CLOSING 02/19

Fühlen, was sein könnteFühlen, was sein könnte

von Marc Chmielewski

In der berühmten ausgedachten Reportage „In einer kleinen Stadt“ über die Trump-Hochburg Fergus Falls schrieb Claas Relotius im Spiegel:

Neben dem Willkommensschild am Ortseingang steht ein zweites Schild, halb so hoch, aber kaum zu übersehen. Jemand muss es in der Dunkelheit aufgestellt haben. Auf diesem Schild, aus dickem Holz in den gefrorenen Boden getrieben, steht in großen, aufgemalten Buchstaben: „Mexicans Keep Out“. (…)

Sein Zimmer ist ein Raum im Erdgeschoss, im Eingang steht ein ausgestopftes Wildschwein. Er selbst sitzt hinter einem Schreibtisch, darauf läuft ein kleiner Fernseher. Es ist ein Morgen Ende Januar, auf CNN redet Donald Trump, und der City Administrator, ein Mann mit jungenhaften Zügen und einem Namensschild auf der Brust, spricht von Befreiung. „Fergus Falls hat auf Trump gewartet.“

Sagen, was ist. So macht’s der Spiegel, so macht’s ­JUVE, deshalb bekennen wir: Ja, auch wir sind Opfer eines Fälschers geworden. Wir entschuldigen uns bei allen ­Lesern. Sorry! Eine Kommission hat exklusiv für dieses Closing die krassesten Fälle dokumentiert.

Aus dem Rechtsmarkt-Artikel „In einer schwäbischen Stadt“ (14/2016):

Neben dem Ortseingangsschild steht noch ein zweites Schild, nur 3,4 Kilometer entfernt vom Hauptquartier einer in Stuttgart weltberühmten Kanzlei. Jemand muss es vor der Arbeit aufgestellt haben. Auf diesem Schild, aus dickem Holz winkeladvokatorisch in Grund und Boden argumentiert, steht in großen, aufgemalten Buchstaben: „VW-Staatsanwalt, bleibsch gfälligscht fortt!“

Anmerkung der Redaktion: Auf Anfrage kann sich niemand bei Gleiss an ein solches Schild erinnern. 

Aus dem Artikel „In einer edlen Kanzlei“ (3/2019):

Das Zimmer des Managing-Partners befindet sich im 53. Stock, darin steht ein ausgestopfter Nerz. Er selbst thront hinter einem Schreibtisch, darauf läuft ein riesiger Fernseher. Es ist ein Morgen Anfang Januar, im ZDF redet Annegret Kramp-Karrenbauer, und der Managing-Partner, ein Mann ohne Namensschild („Mich kennt doch jeder“), spricht von Unverschämtheit. „Wer sind Sie überhaupt?“, fragt er. „Haben Sie einen Termin?“

Anmerkung der Redaktion: Auf Anfrage hieß es bei Hengeler, das Zimmer des Managing-Partners befinde sich auf einer anderen Etage. Zu dem „Auswerrdische, schert eusch zum Deibel“-Schild am Ortseingang: kein Kommentar. 

Aus dem Artikel „In einer kleinen Lederhose“ (23/2015): 

Jemand muss in der Dunkelheit den Aufsichtsrat verklagt haben, und während im Bayerischen Rundfunk Seehofer Reden in den Boden treibt, spricht ein Anwalt von Justizskandal. Er hat kein Namensschild auf der Brust, aber eines aus Holz mit großen, aufgemalten Buchstaben in der Hand: „Saupreissn, elendige, schauts, dass‘ euch schleichts!“

Anmerkung der Redaktion: Diese altehrwürdigen Münchner Prozesskanzleien würden nie jemanden verklagen, der es nicht verdient hat!

Aus dem Artikel „Klägers Grenze“ (15/2017): 

Ein Wildschwein zerstört einen kleinen Fernseher am ­Ortseingang. Total bescheuert, aber kaum zu übersehen, und während im Erdgeschoss ein Anwalt darüber nachdenkt, was hinten rauskommt beim Auto, feilt ein jungenhafter Kollege an Klagen aus dickem Holz. Auf CNN redet Donald Trump über gefrorene Budgets und ausgestopfte Haartollen. 

Anmerkung der Redaktion: Bei Hausfeld und Quinn Emanuel bestätigt man diese Darstellung dem Grunde nach, allerdings habe niemand mit dem Management gesprochen.

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