DEAL DES MONATS 03/19

Daimler und der 1. FC Köln zocken mit

Mit White & Case und Osborne Clarke geht es ins E-Sports-Geschäft

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Matthias ­Kiese­wetter

Wenn Daimler sich auf neues Terrain wagt, dann gern mit White & Case. Der Stuttgarter Autobauer weiß, was er an ihr hat. Die US-Kanzlei war beispielsweise 2011 dabei, als Daimler verkündete, zusammen mit Bosch Elektromotoren bauen zu wollen. Drei Jahre später verhandelten sie gemeinsam die Rechte an der Taxivermittlungs-App MyTaxi. Bei seiner strategischen Beteiligung am amerikanischen Carsharing-Marktführer Turo vertraute das Unternehmen auf ein Team um Corporate-Partner Dr. Tim Arndt. Und auch den Weg in den Onlinehandel – genauer gesagt den Gebrauchtwagenmarkt – hat der Frankfurter White & Case-Partner für die Stuttgarter geebnet.

Für den Einstieg in das E-Sports-Geschäft bei SK Gaming setzte Daimler auf den jungen Transaktionsberater Dr. Matthias Kiesewetter. Der Hamburger Anwalt, der regelmäßig Mandanten der Tech-Szene und Automobil-Branche berät, kennt sich aus mit E-Commerce und Neuen Medien. Seinem Team ist geläufig, dass SK Gaming neben Mousesports aus Berlin zu den größten E-Sports-Organisationen in Deutschland zählt. Aber Kiesewetter dürfte schon andere Herausforderungen bewältigt haben. Er war 2018 der einzige neue Partner der US-Kanzlei in Deutschland. Hier unterstützte er nun Daimlers Rechtsabteilung, die wie üblich die Zügel in der Hand halten dürfte.

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Nicolas Gabrysch

Nach JUVE-Informationen werden Daimler, der 1. FC Köln und der Gründer Alexander Müller künftig jeweils ein Drittel der Anteile an der E-Sports-Organisation SK Gaming halten, die schon vor zwanzig Jahren aufgesetzt wurde. Wie hoch ihre Investitionssummen sind, ist nicht bekannt, nur, dass die Anteile nicht im Bieterverfahren verteilt wurden. Der vorherige Mehrheitseigner ESForce Holding gibt mit der Transaktion seine gesamte Beteiligung ab. In der Spielebranche heißt es, dass die russische Holding in der Regel auf anwaltliche Beratung verzichtet. Da das Kartellamt den Deal noch zulassen muss, mandatierte Daimler für die Kartellanmeldung JUVE-Recherchen zufolge auch den Münchner Partner Dr. Andreas Birnstiel von Noerr. Der Kartellrechtler tritt nicht zum ersten Mal an der Seite des Autokonzerns auf. Er hatte unter anderem schon die fusionskontrollrechtlichen Aspekte beim Erwerb der Intelligent Apps (MyTaxi) in die Hand genommen.

Die Rasenprofis gehen online

Co-Investor 1. FC Köln kooperiert bereits seit Anfang 2018 mit SK Gaming. Im Gegensatz zu anderen Bundesligavereinen hat der Zweitligist zwar noch keine eigene Abteilung für den E-Sport aufgebaut. Aber dafür ist der Kölner Verein mit dem neuen Mehrparteienvertrag in der Tasche nun der erste unter den deutschen Fußballclubs, der in den schnell wachsenden Sektor als Investor einsteigt.

Die E-Sports-Profis von SK Gaming treten im bekannten Computerspiel „FIFA“ an, aber auch in „Counter-Strike“ oder „League of Legends“. Sie werden künftig die Aufschrift des „effzeh“ auf dem Trikotärmel tragen und zudem in den Vereinsfarben Rot-Weiß im „FIFA“-Spiel auflaufen. Dafür sorgte ein Team um Dr. Hendrik Schindler. Der Corporate-Partner von CMS Hasche Sigle wurde hier erstmals von dem Traditionsclub, den er zuvor schon im Vertrags- und Vereinsrecht beraten hatte, für eine Transaktion mandatiert. Hier kam das CMS-Team vor allem zum Abschluss des Kaufvertrages ins Spiel.

Doch unabhängig von diesem Deal kann CMS auf seinen Track Record im Games- und E-Sports-Sektor verweisen. Der Medienrechtler Dr. Pietro Graf Fringuelli ist tief in der Branche verwurzelt und Vorsitzender des Verbandes World eSports Association: Dieser setzt sich für die Qualitätssicherung und Regulierung der Profiteams und Turniere ein. Mitten im Spielgeschehen stehen auch regelmäßig die Osborne Clark-Partner Konstantin Ewald und Nicolas Gabrysch, die ihre langjährige Mandantin SK Gaming hier durch die Verhandlungen navigierten. Auch Daimler ist mit dem kompetitiven Wettkampf zwischen Mensch und Computer schon vertraut. Der Automobilkonzern ist bereits seit 2017 Partner der E-Sports-Liga ESL. Doch dass die Stuttgarter nun nicht nur eine Kooperation eingehen, sondern auch Anteile erwerben, ist selbst für sie ein großer Schritt und für die E-Sports-Branche gar wie ein Ritterschlag zu verstehen. Damit könnte Daimler eine ganze Reihe neuer Investoren und Sponsoren auf den Plan rufen. Da schadet es nicht, dass der Mercedes-Stern zünftig auch auf der Trikotbrust der SK-Gaming-Spieler aufblitzten wird.
Mit dem Branding erreicht der Automobilhersteller genauso wie der 1. FC Köln eine neue, digitalaffine und jüngere Zielgruppe. Die trainiert zwar ihren Sport in Messehallen an hochleistungsfähigen Computern, statt draußen kicken zu gehen. Doch spätestens, wenn sich die gut fokussierten Stars die Preisgelder in Millionenhöhe in den E-Sports-Weltmeisterschaften abholen, sollten sie im neuen Mercedes vorfahren. Das steht vermutlich auch in dem Vertrag. (av)

Berater Daimler
White & Case (Hamburg): Dr. Matthias ­Kiese­wetter (Federführung, M&A/Corporate), Josef Michael Große-Honebrink (Steuerrecht, Frank­furt); Associates: Moritz Müller-Buttmann (M&A/Corporate), Dr. Sebastian Stütze (Arbeits­recht)
Noerr (München): Dr. Alexander Birnstiel; Associate: Stefan Bauer (beide Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater 1. FC Köln
CMS Hasche Sigle (Köln): Dr. Hendrik Schindler; Associate: Konrad Latz (beide Corporate/M&A)

Berater SK Gaming
Osborne Clarke (Köln): Konstantin Ewald (Medienrecht), Nicolas Gabrysch (Coporate/M&A)

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