach man mit Gleiss Lutz-Partner Dr. Christian Cascante, der bei Atlantia im Mandat stand. Um einen Bieterwettbewerb zu vermeiden, stimmten die Italiener einem gemeinsamen Übernahmeplan im Frühjahr schließlich zu.

Dritter Partner dieses Plans wurde der Baukonzern Actividades de Construccion y Servicios, kurz ACS, der wiederum Clifford Chance mandatiert hatte. Auch der maßgebliche Finanzierer der Großtransaktion, JPMorgan, hat auf Clifford-Juristen gesetzt. Clifford hatte im August 2017 schon eine Kreditumstrukturierung bei der Tochter Hochtief bankenseitig flankiert. Und auch das Konsortium, das im Sommer 2018 die Begebung von Hochtief-Anleihen begleitete, hat die Kanzlei zu Rate gezogen.


Maut-Dukaten

Die Finanzierung stand zweifelsohne im Mittelpunkt des Deals – und dieser trat im Sommer schon in Phase 3. Die Essener hatten mit einem großen Freshfields-Team monatelang Liquiditätspläne auf die Straße gebracht. Der aktuelle Börsenwert des Zielobjekts Abertis rangierte bei rund 18 Milliarden Euro. Hinzu kam ein Schuldenberg, der noch im spanischen Teer schlummerte. Keine Nebensächlichkeit für ein Trio, dessen Bonitäten nicht das gute A-Niveau bei den führenden Ratingagenturen erreichen. Zudem war Atlantia im August durch das Brückenunglück von Genua in die Schlagzeilen geraten.

Doch zunächst bauten die drei Käufer eine neue Holding. Parallel kaufte Hochtief allein die Abertis-Aktien, per öffentlicher Übernahme. Diese Papiere brachten die Essener in das Gemeinschaftsunternehmen ein. Atlantia beteiligte sich mit 50 Prozent plus einem Anteil an dieser Zweckgesellschaft und ging in die operative Führung. ACS wiederum übernahm 30 Prozent. Somit blieben für Hochtief nur noch 20 Prozent minus einem Anteil zu schultern. Neben mehreren notwendigen Kartellanmeldungen war nun die passende Finanzierung auszurollen:

Zu den eingesetzten Mitteln gehörten rund 7 Milliarden Euro Eigenkapital, die von den drei Firmen in die Holding eingebracht wurden. Zudem griffen die Partner nach Krediten, um die Abertis-Aktien kaufen zu können. Sie sicherten sich ein Tilgungsdarlehen über drei Milliarden Euro, brachten ein anleihenahes Finanzprodukt über knapp fünf Milliarden Euro in Einsatz und unterzeichneten einen Überbrückungskredit über gut zwei Milliarden. Letzterer soll schnell abgelöst sein, indem Abertis ihre Beteiligung am spanischen Funkturmbetreiber Cellnex an eine Holding der Benettons verkauft, für rund 1,7 Milliarden Euro. Mindestens genauso entscheidend aber war, dass Atlantia umgekehrt etwa 24 Prozent der Anteile an Hochtief erwarb.

Insbesondere dabei spielte Gleiss eine wichtige Rolle und beriet die Italiener zu ihrem Einstieg beim deutschen Baukonzern. Gilberto Benetton, der Ende Oktober verstarb, war ein starker Befürworter der Abertis-Akquisition. Im Alleingang hatte Autostrade, die heute Atlantia heißt, schon 2006 die Spanier umworben. Ihre mehr als 3.000 Kilometer Autobahn und 260 Mautstellen im Stiefel waren den Benetton-Gründern nicht genug. Auch die Goldesel in Spanien hatten es ihnen angetan. Und das Beste ist: Die Esel stehen dort nicht nur an der Autobahn, sondern auch in Parkgaragen. Aus Anlegersicht ein liebenswürdig stures Langfristinvestment. (LS)

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