EDITORIAL 08/19

Eine Frage der Einstellung

JUVE Verlag

Christine Albert und Marc Chmielewski

Auf den Hype folgt häufig die Ernüchterung. Als vor ein paar Jahren plötzlich alle von Legal Tech sprachen, klang es manchmal, als ob schon übermorgen Computerprogramme sämtliche Anwälte in Rente schicken würden. Weil es so einfach doch nicht ist, ist die Stimmung bei einigen ins Gegenteil gekippt: Legal Tech? Ein Modethema, völlig überbewertet.

Beides trifft es nicht – weder kühne Science-Fiction-Szenarien noch die Erwartung, die Digitalisierung ginge Juristen weniger an als andere. Wie bereits in den vergangenen Jahren messen wir den Puls der Kanzleien in Sachen Legal Tech. Unsere Umfrage, an der sich fast 200 Wirtschaftskanzleien beteiligt haben, zeigt eindrucksvoll: Das Thema ist längst im Alltag angekommen. 

Digitalisierung bedeutet aber viel mehr als neue Softwaretools. Wie weit sie die Akteure des Rechtsmarkts bereits heute in ihrem Innersten erfasst hat, untersuchen wir in dieser Schwerpunktausgabe: Wir besuchen ein Legal Service Center, in dem Programmierer und Projektmanager im Dienste einer Großkanzlei tätig sind. Wir treffen Legal-Operations-Spezialisten, die mit einem neuen, auch technologiegetriebenen Blick dafür sorgen, dass Rechtsabteilungen und Kanzleien sich selbst erst richtig kennenlernen. Und die Digitalisierung kommt inzwischen sogar dort an, wo es Veränderungen traditionell besonders schwer haben: in der Justiz.

Schließlich geht es auch gar nicht um die Frage, ob digital oder nicht. Vielmehr geht es darum, wie sich die analogen und digitalen Welten sinnvoll miteinander verbinden lassen. Insofern freuen wir uns, dass Sie Handy, Tablet und Computer in diesem Moment links liegen lassen und unser gedrucktes Heft in den Händen halten. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Blättern! 

Christine Albert
(christine.albert@juve.de)

Marc Chmielewski
(marc.chmielewski@juve.de)

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