DEAL DES MONATS 01/21

Neue Freunde

DresdenDurch die Fusion der sächsischen Energieversorger Drewag und Enso entsteht nicht nur der viertgrößte kommunale Versorger Deutschlands. Tatsächlich wirbelt die Transaktion die alteingeführte Rangordnung in der regionalen Beraterlandschaft ziemlich durcheinander.

Frank Brinkmann hatte eine Mission. Und ist nun praktisch am Ziel. Seit seiner Ankunft in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden Anfang 2018 war für ihn klar: Als neuer Geschäftsführer der Dresdner Stadtwerke (Drewag) und gleichzeitig Vorstandschef des ostsächsischen Energieversorgers Enso will er etwas bewegen, das sich jahrelang nicht bewegte – den Zusammenschluss der beiden sächsischen Energieversorger. Dass Brinkmann Noerr damit beauftragte, seine Vision rechtlich und steuerlich durchzusetzen, damit setzte er zugleich ein Zeichen im regionalen Beratermarkt.

Der 54-Jährige hatte schon über die Jahre immer wieder die Vorteile der Fusion aufgezählt, etwa das Entstehen eines großen Infrastrukturbetreibers in der Region. In diesem Dezember wurde nun die letzte große Hürde genommen: Das Finanzamt Dresden Süd erteilte eine verbindliche Auskunft. Diese war deswegen so entscheidend, weil die Fusion der Energieversorger zu einem erheblichen Ausfall von Gewerbesteuer­einnahmen in rund 150 Kommunen in Ostsachsen führt. Brinkmann hat damit etwas vollbracht, was ihm als Chef des städtischen Dortmunder Energieversorgers DEW21 nicht gelungen war, nämlich die Integration von Versorgern über die Stadtgrenzen hinaus.

Für Noerr – als Vertreterin von Drewag und Enso – war das Vorhaben kein leichtes Unterfangen. Dort oblag es dem Dresdner Standortleiter Jens Gehlich, zwischen den Gesellschaftern zu vermitteln, die hinter den Energieversorgern stehen, und somit gegensätzliche Interessen übereinander zu bringen. Denn auf der einen Seite stand die Stadt Dresden als Hauptanteilseignerin der Drewag und seit 2010 auch der
Enso. Auf der anderen Seite fand sich als zweite große Enso-Anteilseignerin die Kommunale Beteiligungsgesellschaft der Ostsächsischen Kommunen der Sachsen Ost (KBO). Und die Kommunen lebten bislang maßgeblich von den Enso-Beteiligungserträgen.

Als Spinne im Netz bescheinigen alle beteiligten Berater Noerr-Partner Gehlich, einen herausragenden Job gemacht zu haben und an Tatkraft in nichts dem erfahrenen Macher Frank Brinkmann nachgestanden zu haben.

Alte Liebe rostet nicht

So selbstverständlich es auf den ersten Blick scheint, Noerr zu beauftragen, die seit Jahrzehnten zu den in Ostdeutschland führenden Wirtschaftskanzleien zählt, so wenig selbstverständlich war das auf den zweiten Blick. Denn Noerr hatte zwar vor mehr als zwei Jahrzehnten geholfen, die Drewag aus der Taufe zu heben. Doch seitdem hatten andere Kanzleien die Drewag rechtlich beraten. Es bedurfte erst Brinkmanns klaren Votums, der auch in Dresden ansässigen deutschen Großkanzlei das Vertrauen zu schenken, obwohl auch internationale Top-Kanzleien um das Mandat gebuhlt haben.

Ein weiteres Votum Brinkmanns führte dazu, dass Aderhold plötzlich dick im Geschäft war. Die zutiefst westdeutsche Kanzlei verfügt zwar auch über ein Büro in Leipzig, hier waren es jedoch die Dortmunder Partner, die von der Stadt Dresden mandatiert wurden – nicht zuletzt auf Empfehlung von Brinkmann, der Aderhold noch aus seiner Dortmunder Zeit kannte.

Eine besondere Rolle spielte auch Mazars als Vertreterin der KBO. Die Anwaltssparte des internationalen Prüfungshauses hat sich erst jüngst zu einem merklichen Akteur im regionalen Anwaltsmarkt entwickelt – und profitierte von einem Zugang, der sich im Nachhinein als Coup erwies: Christian Ziche, knapp 30 Jahre für Luther bzw. ihre Vorgängereinheit tätig, war erst 2019 zu Mazars gewechselt und brachte die KBO als langjährige Mandantin mit. Mit seiner Erfahrung im Rücken entschloss sich auch die KBO zur Fusion.

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