EDITORIAL 11/18

Drei Jahre dicke Luft

JUVE Verlag

Christine Albert und Christin Stender

Der Diesel ist sauber. Deutsche Autobauer haben noch jede Krise ­unbeschadet überstanden. Compliance ist höchstens ein Thema für den ADAC. Und Massenklagen sind in Deutschland unvorstellbar. So war das vor drei Jahren. Dann kam der 18. September 2015 – der Tag, an dem eine US-Umweltbehörde aufdeckte, dass Volkswagen bei den Abgaswerten schummelt. Seitdem hat sich viel verändert. In deutschen Städten gibt es Dieselfahrverbote. Kunden und Aktionäre fordern Milliarden von Volkswagen und Porsche. Compliance boomt, und die Musterfeststellungsklage ist beschlossene Sache. Harte Zeiten für die Autobranche – gute Zeiten für Juristen.

Drei Jahre nach Ausbruch der Krise schauen wir in unserem Schwerpunktheft darauf, wie der Dieselskandal die Arbeit von Kanzleianwälten, Unternehmensjuristen und Behördenmitarbeitern verändert hat. Und was sie ­aktuell beschäftigt. Da wäre zum Beispiel der Mammutprozess vor dem OLG Braunschweig. Mehr als 2.000 VW- und Porsche-Aktionäre fordern dort 9,5 Milliarden Euro von den Autobauern. Auf der Seite der Kläger drängeln sich nicht weniger als rund 40 Anwälte, dazu kommen noch die VW-Vertreter. Es ist völlig unklar, wie die Sache enden wird – aber der Reputationsschaden für VW ist jetzt schon da. (Ist der Ruf erst ruiniert).

Auch in den Rechts- und Complianceabteilungen der Autokonzerne hat sich viel getan. Die Teams haben sich vergrößert, vor allem im Compliancebereich. Doch für die Branche wird es immer schwieriger, Nachwuchs zu gewinnen. Auch hier macht sich der Imageverlust bemerkbar. Dabei brauchen die Rechtsabteilungen dringend Verstärkung, um die wichtigen Zukunfts­themen anzugehen (siehe Auslaufmodell).

Ob in Feierstimmung oder nicht: Wir wünschen Ihnen eine anregende Leküre!

Christine Albert
(christine.albert@juve.de)

Christin Stender
(christin.stender@juve.de)

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