EDITORIAL 12/19

24/7 is so yesterday

JUVE Verlag

Christine Albert und Marc Chmielewski

Ständig verfügbar sein, arbeiten bis zum Umfallen und kaum noch Zeit für Freunde oder Familie: Dazu sind immer weniger junge Leute bereit – auch wenn sie noch so gut dafür bezahlt werden. Aus Sicht von Wirtschaftskanzleien ist das ein Problem, will es doch so gar nicht zu ihrem Geschäftsmodell passen. Doch Jammern hilft nicht, denn dieser Trend wird nicht so bald vergehen. Im Gegenteil: Laut der aktuellen Shell-Jugendstudie finden 93 Prozent der befragten Jugendlichen, dass Familie neben dem Beruf nicht zu kurz kommen darf. Die nächste Bewerbergeneration lässt grüßen.

Da der Personalbedarf aber weiterhin hoch ist, müssen sich Kanzleien auf die veränderten Bedürfnisse des Nachwuchses einstellen – eine Herkulesaufgabe für eine Branche, die traditionell einen Kult um Billables und ständige Verfügbarkeit betreibt.

Als vor drei Jahren Linklaters ihren Associates und Counseln eine zuverlässige 40-Stunden-Woche anbot, ging daher ein Raunen durch die Branche: Kann das funktionieren in einer derartigen Großkanzlei? Ist das nicht alles nur einMarketing-Gag? Wir haben genau hingeschaut und ziehen eine Zwischenbilanz des Linklaters-Projekts. Und siehe da: Der Management-Aufwand ist zwar höher, aber es funktioniert erstaunlich gut („…und mittwochs zum Yoga“).

Andere Kanzleien setzen, wenn die Arbeit sich in den Himmel türmt, auf Projektjuristen. Doch auch dieses Zeitarbeiter-Modell löst nicht nur Probleme, sondern es schafft auch neue: Neben möglichen Mandatskonflikten stellt die Integration von Projektjuristen Kanzleien vor eine große Herausforderung – schließlich besteht die Gefahr, dass intern Projektjuristen als Associates zweiter Klasse angesehen werden („Mythos Projekt-Karriere“).

Wie man es dreht und wendet: Die Frage, wie Arbeit sich am besten organisieren lässt, muss immer wieder neu beantwortet werden. Deshalb wird die Suche nach neuen Modellen im Rechtsmarkt nie langweilig. Dass dies nicht die letzte Schwerpunkt-Ausgabe zu diesem Thema sein wird, können wir daher schon heute versprechen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre

Christine Albert
(christine.albert@juve.de)

Marc Chmielewski
(marc.chmielewski@juve.de)

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