DEAL DES MONATS 08/19

Prost!

Pinsent Masons, Dornbach und McDermott im Einsatz für die Getränkebranche

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Thomas Peschke (Pinsent Masons)

Ein Hoch auf die internationale Getränkequalität“. Das sang schon 2008 die Hamburger Hip-Hop- und Elektropunkformation Deichkind. Wert auf Qualität legt auch Transgourmet, die Großhandelstochter der Schweizer Coop-Gruppe. Die Mandantin von Dr. Thomas Peschke, Corporate-Partner im Düsseldorfer Büro von Pinsent Masons, war bislang vor allem in der klassischen Lebensmittelbranche unterwegs. Doch peu à peu wagt sie sich auch in den Getränkemarkt vor, denn diese Branche ist bei Digitalisierungsthemen deutlich weiter als der klassische Lebensmittelhandel. 

Ihr jüngster Schritt: Gemeinsam mit der Oetker-Gruppe beteiligte sich Transgourmet mit 51 Prozent an der Geva-Gruppe, einem Verbund für die Getränkelieferung im großen Stil. Streng genommen hat Transgourmet für diesen Schritt nicht die Oetker-Holding an ihrer Seite, sondern eines ihrer zahlreichen Tochterunternehmen, die Radeberger-­Gruppe. Und die kennt sich mit Kaltgetränken ziemlich gut aus. Zumindest mit Bier. Und das ist insbesondere für den deutschen Markt keine schlechte Vorausssetzung, schließlich liegt hier der durchschnittliche Bierkonsum bei 102 Litern pro Kopf und Jahr. 

Bereits 2017 beteiligte sich Transgourmet mit 70 Prozent an Team Beverage, einer Distributions-, Einkaufs-, Vermarktungs- und Dienstleistungsplattform für die Getränkebranche. 2018 folgte das Joint Venture mit Radeberger, das unter F&B Food & Beverage Services firmiert und das nun die strategische Partnerschaft mit der Geva suchte. Dabei trafen sie auf eine Kommanditgesellschaft mit mehr als hundert Gesellschaftern: Mittelständische Fachgroßhändler, die Streckenverträge mit Hotel- und Gastronomieketten zur Belieferung abschließen und die ihre Abrechnungen zentral über die Geva ab­wickeln. Der Verbund, der auf seine internen Meinungsbildungs- und Abstimmungs­prozesse sehr viel Wert legt, wird schon seit einem Jahrzehnt von Dornbach-Partner Ralf Wickert beraten. Er war seit Monaten in die Überlegungen zur weiteren strategischen Ausrichtung der Händlergruppe eingebunden, Die Mittelständler erhielten schon einige Avancen und beobachteten aufmerksam die Konsolidierung im Markt. Das gemeinsame Interesse mit Food & Beverage war schnell klar: Alle Beteiligten brauchen kühle Getränke. Auch Thomas Peschke und sein Associate Dr. Heyo Maas, der die Transaktion federführend mit ihm betreute. Sie trinken gern mal ein Bier. Nach Feierabend und keine 102 Liter natürlich. 

Fusion der Kundenstämme

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Ralf Wickert (Dornbach)

Der Mehrheitserwerb an der Geva sollte die erste Akquistion des 2018 gegründeten Joint Ventures werden. Dass Transgourmet dabei auf Peschke und sein Team setzen würde, lag fast schon auf der Hand. Den ersten Deal für Transgourmet begleitete er 2009, nachdem das Unternehmen aus dem Rewe-Verbund herausgelöst wurde. Damals waren Peschke und Maas noch bei KPMG Law und kamen über den Schweizer WP-Arm ins Mandat. Seitdem haben sie fast jedes M&A-Projekt beraten, auch nach ihrem Wechsel Ende 2017 zu Pinsent Masons. So auch die Joint-Venture-Gründung mit Radeberger, die unter anderem ein Zusammenführen der Kundenstämme ermöglichte. In denen gab es bereits große Schnittmengen aber eben auch weiteres Ausbaupotenzial. Hoffnungen setzen sie auch in die neue Allianz mit den Mittelständlern: Transgourmet und Radeberger erschließen sich weitere Teile des Getränkemarktes. Die Geva wiederum könnte von der Food-Kompetenz der Schweizer profitieren.

Während Oetker und Radeberger in der Vergangenheit den Großteil ihrer M&A-Aktivitäten inhouse abdeckten, begab sich die große Firmengruppe bei der Geva-Transaktion ebenfalls in die Hände von Peschke. Immerhin kannten sie das Team bereits aus den Joint-Venture-Verhandlungen und hatten es 2015 schon getroffen, als die Oetker-Tochter ‚Frischeparadies‘ an Transgourmet ging. 

Zum Abschluss ein Bier

Bei Zusammenschlüssen innerhalb einer Branche hat in der Regel auch das Kartellamt noch ein Wörtchen mitzureden. Auch die Mehrheitsbeteiligung an der Geva steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Behörde. 

Mit ihr hat sich McDermott-Partner Christian Krohs in Verbindung gesetzt, der ähnlich wie Peschke bereits langjährige Kontakte zur Transgourmet unterhält. Wie die anderen Berater kennt auch er die Lebensmittel- und Getränkebranche sehr gut. Sobald die Behörde grünes Licht gibt, wird es voraussichtllich auch ein Closing-Dinner geben. Eine Tradition, die zum Abschluss vieler Transaktionen gepflegt wird. Dem Anlass angemessen stößt man zu Beginn in der Regel mit einem Glas Champagner an. Doch man munkelt, dass es dieses Mal vermutlich eher ein gut gekühltes Radeberger geben wird. Ein Hoch auf die deutsche Getränkequalität. (lau, smb)

Berater F&B Food & Beverage Services
Pinsent Masons (Düsseldorf): Dr. Thomas Peschke (Corpoarte/M&A; Federführung),
Dr. Peter Christ (Arbeitsrecht), Dr. Stephan Appt (IP/IT), Werner Geißelmeier (Steuerrecht; München); Associates: Dr. Heyo Maas (Feder­führung), Julia Ohlerich (beide Corporate/M&A), Dr. David Stoppelmann, Alexander Aran (beide Arbeitsrecht), Kai Paterna, Dr. Igor Bara­bash, Daniel Widmann (alle IP/IT; alle München)

McDermott Will & Emery (Düsseldorf): Christian Krohs; Associates: Carina Kant, Dr. Anja Bertrand (alle Kartellrecht)

Berater Geva-Gruppe
Dornbach (Koblenz): Ralf Wickert, Dr. Julian Engel

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