DEAL DES MONATS 04/19

Umkämpfte Frischeboxen

Latham und Linklaters bugsieren Ifco nach Dual-Track-Verfahren in neue Hände

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Oliver Felsenstein

Rein nationale Private-Equity-Deals muss man mit der Lupe suchen. Aber dass es mal so international zugeht wie beim Verkauf des Logistikriesen Ifco, das kommt auch nicht alle Tage vor. Das Unternehmen aus München liefert und managt Plastikkisten für Frischwaren, die sich stapeln lassen, stabil und an den Seiten belüftet sind. Es klingt unspektakulär, aber weil in diesen Kisten jedes Jahr 1,3 Milliarden Mal Fleisch, Bananen und Eier an Händler geliefert werden und das in mehr als 50 Ländern, ist es ein ziemlich großes Geschäft. Und damit werden Gemüsekisten auf einmal auch interessant für Wirtschaftsanwälte – vor allem dann, wenn dieses Geschäft, wie nun im Fall Ifco geschehen, verkauft wird.

Am Ende hat Oliver Felsenstein mit seinem Team der Stammmandantin Triton zu ihrem bisher größten Deal verholfen. Bevor aber am Abend des 24. Februar, einem Sonntag, im Londoner Linklaters-Büro die Verträge unterschrieben werden konnten, musste einiges passieren: eine Woche Verhandlungsmarathon, davor ein Bieterverfahren, an dem sich unter anderem PAI, CVC, EQT und Pamplona sowie der kanadische Vermögensverwalter Brookfield beteiligten – und parallel dazu die Vorbereitung eines Börsengangs.

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Marco Carbonare

Ifco gehörte seit 2010 zu dem australischen Konzern Brambles, einem Leihpaletten-Imperium mit zuletzt 7 Milliarden US-Dollar Umsatz. Brambles hatte im vergangenen Jahr bekanntgegeben, sich von Ifco trennen zu wollen. In dem Dual-Track-Verfahren blieb bis zur letzten Sekunde offen, ob Ifco in einem Bieterrennen an einen Private-Equity-Investor verkauft oder doch an die Börse gebracht wird. Für den Fall, dass man sich nicht mit einem Bieter geeinigt hätte, wäre alles für einen IPO in Frankfurt oder London vorbereitet gewesen.

Fast verheiratet mit Linklaters

Es verwundert nicht, dass für Brambles viele Kanzleien und Anwälte aus vielen Ländern im Einsatz waren: ein australischer Verkäufer, das Target mit Hauptsitz in Deutschland, eine Holding in den Niederlanden, ein Kaufvertrag nach englischem Recht, parallel Börsenprospekt nach einem australischen Scheme of Arrangement, das für ein mögliches Listing in Europa angepasst werden musste – das verlangte den Hauptkanzleien Allens und Linklaters einiges an Koordination ab.

Allens ist die australische beste Freundin von Linklaters. Beide sind noch enger miteinander verbandelt als etwa Hengeler Mueller mit ihrem berühmten Best-Friends-Netzwerk. Australische Allens-Partner führen auch Linklaters in der Signatur – die Integration geht so tief, dass der nächste Schritt schon eine Fusion wäre, so beschreiben es manche Partner. Beim Ifco-Deal zeigte sich, wie eng beide Kanzleien zusammenarbeiten können.

Ein Team um Allens-Partner Vijay Cugati und Londoner Linklaters-Partner führte maßgeblich die Verkaufsverhandlungen. Während hier wie bei den IPO-Vorbereitungen Allens die Federführung hatte, steuerte Linklaters die weltweite Due Diligence aus dem Frankfurter Büro.

Diese war aufwendig, da Ifco in vielen Teilen der Welt operatives Geschäft betreibt und es sich mit Blick auf Prospektpflichten für einen möglichen IPO nicht um eine reine M&A-Due-Diligence handelte. Während das Team um Linklaters-Partner Carbonare große Teile Europas und die USA selbst abdeckte, arbeitete die Kanzlei für die Due Diligence in zahlreichen Ländern mit namhaften Kanzleien zusammen, etwa mit Eisenberger & Herzog in Österreich, Bär & Karrer in der Schweiz, McCarthy Tétrault in Kanada, Carey in Chile und Lloreda Camacho in Kolumbien.

Am Ende setzte sich ein von Latham beratenes Käuferkonsortium aus Triton und dem Staatsfonds von Abu Dhabi durch. Die Käufer zahlten umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro. (mc)

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