EDITORIAL 09/19

Wie viel ist Rechtsrat heute wert?

JUVE Verlag

Christine Albert und Marc Chmielewski

Pay What You Want oder auch kurz PWYW – einfach zahlen, was man will und für angemessen hält. Schon seit einigen Jahren gibt es Lokale und Kulturstätten, die dieses ungewöhnliche Preismodell ausprobieren.

Stellen wir uns vor: Ein Rechtsabteilungsleiter zahlt einer Kanzlei genau das, was er für richtig hält. Er ist Jurist, vielleicht hat er sogar selbst einmal in einer Kanzlei gearbeitet – er müsste gut einschätzen können, was der Rechtsrat für sein Unternehmen wert ist. Bis sich Kanzleien trauen, dieses Modell anzubieten, werden die Beteiligten sich beim Pricing in einer Welt voller Grautöne zurechtfinden müssen. 

Dieser Welt ist dieses Pricing-Schwerpunktheft gewidmet. Es gibt in der Praxis viele Facetten zwischen der PWYW-Utopie und dem klassischen Stundensatz. Darüber haben wir mit dem Pricing-Experten Philipp Biermann gesprochen. Der Kanzleiberater ist überzeugt: Erfolgsbasierte Modelle werden immer populärer. Entscheidend aber ist, dass Mandant und Kanzlei rechtzeitig klären, wie genau sie Erfolg in einem Mandat definieren. 

Wie teuer juristische Dienstleistungen heute sein dürfen, ist letztlich aber keine philosophische, sondern eine simple Verhandlungsfrage. Derzeit sieht es schwer danach aus, dass Unternehmen mit ihren Einkaufsabteilungen den Kanzleien hier etwas voraus haben. Weniger als die Hälfte der 25 größten Kanzleien in Deutschland haben laut einer JUVE-Umfrage eigene Pricing-Manager. Am weitesten sind britische Einheiten in dieser Hinsicht, während deutsche Kanzleien wie Hengeler Mueller oder Rödl überzeugt sind: Niemand kann Preise so gut verhandeln wie der Partner, der auch das Mandat steuert. 

Auch wenn PWYW wohl nie im Markt der Wirtschaftsjuristen ankommen wird:
Bei den ‚richtigen‘ Preisen für Rechtsberatung hat das große Umdenken begonnen. 

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre

Christine Albert
(christine.albert@juve.de)

Marc Chmielewski
(marc.chmielewski@juve.de)

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