EDITORIAL 03/19

Who wins, who loses?

JUVE Verlag

Christine Albert und Christin Stender

Ende März wird Großbritannien die Europäische Union verlassen. Was empfinden Sie, wenn Sie daran denken? Die meisten sind vor allem eines: verunsichert. Schließlich befindet sich ganz Europa seit dem Brexit-Referendum 2016 in einem regelrechten Wechselbad der Gefühle. Keiner kann heute mit Sicherheit sagen, was tatsächlich passieren wird. Gibt es einen Deal- oder No-Deal-Brexit – oder beantragen die Briten doch noch in letzter Minute, die Frist zu verschieben?

Trotz der Unsicherheit waren wir uns sicher, dass dieses Heft den Schwerpunkt Brexit haben muss. Denn das bevorstehende Ereignis wirkt sich jetzt schon auf deutsche Anwälte, Unternehmensjuristen und Justizpolitiker aus. Teils schon seit Jahren schmieden sie Notfallpläne für einen Hard Brexit.

Die für London wichtige Finanzbranche erlebt den Brexit als Brandbeschleuniger, denn wegen der zunehmenden Regulierung schwelte dort ohnehin die Unruhe eines tiefgreifenden Umbaus (Besenrein). In der City geben sich Anwälte dennoch optimistisch, dass es keine andere europäische Stadt mit London aufnehmen kann. Doch auf längere Sicht hat der Brexit das Potenzial, nicht nur das Kräfteverhältnis im Anwaltsmarkt zu verschieben (Babylondon).

Auch für viele Kanzleien auf dem Kontinent bringt der Abschied der Briten sehr konkrete Veränderungen, vor allem wenn sie als britische LLP aufgestellt sind (Aufs falsche Pferd gesetzt). Die Wahl der Rechtsform will künftig wohl überlegt sein, zumal hier auch berufsrechtliche Fallstricke lauern. ­Justizpolitiker im Rest Europas sehen den Brexit als Chance: Ihre Justiz könnte von einem Bedeutungsverlust des Gerichtsstandorts London profitieren. Vielerorts werden englischsprachige Kammern gegründet – auch in Deutschland. Aber sind die wirklich eine attraktive Alternative zu London? (Klägerwanderung)

Egal, wie es kommt: Bleiben Sie optimistisch!

Christine Albert
(christine.albert@juve.de)

Christin Stender
(christin.stender@juve.de)

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