DEAL DES MONATS 09/19

Solidarisch gelöst

McDermott und Görg helfen bei der Stabilisierung des Automobilzulieferers Borgers

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Matthias Kampshoff (McDermott Will & Emery)

Sie trafen sich über Monate hinweg, meistens in Düsseldorf. Mal in der einen Kanzlei, mal in der anderen. Doch es waren keine Dates – es waren knallharte Verhandlungen. Sie begannen im Herbst 2018 und reichten bis in den Juli hinein. „Manchmal hatte man das Gefühl, als würden hier die Leitplanken für die gesamte Branche gesetzt“, berichtet ein Beteiligter.

Primär stand die finanzielle Stabilisierung des großen Automobilzulieferers Borgers auf der Tagesordnung. Rund 7.500 Mitarbeiter hat das traditionsreiche Familien­unternehmen weltweit an 23 Standorten in Europa, China und den USA.

Doch oft ging es in den Gesprächen um die gesamte Automobilbranche, ihre große Transformation und die Beklemmungen, welche die Zuliefererindustrie erfasst hat. Mittendrin ein Team von McDermott Will & Emery, das von Dr. Matthias Kampshoff angeführt wurde und der eine sogenannte Solidarlösung auf den Weg brachte.

CRO rückt in den Fokus

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Ralf Hottgenroth (Görg)

Während sich der Borgers-CEO meist im Hintergrund hielt, kam dem neuen Chief Restructuring Officer (CRO) Ralf Schmitz eine gewichtige Rolle zu. „Wir haben im Frühjahr sowohl alle Geldgeber als auch die Großkunden über die finanzielle Situation bei Borgers informiert“, bestätigt Kampshoff. Dann verhandelten sie weiter mit den Banken über mehr Spielraum und neue Konditionen. „Diese Gespräche waren nicht einfach, aber sachlich und konstruktiv“, heißt es aus dem Teilnehmerkreis. Trotz einiger Schwierigkeiten und nach vielen Verhandlungsrunden wurde hier eine tragbare Lösung für McDermotts langjährige Mandantin Borgers gefunden.

Nach JUVE-Recherchen hatte die Commerzbank ihren Mitstreitern im Bankenkonsortium Latham & Watkins-Partner Dr. Jörn Kowalewski empfohlen. Der restrukturierungserfahrene Partner, der sich die Federführung mit dem Hamburger Counsel Dr. Ulrich Klockenbrink teilte, wurde parallel auch von den Konsortialbanken hinzugezogen, die eine einvernehmliche Lösung mit dem großen ostdeutschen Zulieferer IFA suchten (Mit Zustimmung aus Stuttgart, Seite 56).

Andere Kreditinstitute von Borgers, die aus Tschechien stammten, wo die Gruppe ebenfalls produziert, hatten wiederum Clifford Chance und Dentons mandatiert. Doch nicht nur Borgers’ Finanzierungsseite war komplex mit all ihren Verbindlichkeiten. Es galt auch, langfristig die Einnahmenseite zu verbessern. Dazu musste man mit den Autobauern sprechen: Über höhere Preise, neue Zahlungsziele und Borgers’ weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Allen voran sprach man mit Volkswagen, denn die Wolfsburger sind mit ihren diversen Marken die größten Abnehmer des Zulieferers.

„Es ist natürlich hilfreich, wenn die Kunden ihre wichtigen Zulieferer unterstützen“, so Kampshoff. Doch wie die finanzielle Hilfe gestaltet ist und an welche Bedingungen sie geknüpft wurde, darüber darf gerätselt werden. Zwar wird gemunkelt, selbstbewusste Autobauer hätten sich punktuell Mitspracherechte bei Borgers ausbedungen. Doch das Engagement ist auch nachvollziehbar. Mit einer stabilen Zuliefererindustrie lassen sich die technischen Innovationen für eine CO2-arme Flotte leichter umsetzen, als wenn unerwartete Störungen in der Lieferkette auftreten durch Werkschließungen, Insolvenzen oder unliebsame Eigentümerwechsel.

Dank der Kompromissbereitschaft der Banken und Kunden hat sich auch die Arbeitnehmerseite zu ersten Abstrichen bewegen lassen. 

Gewerkschaft an Bord

Ein Werk der Tochterfirma Johann Borgers wird in absehbarer Zeit geschlossen; zudem gibt es in Abstimmung mit der IG Metall in Bocholt auch einen Tarifentgeltverzicht. Weitere Abstimmungen bei Borgers Süd und der Maschinenbausparte Olbrich liefen bei Redaktionsschluss noch. CRO Schmitz, früher Partner der Restrukturierungsberatung Ziems & Partner, hat für den arbeitsrechtlichen Part Görg-Partner Dr. Ralf Hottgenroth an Bord geholt. Beide arbeiteten schon bei den Sanierungsvereinbarungen beim Textil­discounter NKD und der Gießereigruppe DIHAG zusammen.

Die finanzielle Absicherung der Borgers Firmengruppe steht – und sie ist eine der ersten mit einer solch multipolaren Verhandlungsstruktur von Zulieferern, Gewerkschaften, Banken und Autobauern. Die Vereinbarung gilt nach JUVE-Informationen bis Ende 2021, bis dahin sind operative Erfolge zu erzielen. Vielleicht ein erstes gutes Signal für die schwächelnde Industrie: Auch bei sehr unterschiedlichen Interessen lässt sich – mit entsprechend vielen, anstrengenden Dates – eine Lösung finden. (smb)

Berater Borgers
McDermott Will & Emery (Düsseldorf):
Dr. Matthias Kampshoff (Federführung; Restrukturierung)
Görg (Köln): Dr. Ralf Hottgenroth (Arbeitsrecht) 

Berater Banken
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Jörn Kowalewski, Dr. Ulrich Klockenbrink (beide Federführung; beide Restrukturierung)
Clifford Chance (Prag): Tomáš Richter (Finanzierung)
Dentons (Berlin): Andreas Ziegenhagen (Restrukturierung)

Berater Volkswagen
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg):
Dr. Lars Westpfahl; Associate: Dr. Hauke Sattler (beide Restrukturierung)

Weitere Beteiligte unter www.juve.de

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