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Kanzlei-Leaks

von Konstanze Richter

Kanzlei-LeaksWahre Geschichte, neulich in der JUVE Redaktion: Die E-Mail einer Medienagentur flattert ins Haus, im Anhang eine Pressemeldung. Darin wird ein Kunde der Agentur als bester Arbeitgeber aller Zeiten skizziert. Die Mitteilung enthält alles, was PR-Manager lieben und Redakteure nicht wirklich brauchen. Von „wertschätzender Kultur in der Zusammenarbeit“ ist die Rede, von „Respekt, Vertrauen und Teamgeist“ und „transparenter Verfolgung der auf Wachstum ausgerichteten Unternehmensstrategie“. Dazu ein Foto des CFO mit dem Hinweis: „Zum Download auf Bild klicken und dann weiter per Rechtsklick.“

Klingt alles so gut, dass man nicht glauben kann, es könnte noch besser werden. Trotzdem fragt der Autor sicherheitshalber noch mal: „Moin Team, diese Meldung soll asap an die Presse raus. Freue mich auf Euer Feedback.“ Die Antworten der Kollegen liegen JUVE vor, weil am Ende ein PR-Stratege nicht nur die Pressemitteilung, sondern auch den vorangegangenen internen Mailverkehr an die Presse geschickt hat. Einer schreibt: „Es fehlt noch eine Worthülse wie ,Wir haben uns nach all den Jahren ­eine Start-up-Kultur und einen dynamischen Spirit erhalten‘ oder so. Und eine Frage noch: Ist das mit dem Rechtsklick aufs Foto für manche Journalisten nicht schon zu komplex?“ JUVE meint: Mindestens so komplex wie Outlook!

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Wie PR-Firmen gegenüber Journalisten haben auch Kanzleien zuweilen ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Inhouse-Juristen. Auch das belegt ein Mail-Irrläufer, der bei JUVE landete.

E-Mail einer Großkanzlei. Im Anhang ein Entwurf für Pitchunterlagen. Die Kanzlei will sich als bester Rechtsberater aller Zeiten bei einem internationalen Konzern in Szene setzen. Die Mitteilung enthält alles, was Managing-Partner lieben und General Counsel nicht wirklich brauchen. Von „erstklassiger Beratung bei grenzüberschreitenden Transaktionen“ ist die Rede, von „hochspezialisiert, verknüpftem Know-how“ und der „kritischen Distanz, um Zusammen-hänge zu sehen und Neues entstehen zu lassen“. Dazu ein Link auf die Kanzlei-Webseite mit dem Hinweis: „Mehr Informationen über unsere top-gerankten Partner und die exzellente Beratung finden Sie hier.“

Klingt alles so gut, dass man nicht glauben kann, es könnte noch besser werden. Trotzdem fragt der Autor sicherheitshalber noch mal seine Partnerkollegen: „Guten Morgen, diese Unterlagen sollen asap an den Mandanten versandt werden. Ich freue mich über Anregungen und den partnerschaftlichen Austausch.“ 

Der Vorschlag des Kollegen ist versehentlich an die Mail angehängt: „Es fehlen noch wichtige Informationen wie ,Exzellenz ist unser Anspruch, Mandant und Mandat sind unsere Passion‘ sowie ,Wir bieten höchste Qualität und für praxisnahe und kreative Lösungen‘. Und eine Frage noch: Ist das mit dem Link auf unsere Website für manche Rechtsabteilungsleiter nicht schon zu komplex?“ 

Im Pitch ging die Kanzlei leer aus. Vielleicht hat der General Counsel das einfach mit diesem Link zu den top-­gerankten Partnern nicht hingekriegt.

 

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