CLOSING 07/19

High sein, frei sein, auch Dentons will dabei sein

von Konstanze Richter

Lange galt Cannabis als das Kraut ewig gestriger Hippies und schmarotzender Aussteiger. Mit den glas- und stahlverkleideten Bürotürmen erfolgreicher Wirtschaftskanzleien hatte die Pflanze ungefähr so viel gemein wie der VW-Käfer mit dem Mercedes Maybach S-600.

High seinDoch die Liberalisierung des Gesetzes für medizinisches Cannabis verspricht gute Geschäfte. Deshalb wollen sich auch Kanzleien ihren Anteil am Space Cake sichern. CMS Hasche Sigle begleitete einen kanadischen Anbieter bereits 2018 beim Markteintritt in Deutschland. Bird & Bird zählt nach eigenen Angaben „zu den Vorreitern im Bereich Cannabismedizin“. Viele brennen darauf, das eine oder andere Joint Venture durchzuziehen, alle sind hungrig auf Business und Schokolade. Dentons hat sogar eine European Cannabis Sector Group gegründet.

Deloitte präsentiert schon einen „Cannabis Report 2018“ – und erblickt darin Rauchzeichen aus der besten aller möglichen Welten des Hanfkonsums. Vorbild Kanada, aber vielleicht bald auch schon hier. In Kanada sollen ab Herbst 2019 auch Lebensmittel und Konzentrate, die Cannabis beinhalten, frei verkäuflich sein. So ließen sich neue Zielgruppen erschließen, schwärmt Deloitte: „Ältere, meist weibliche Kanadierinnen, die für den Cannabiskonsum ihnen vertrautere Konsumformen – wie Backwaren – bevorzugen“. Die Big-4-Gesellschaft, so munkelt man, fährt in Deutschland heimlich erste Testreihen mit schwäbischen Hausfrauen.

Doch bis die Bundesrepublik dem Beispiel Kanadas folgt, müssen deutsche Lifescience-Anwälte erst noch andere – schon jetzt legal und frei erhältliche – alternative Medizinprodukte in ihren Business Case legen. So einige Nischenprodukte bergen noch Geschäftsideen. Hier ein paar berauschende Anregungen:

1) Praxisgruppe „Ein Männlein steht im Walde“: Fliegenpilz wird in der Naturheilkunde gegen Stimmungsschwankungen und Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt. Aber das ist längst nicht alles, was dieser kleine Freund draufhat.

2) Praxisgruppe „Omas Gewürzschrank“: Mit Muskatnuss bekämpft man Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden oder Kreislaufstörungen – aber bei hoher Dosierung lässt sich auch Nüchternheit bekämpfen, genau wie mit Cannabis.

3) Praxisgruppe „Happy Cat“: Katzenminze sorgt nicht nur bei Ihrem Stubentiger für einen Rausch. Als Tee aufgebrüht oder geraucht entfaltet sie auch beim Menschen eine milde sedative und euphorisierende Wirkung, ähnlich einem leichten Cannabisrausch.

Wer sich nicht entscheiden kann, dem sei ein Selbstversuch empfohlen. Mögliche Nebenwirkung könnte ein tiefenentspannter Kanzleialltag sein.

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