EDITORIAL 02/21

Testfall als Chance

JUVE Verlag

Christine Albert und Marc Chmielewski

Videokonferenzen mit den Kanzleien? Homeoffice fürs ganze Team? Virtuelle Hauptversammlungen? Vor einem Jahr noch hätten die meisten Chefjuristen in Deutschland sich vielsagend an die Stirn getippt. Heute wissen wir es alle besser. 

Die Erfahrungen mit der Pandemie-Lage sind sehr individuell, doch das dahinterstehende Phänomen ist universell: Veränderungen wollen gemanagt sein. Dies war der Anlass, die aktuelle JUVE-Inhouse-Umfrage dem Change Management zu widmen. Das Ergebnis: Wirklich strukturiert und systematisch gehen Rechtsabteilungen Veränderungsprozesse kaum an. Die Rechtschefs sind nach wie vor eher Getriebene als Treiber. 

Dabei bieten sich auch in Deutschland längst eine Vielzahl von Chancen, das eigene Arbeitsumfeld zu optimieren und den Markt der Rechtsdienstleister zu beeinflussen. Ein Beispiel liefert der Schweizer Konzern Novartis, der in -Kooperation mit einem technischen Dienstleister seine Mandatsvergabe auf eine neue Grundlage stellt.

Das Erstarken von Legal-Operations-Funktionen in Rechtsabteilungen zeigt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass Veränderungen nicht mehr nur nebenbei gestaltet werden können. Die Erfahrungen während der Pandemie können diese Entwicklung beschleunigen, denn hier hat sich gezeigt, wie schnell sich Arbeitsweisen und -inhalte auch ohne lange Vorbereitung ändern lassen, wenn es sein muss. Bisher scheinbar -Unmögliches war plötzlich Normalität. 

Das sollte Mut machen, neuen Möglichkeiten des Rechtsmanagements eine Chance zu geben, auch wenn sie hierzulande noch wenig erprobt sind. Der Göttinger Professor und Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg wusste schon im 18. Jahrhundert: „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine inspirierende Lektüre.

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