DEAL DES MONATS 11/19

Europaweit an den Ladesäulen

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Harald Selzner (Latham & Watkins)

E-Mobilität: Latham fädelt für Hyundai Joint Venture mit deutschen Autobauern ein

Ein E-Fahrrad hat Harald Selzner schon, ein Elektroauto fährt er bislang nicht. Doch mit dem Thema E-Mobilität verbindet Selzner mehr als sein Fahrrad. Der Latham & Watkins-Partner beriet den südkoreanischen Automobilkonzern Hyundai samt der Marke Kia bei der Beteiligung an Ionity – dem Schnellladekonsortium für Elektroautos.

„Ionity setzt einen Präzedenzfall für die Bündelung von Kompetenzen“, sagt Selzner. Demnach seien die Verhandlungen nicht nur von der „üblichen Komplexität eines Vielparteien-Joint-Ventures geprägt“ gewesen. Rechtlich zu berücksichtigen war auch „das innovative und technisch anspruchsvolle Geschäftsmodell, in dem führende OEMs gemeinsam und nach einem straffen Zeitplan die Infrastruktur für ein paneuropäisches High-Power-Charging-Netzwerk aufbauen.“

Das Joint Venture wurde schon 2017 von den vier Autoherstellern BMW, Daimler, Ford und, als Vertreter der VW-Gruppe, Porsche gegründet. Das Ziel: Entlang der Hauptverkehrsachsen Europas Ladestationen für alle Autos zu betreiben, die über das sogenannte Combined Charging System (CCS) verfügen. Rund 150 hat Ionity schon errichtet, bis 2020 sollen es 400 Ladeparks sein.  

Damit mehr E-Autos auf den Straßen rollen, kooperieren sie auch mit bekannten Tankstellenmarken wie Shell und Tank & Rast. Denn laut Kraftfahrtbundesamt beträgt die Anzahl der E-Autos in Deutschland nur knapp ein Prozent.

Anne Hohler, seit 2016 Legal Counsel in der Rechtsabteilung von BMW, übernahm die Koordination des M&A-Deals für das Konsortium. Sie war schon bei der Gründung von Ionity mit an Bord. Die geringe Anzahl der Elektroautos bezeichnet sie als „Henne und Ei-Problem“. Müssen zuerst die Elektroautos in den Markt gebracht oder eher in einem vorherigen Schritt eine Ladeinfrastruktur angelegt werden? „Wieso sollten sich Autofahrer für ein E-Auto entscheiden, wenn kein flächendeckendes Ladenetz existiert?“ sagt Hohler. Schließlich möchte niemand zittern, mitten in der Fahrt liegen zu bleiben, weil weit und breit keine Tankstelle ist. Die Ladeparks von Ionity sollen daher in durchschnittlich 120 Kilometern zueinander stehen und in unmittelbarer Nähe der Autobahnen. Am liebsten an Raststätten, sodass die Fahrer die Autobahn nicht extra verlassen müssen.

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Anne Hohler (BMW Group)

Gemeinsam gegen die Elektrowüste 

Die Herausforderungen in dem Deal lagen auf mehreren Ebenen: So ist bekannt, dass die Shareholder zum Thema E-Mobilität unterschiedliche Auffassungen vertreten. Zudem sind sie außerhalb des Joint Ventures Konkurrenten im Markt.  „Bei dem Zusammenschluss von namhaften Wettbewerbern besteht die Kunst vor allem darin, die unterschiedliche Kultur der einzelnen Häuser in jeder Phase eines Projektes zu berücksichtigen“, sagt Hohler. Und der Einstieg des südkoreanischen Unternehmens Hyundai erforderte nicht zuletzt auf der kulturellen Ebene einmal mehr ein gewisses Verständnis.

Latham & Watkins hatte Hyundai bereits im vergangenen Jahr konzernrechtlich beraten. Und auch wenn der wesentliche Teil der Transaktionsarbeit bei dem deutschen Team unter Federführung von Selzner lag, so hatte die US-Kanzlei mit ihrem Team in Seoul einen Ortsvorteil und der Konzern somit die passenden Berater an der Seite.

Bei den Gründungsmitgliedern wiederum sah nicht nur BMW von externer M&A-Beratung ab, auch die drei anderen Autokonzerne setzten auf ihre Inhouse-Abteilungen. 

Doch im Rahmen des Fusionskontrollverfahrens berät Joachim Schütze von Clifford Chance die Gesellschafter. Sie hatten ihn schon 2017 zur Gründung mandatiert. Schütze holte seinerzeit auch die Freigaben für den Navigationsdienst Here, der ebenfalls gemeinschaftlich von mehreren großen Autobauern getragen wird.

Selzner und sein Team berieten Hyundai und Kia zum Einstieg als Ionity-Gesellschafter sowie zur unternehmerischen Fortentwicklung des Schnellladekonsortiums. Da das Konsortium die Ladesäulen verantwortlich betreibt, hat es immer neue rechtliche Fragen zu bewältigen.

Ein Projekt wie dieses bedarf auch finanzieller Mittel. Für eine erste Finanzierungsrunde zog das Konsortium im Frühjahr Allen & Overy hinzu, um zwei bilaterale Finanzierungen prüfen zu lassen. Die Kanzlei berät  Ionity auch regelmäßig im Gesellschaftsrecht.

 Jüngst präsentierte Ionity ein neues Lichtdesign für seine Ladesäulen. So sind sie auch im Dunkeln gut erkennbar. Und was machen die Autofahrer,  ,Stromtanker‘ genannt, nun während des Ladevorgangs? Sie sollen nicht nur einen Kaffee trinken und einen Song hören. Ionity hat auch dafür schon Ideen, doch die sind noch Zukunftsmusik. (mel)

Berater Hyundai und Kia

Latham & Watkins (Düsseldorf): Harald Selzner (Federführung), Wonsuk Kang (Seoul; beide M&A), Max Hauser (Kartellrecht; Frankfurt), Thomas Fox (Steuerrecht; München), Joachim Grittmann (Regulierung; Frankfurt), Dr. Jana Dammann de Chapto (Kartellrecht; Hamburg); Associates: Benedikt Vogt, Florian Döpking, Julia-Bianka Schenkel, Regina Kim (Seoul; alle M&A), Anne Haas (Kartellrecht; Frankfurt) 

Berater Ionity

Inhouse Recht (BMW; München): Dr. Anne Hohler (Legal Counsel)

Inhouse Recht (Daimler; Stuttgart): Dr. Björn Lüssow (Senior Legal Counsel M&A) – aus dem Markt bekannt

Inhouse Recht (Ford; Köln): Dr. Marnie Silny (Legal Counsel) – aus dem Markt bekannt

Inhouse Recht (Porsche; Stuttgart): Dr. Ulrich Thiem (Director Legal) – aus dem Markt bekannt

Clifford Chance (Düsseldorf): Dr. Joachim Schütze (Kartellrecht)

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