CLOSING 04/19

Personal für die Traumkanzlei

von Konstanze Richter

Personal für die TraumkanzleiIhre Kanzlei hat Nachwuchssorgen? Ihr Gründungspartner sieht sich aus Personalmangel gezwungen, auch jenseits des 90. Geburtstags unverdrossen 2.500 Billables im Jahr zu leisten? Ihr Managing-Partner hat die Nase voll davon, neben der Mandatsarbeit und den Management-Aufgaben auch noch Recruiting und Personalthemen zu betreuen? Ihre Associates haben kurz nach Abschluss der schweineteuren Top-Ausbildung eine eigene Kanzlei gegründet und die Hälfte der Mandanten mitgenommen?

Sie brauchen einen Human-Ressources-Professional! Sie verstehen ja vielleicht etwas von Jura. Aber nur jemand, der auch etwas von Menschen versteht, kann Rainmaker gewinnen und Jungstars an die Kanzlei binden. Exklusiv für JUVE hat ein HR-Profi die Kanzlei der Zukunft entworfen:

  • Die HR-Abteilung zählt künftig mindestens so viele Mitarbeiter wie die Kanzlei Partner hat. So muss kein Partner mehr direkt mit seinen Associates reden, sondern kann dies seinem persönlichen HR-Manager überlassen.
  • Die Junior Associates gründen einen Betriebsrat und erkämpfen ein Mitspracherecht bei Partnerversammlungen, die 35-Stunden-Woche und 200.000 Euro Einstiegsgehalt.
  • Die einzig verbliebene Intelligenz in der Kanzlei ist künftig die Künstliche Intelligenz. Mit einer ausgefeilten Legal-Tech-Anwendung klappt es dann auch endlich mal mit der richtigen Work-Life-Balance, mit der Sie schon seit Jahren werben.
  • Demzufolge sorgen tägliche Massagen, ein betriebseigenes Fitness-Studio, Sauna und Meditationsraum mit Licht­therapie für die nötige Entspannung im Alltag, der Therapiehund beruhigt nach anstrengenden Mandanten­gesprächen.
  • Weg mit den überzogenen Anforderungen an Berufseinsteiger: Doppel-VB und LL.M. sind überbewertet. Es reicht vollkommen, wenn Bewerber den Dativ nicht mit dem Genitiv verwechseln und wissen, wie das BGB aussieht.
  • Nie wieder Nachwuchsprobleme: In der kanzleieigenen Kita schulen sie die Top-Juristen von morgen. Die Kinder modellieren die Justizia aus Salzteig, tanzen die Gesetzestexte und lernen anhand des Pendel-Orakels, wie die Rechtsprechung in der Realität funktioniert.
  • Frauenförderung war gestern. Jetzt werden endlich mal die Männer gefördert: Besonders großer Nachholbedarf herrscht bei Themen wie der perfekten Nagelpflege, dem passenden Farbcode für die Garderobe zum Mandanten­gespräch und dem richtigen Zuhören.         

Das ist ihnen alles zu aufwendig? Machen Sie es wie das Immobilienunternehmen Engel & Völkers neulich zum Weltfrauentag: Stellen Sie Ihre fünf männlichen Partner nebeneinander auf, machen ein Foto, twittern das und schreiben darunter über ihre weiblichen Vorbilder: „Unsere Omas. Warum? Sie machen die besten Kekse!“

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