BENCHMARKS – STUNDENSäTZE

Vorsorge lohnt sich

Seit nunmehr sieben Jahren behaupten sich Compliance, Kartellrecht und Wirtschaftsstrafrecht unter den für Mandanten teuersten Beratungsfeldern. Zwar stiegen die Honorare 2018 nicht, oder jedenfalls nicht signifikant, doch bleibt es dabei: Je höher das Risiko, desto weniger Verhandlungsspielraum für die Unternehmen gegenüber den Kanzleien. 

Umso wichtiger wäre es, rechtzeitig die richtigen Partner für den Fall der Krise zu identifizieren und so im Fall der Fälle die Kosten im Rahmen zu halten. Doch davon sind viele Unternehmen noch weit entfernt. Es ist der Irrglaube, man werde selbst schon nicht getroffen, der nicht nur Geschäftsführer, sondern auch viele Chefjuristen dazu verleitet, zwar nach gewohnter Manier ein M&A-Panel aufzustellen, dabei aber Compliance oder gar Strafrecht zu ignorieren. Nur langsam zeichnen sich hier Veränderungen ab, getrieben vor allem von den Compliance-Bemühungen der Unternehmen, aber auch von wachsenden finanziellen Risiken, etwa durch Kartellschadensersatz- oder andere Klagen. 

Das Kartellrecht und Litigation gehören daher auch zu den klaren Honoraraufsteigern der vergangenen Jahre. Vor allem Litigation-Experten profitieren bis heute
davon, dass viele Unternehmen sich bislang nicht strategisch auf Streitigkeiten vorbereitet haben. Den meisten Inhousespezialisten fehlt eine klare Prozessstrategie ebenso wie ein Litigation-Panel, weil ein Rechtsstreit eher als Einzelfall, denn als dauerhaftes Risiko gesehen wird. Kommt es dann zum Streit, sitzt das Geld ­locker: Sicherheitshalber gibt man lieber mehr als ­weniger Geld für eine renommierte Kanzlei aus, auch wenn man mit ihr bislang gar keine Erfahrung gesammelt hat. 

Andere tendenziell hochpreisige Beratungsfelder wie Bank- und Finanzrecht oder Private Equity blicken dagegen auf eine sehr wechselvolle Geschichte zurück, auch wenn sie im Sieben-Jahres-Rückblick gut dastehen. 

Deutlich verloren hat M&A, einst das finanzielle Zugpferd vieler Kanzleien. In der Tendenz sinken die Honorare – jedenfalls jenseits der wenigen Top-Deals. Der Grund: Vieles ist standardisiert oder lässt sich technisch unterstützen und die Unternehmen verfügen über signifikante eigene Kompetenz. Zugleich rangeln immer mehr Kanzleien um die wenigen Transaktionen, bei denen sich noch richtig Geld verdienen lässt. Die Folge: Das komplexer werdende Gesellschaftsrecht liegt inzwischen nahezu gleichauf mit M&A. (jat) »…

Eine Übersicht über die aktuellen durchschnittlichen Stundensätze finden Sie hier.

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