DEAL DES MONATS 06/19

Dollars and Entertainment

KKR baut sich einen Medienkonzern mithilfe von Noerr und Hengeler

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Johannes Kreile

Wäre das jüngste Projekt des Private-Equity-Hauses KKR im deutschen Mediensektor eine TV-Serie namens „Buy and Build“, so könnte sie glatt einen Drehbuchpreis abräumen.  Aus zunächst vier bestehenden Medienunternehmen will der amerikanische Finanzinvestor einen Player formen, der es mit den etablierten Studios aufnehmen kann. Die Targets, die sich KKR dafür ausgesucht hat, könnten unterschiedlicher kaum sein: Im ersten Schritt kaufte das PE-Haus eine Konzerntochter und einen patriarchalisch geführten Mittelständler. Nun kamen noch ein kleines, Oscar-prämiertes Filmstudio und eine  Werkstatt für Fernsehshows und journalistische Formate dazu. Vier separate Verhandlungsstränge, ein großes Finale, und bald beginnt schon die zweite Staffel.

Die Hauptrollen unter den Rechtsberatern erhielten zwei Kanzleien, die schon länger gute Beziehungen zu KKR haben: Noerr punktete mit der enormen Medienexpertise des Münchner Teams um Prof. Dr. Johannes Kreile, der die Branche seit über 30 Jahren in- und auswendig kennt und den meisten hier Beteiligten schon in anderen Konstellationen begegnet ist. KKR ist seit ihrem Engagement bei ProSiebenSat.1 vor einigen Jahren zwar branchenerfahren, doch gerade im Planungsstadium waren die Noerr-Anwälte wichtige Sparringspartner für die Investoren. Auch die Due Diligence übernahm das Noerr-Team um Kreile und den Private-Equity-Partner Dr. Georg Schneider.

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Sebastian Schneider

Für die Verhandlungen mit den Verkäufern der Targets engagierte KKR Mitte 2018 ein umfangreiches Team von Hengeler Mueller. Der Düsseldorfer Grandseigneur Dr. Maximilian Schiessl, seit langen Jahren erste Anlaufstelle für den PE-Investor bei Hengeler, blieb diesmal etwas im Hintergrund. Stattdessen übernahmen mehrere jüngere Berliner Partner den Lead: Der Medienrechtsexperte Dr. Albrecht Conrad steuerte den Kauf des Ankerunternehmens Tele München ins Ziel, Corporate-Partner Dr. Stefan Richter parallel den Erwerb von Universum Film. Nun folgten unter Federführung von Dr. Sebastian Schneider die Add-ons Wiedemann & Berg und i&u TV. Koordiniert wurden die vier Stränge von Dr. Christian Schwandtner in Düsseldorf.

Namhafte Besetzung

Dabei hatten die Hengeler-Anwälte sehr unterschiedliche Gegenüber: Der Filmrechtevertrieb Universum gehörte jahrzehntelang zu RTL und Bertelsmann. Entsprechend führten die Rechtsabteilungen aus Köln und Gütersloh die Verhandlungen, unterstützt von einem Team der Frankfurter Kanzlei Greenfort um Corporate-Partner Andreas von Oppen. Die Tele München-Gruppe hingegen ist das Geschöpf des Wiener Juristen Dr. Herbert Kloiber. Der ist bekannt dafür, seine Firma mit fester Hand und scharfem Blick fürs Detail zu führen. Das prägte auch die Verkaufsverhandlungen, die Kloiber gemeinsam mit seinem Münchner Vertrauten Dr. Claus Hass führte. Dessen Kanzlei Wirsing Hass Zoller steht schon seit Jahrzehnten regelmäßig an der Seite von TMG, die nicht nur an den Fernsehsendern RTL II und Tele 5 beteiligt ist, sondern auch selbst Filme produziert und mit Lizenzen handelt.

Aus einer ganz anderen Generation stammen die Gründer der 2003 gestarteten Filmproduktionsfirma Wiedemann & Berg, die – wie auch Herbert Kloiber junior – zum Management des neuen Medienkonzerns unter CEO Fred Kogel gehören werden. Hier gab eine Medienpraxis den Ausschlag für das Verkaufsmandat: SKW-Medienrechtler Dr. Martin Diesbach, ursprünglich selbst ein Zögling von Noerr-Partner Kreile, holte für die Transaktion seiner Stammmandantin W&B ein Team um M&A-Partner Dr. Stephan Morsch dazu. Das vierte Target i&u TV, die Produktionsfirma von Günther Jauch, setzte mit CMS ebenfalls auf eine Kanzlei mit starker medienrechtlicher Präsenz.

Mit den Zukäufen hat KKR nun nach eigenen Angaben alle Bausteine für einen Medienkonzern beisammen, der die ganze Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Vertrieb abdeckt. Story-Ideen für die nächsten Staffeln gibt es genug: Nach der Integration und vielleicht noch weiteren Zukäufen – man spekuliert über die Produktionsfirma Endemol Shine oder gar wieder ProSiebenSat.1 – könnte eines Tages ein Börsengang oder der Verkauf an einen strategischen Investor stehen. (NP)

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