CLOSING 09/19

Auf dem Basar

von Konstanze Richter

Auf dem BasarDie Deutschen feilschen nicht. Egal ob der schicke Fummel aus der Edel-Boutique oder der Vertrag für den 500-Millionen-Deal aus der Großkanzlei: Gezahlt wird, was auf dem Preisschild steht oder der Stundensatz hergibt. 

Doch plötzlich spielen die Mandanten nicht mehr mit – und wollen feilschen. Sie schicken geschulte Teppichhändler – neudeutsch: Legal Spend Manager – in die Honorarverhandlungen. Da der letzte Flohmarktverkaufsstand eines Super-Litigators in der ­Regel schon ein Weilchen ­zurückliegt und er auch Basarbesuche ­ablehnt, setzen die Kanzleien ihrerseits ­zunehmend auf eigene Pricing-Manager. Die JUVE Closing-Redaktion war undercover bei solch einer Preisverhandlung dabei.

Mandant: Also die Verteidigung unseres Geschäfts­führers wegen des Betrugsverdachts, plus die ­Transaktionsverträge für den Verkauf unserer ­Tochtergesellschaft: Was kostet uns das?

Kanzlei: Allein für die Prüfung der Betrugsvorwürfe müssen wir mindestens 50 Partnerstunden à 550 Euro veranschlagen. Dazu kommt dann die Prozessvertretung. Und die Kosten für die Transaktion können wir unmöglich im Voraus abschätzen. Reise-, Kopierkosten und Legal-Tech-Anschaffungen natürlich nicht eingerechnet. 

Und pauschal, geht da was? 

Kommt ganz darauf an. An wie viel hatten Sie denn gedacht?

Mein Budget liegt bei 500.000 Euro für alles. 

500.000 Euro! Wollen Sie uns ruinieren? Unser früherer Namenspartner hat seine Großfamilie plus drei uneheliche Kinder zu versorgen. Außerdem müssen wir 70 Associates bezahlen. Mit Einstiegsgehältern ab je 150.000 Euro. Und unser neuer Pricing-Manager kostet uns ja auch nicht nur ’nen Appel und ein Ei. 

Also gut. Ich lege 150.000 Euro drauf, aber nur wenn die Reisekosten eingeschlossen sind.

650.000 Euro! Sind Sie verrückt geworden? Dafür setzt kein Partner morgens auch nur einen Fuß aus dem Bett. Wir bieten schließlich allerbeste Qualitätsarbeit. Full Service, modernste Legal Tech und das Rundumwohlfühlpaket. Die Kosten lassen sich zwar unmöglich im Voraus abschätzen. Aber klar ist: Das ist mindestens 1,5 Millionen Euro wert! 

Mensch, meine Einkaufsabteilung steigt mir aufs Dach. Mehr als 800.000 geht wirklich nicht.

Hmm. Wenn wir statt der zehn geplanten Partner nur einen einsetzen, eventuell noch drei Projektjuristen hinzuziehen und statt Volljuristen ein paar Wirtschaftsjuristen, dann können wir das für den Preis machen. Aber eins sage ich Ihnen: Eine Garantie, dass Ihr Geschäftsführer auch straffrei ausgeht, gibt es für so einen Discount nicht. 

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