DEAL DES MONATS 01/19

Entscheidend ist nicht immer auf’m Platz

Noerr und Taylor Wessing trennen Hertha BSC und Investor KKR

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Christian Pleister

Der eine schwört auf Hertha BSC, der andere ist seit seinem zehnten Lebensjahr HSV-Fan. Rein fußballerisch gesehen spielen sie derzeit also nicht in derselben Liga. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie keine Angst vor Heuschrecken haben. Denn anders als die meisten Fans haben der Berliner Prof. Dr. Christian Pleister von Noerr und der Hamburger Dr. Frank Koch von Taylor Wessing nicht per se etwas gegen den Einstieg von Investoren in Bundesligaclubs. Schließlich seien nicht alle Vereine beziehungsweise deren Vertreter automatisch besser qualifiziert, einen Club – und damit ein Unternehmen – zu führen als eine Heuschrecke, nur weil sie im Fußball zuhause sind. In diesem Punkt sind sich die beiden einig. Und doch haben sie soeben den Ausstieg eines Investors verhandelt.

2014 war die Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) mit rund 61 Millionen Euro bei Hertha BSC eingestiegen – als erster Finanzinvestor in der Bundesligageschichte überhaupt. Vor wenigen Wochen kaufte der Verein die knapp 13-prozentige Beteiligung an seiner Erstliga-Kapitalgesellschaft wieder zurück.

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Frank Koch

Dafür musste Hertha laut Medienberichten knapp 10 Millionen Euro mehr auf den Tisch legen, als sie damals bekommen hatte: 27,8 Millionen Euro für die KKR-Anteile plus 43 Millionen Euro für die Ablösung weiterer Zahlungsverpflichtungen. Trotzdem hat sich das Investment für beide Seiten gelohnt: KKR profitiert von einer erheblichen Wertsteigerung auf den Eigenkapitalanteil und Hertha BSC konnte in der abgelaufenen Saison einen Rekordumsatz von mehr als 150 Millionen Euro vorweisen – und machte erstmals seit 2014 wieder Gewinn. Mit den KKR-Millionen kaufte der Verein die in klammen Zeiten verscherbelten Vermarktungsrechte zurück, die nun – auch durch die besseren Platzierungen in der Liga – zuverlässig Geld in die Kassen spülen.

Um den Investor nun auszubezahlen und den Verein wieder allein steuern zu können, hat Hertha eine fünfjährige Anleihe von 40 Millionen Euro bei institutionellen Anlegern platziert. Das Geld, für das der Verein einen Zinsssatz von 6,5 Prozent zahlt, kommt von der Frankfurter Equinet Bank, die seit Kurzem zur norwegischen Investmentbank Pareto Securities gehört. Die Norweger arbeiten daran, Nordic Bonds als Refinanzierungstrend für den deutschen Mittelstand auszubauen. Die Konditionen für die Finanzierung verhandelte Pleister mit den Stockholmer Anwälten der finnischen Top-Kanzlei Roschier.

Echte Fans stehen zu ihrem Verein

In Finanzierungsfragen war Hertha übrigens schon immer recht innovativ: 2004 war sie der erste Club der Fußballbundesliga, der eine öffentliche Anleihe begab. Sie war mit der niedrigen Stückelung von 100 Euro in erster Linie auf die Fans des Berliner Clubs ausgerichtet und wurde deswegen auch „Fan-Anleihe“ genannt. Schon damals an der Seite seines Vereins: Noerr-Anwalt Pleister. Zehn Jahre später, als der Verein ungefähr die zehnfache Summe einsammeln will, steht Pleister dem Hamburger Corporate-Partner und Sportrechtler Koch gegenüber.

Doch so attraktiv die deutsche Bundesliga für Fans, Fernsehzuschauer und Sponsoren auch sein mag, für Investoren gibt es eine entscheidende Hürde: die 50+1-Regel. Erst im März 2018 hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) beschlossen, die deutsche Sonderregel beizubehalten, die eine komplette Übernahme von DFL-Clubs durch Investoren verhindert. Mehrheit am Kapital: ja, Stimmenmehrheit: nein. Doch die 50+1-Regel steht zunehmend auf wackeligen Beinen.

Nachdem Hannover 96-Präsident Martin Kind mit seinem Antrag scheiterte, als langjähriger Förderer die Mehrheit an „seinem“ Verein zu übernehmen, klagte er vor dem Schiedsgericht des DFB. Sollte er dort ebenfalls scheitern, will er eine zivilrechtliche Klage anstrengen. 50+1 könnte dann im europarechtlichen Kontext komplett gekippt werden. Für Fußballfans ein Graus, für Investoren und Anwälte eine Chance.

Entscheidend ist nach Meinung Kochs jedoch nicht in erster Linie, wer als Investor die Geschicke des Vereins leitet, sondern dass klare Anforderungen an die Qualität des Club-Managements gestellt werden. „Statt 50+1 sollte es  etwas vergleichbares wie die BaFin für Bankvorstände geben“, lautet sein Vorschlag.

An seiner Seite stand sowohl beim Ein- als auch beim Ausstieg von KKR der auf Aktienrecht spezialisierte Berliner Büroleiter Marc-Oliver Kurth. Dessen Lieblingsverein, der derzeitige Tabellenführer Borussia Dortmund, schlug im Jahr 2000 einen ganz anderen Finanzierungsweg ein: Er ging an die ­Börse. (ank)

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