DEAL DES MONATS 03/21

Vom Hochschulprojekt zum Unicorn

Der IT-Konzern SAP hat das Start-up Signavio für rund eine Milliarde Euro übernommen – und untermauert damit seine neue Business-Plattform für digitale Transformation. Sowohl bei den Verkäufern als auch bei ihren Beratern war der Deal reich an Erfolgsgeschichten.

Vom ­Hochschulprojekt zum UnicornDas Start-up Signavio hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Bei einem Forschungsprojekt an der Universität entwic­kelten vier Studenten eine Software zur Optimierung von Geschäftsprozessen, die so erfolgreich war, dass sie sich 2009 damit selbstständig machten. Nun übernahm SAP die Firma und legte dafür laut Medienberichten eine Milliarde Euro auf den Tisch. 

Der Verkauf von Signavio war laut
Dr. Kamyar Abrar von intensiven Online-Verhandlungen geprägt: „Es gab sehr viele Verhandlungsrunden und auch die Timeline war sportlich.“ Der Transaktionsprozess startete Ende November 2020, Ende Januar trafen sich die Parteien zur Vertragsunterzeichnung beim Notar. Hinter Arbrar und seinem Team stand ein breites Verkäuferkonsortium, das zahlreiche Investoren umfasste.

Für den Private-Equity-Partner war der Deal ein großer Erfolg. Denn ihm war es gelungen, Lead-Investor Apax als Mandanten zu Willkie Farr & Gallagher mitzubringen. Den Kontakt zu Abrar, der bis Sommer 2020 noch Partner bei Weil Gotshal & Manges war, hatte ursprünglich ein New Yorker Weil Gotshal-Partner hergestellt. 2019 suchte Apax einen deutschen Berater, um im Zuge einer Finanzierungsrunde bei Signavio einzusteigen. „Von da an entwickelte sich die Mandatsbeziehung sehr gut und wir arbeiteten bei mehreren Deals zusammen“, erinnert sich Abrar. Zuletzt beriet der 42-Jährige das milliardenschwere Londoner Fondshaus bei einer Investition in das Fintech Pricefx. „Das Signing dafür fand noch bei Weil Gotshal statt, das Closing dagegen schon bei Willkie.“

An Signavio hatten sich über die Jahre verschiedene Investoren beteiligt, darunter Kapitalgeber wie der US-Investor Summit Partners, die in Hamburg ansässigen Deutsche Telekom Capital Partners und die britische Investmentbank GP Bullhound. 

Neben den Investoren hielten Medienberichten zufolge auch die Signavio-­Gründer zuletzt noch signifikante Anteile am Unternehmen. Sie ließen sich beim Verkauf von einem Team von CMS Hasche Sigle unter Federführung von
Dr. Jörg Zätzsch beraten. Zätzsch, der regelmäßig an der Seite von Start-ups steht, kennt die Gründer bereits seit der ersten Finanzierungsrunde 2015. Er schätzt es, wenn er als Anwalt an der Entwicklung der Unternehmen teilhaben kann: „Im Gegensatz zu Investoren berät man Start-ups über einen langen Teil des Weges, nicht nur beim Kauf und Verkauf eines Targets.“

Der Verkauf ging sehr professionell über die Bühne, berichtet Zätzsch. Das habe auch daran gelegen, dass sich einige der Berater bereits 2019 beim Einstieg von Apax bei Signavio gegenüberstanden. Neben Abrar für Apax und Zätzsch für Signavio war dort auch Sidley Austin unter Federführung von Dr. Jan Schinköth beteiligt gewesen. Er beriet – wie jetzt beim Verkaufsprozess – damals Summit Partners.

Dax-Konzern auf Wachstumskurs

Neu in der Beraterrunde war Allen & Overy, die SAP zur Seite standen.
JUVE-Informationen zufolge arbeitete das Team um Dr. Alexander Veith dabei vor allem mit General Counsel Daniel O’Donnell und Legal Counsel Trey White aus der M&A-Abteilung von SAP in den USA zusammen. Der Deal war der zweite Zukauf innerhalb weniger Monate, den Veith für SAP stemmte. Im Oktober 2020 hatte er das Unternehmen unterstützt, die in Wien ansässige Emarsys zu übernehmen. 

Beim Kauf von Signavio arbeitete er vor allem mit Abrar intensiv zusammen: „Herr Veith und ich haben viele Stunden am Telefon bei bilateralen Verhandlungen verbracht,“ sagt Abrar. Schließlich hatten sie unterschiedliche Transaktionsansätze und Unternehmenskulturen unter einen Hut zu bringen.

Auch die Erfolgsgeschichte von Allen & Overy und dem Walldorfer Konzern reicht schon länger zurück, darunter waren die öffentliche Übernahme des US-Unternehmens Callidus sowie die Finanzierung des Erwerbs von Qualtrics im Jahr 2018. Letztere SAP-Tochter ging gerade an die US-Technologiebörse Nasdaq und spülte fast zwei Milliarden Dollar zurück nach Walldorf. 

Der jüngste Zukauf, die Softwarefirma Signavio, wird mit dem eigenen Geschäftsbereich ‚Business Process Intelligence‘ verknüpft, heißt es beim Dax-Konzern. Sie ist Teil des brandneuen SAP-Angebots ‚RISE with SAP‘, das bei der ganzheitlichen digitalen Transformation helfen soll. Ob SAP auch eine ihrer jüngeren Einheiten an die Börse bringen wird – darüber wird vielleicht in Zukunft verhandelt. 

Berater SAP
Allen & Overy (München): Dr. Alexander Veith, Tobias Hugo (beide Federführung; beide Corporate/M&A)

Berater Verkäuferkonsortium
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt):
Dr. Kamyar Abrar (Federführung), Miriam Steets (beide Corporate/M&A)

Berater Summit Partners
Sidley Austin (München): Dr. Jan Schinköth (Federführung; Private Equity)

Berater Deutsche Telekom Capital Partners
Osborne Clarke (Köln): Nicolas Gabrysch (Venture Capital)

Berater Gründerteam
CMS Hasche Sigle (Berlin): Dr. Jörg Zätzsch (Corporate/M&A)

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