EDITORIAL 04/21

Kitzel der Unberechenbarkeit

JUVE Verlag

Christine Albert und Marc Chmielewski

Seit einem Jahr ist Corona das alles überlagernde Großthema – in Politik und Wirtschaft, vor allem aber im Alltag der meisten Menschen. Vor einem Jahr haben auch wir an dieser Stelle erstmals die Pandemie erwähnt. Es ging um die Zukunft, und auch um die damalige Gegenwart: Panik schleicht sich in den Alltag, Börsenkurse stürzen ab, überall akutes Krisenmanagement.

Inzwischen ist manches sogar schlimmer gekommen, als wir es uns im März 2020 vorstellen konnten. Wer hätte damals etwa gedacht, dass man noch im Frühjahr 2021 vielerorts ohne Mundschutz gar nicht vor die Tür darf? Andererseits haben sich manche der damaligen Prognosen als zu pessimistisch erwiesen, vor allem mit Blick auf den Rechtsmarkt: Es gibt Umsatzrekorde, als wäre nichts gewesen, und das, obwohl viele Kanzleimanager Homeoffice noch vor einem Jahr vor allem als Bedrohung für die Produktivität gesehen haben.

In diesem Heft erkunden wir, wie manche Großtrends durch Corona verstärkt werden. Dass etwa strukturierte Feedback-Prozesse wichtig sind für den Erfolg der Gesamtorganisation, hat sich in Kanzleien relativ spät herumgesprochen – doch die Pandemie und eine anspruchsvolle neue Bewerbergeneration treiben den Wandel voran.

Auch der Klimawandel beschäftigt uns, und zwar im doppelten Sinn: Investoren legen immer mehr Wert auf nachhaltige Finanzprodukte – das krempelt den Markt um und ist eine gute Nachricht im Kampf gegen ökologische und andere Katastrophen. In einem anderen Beitrag beschäftigen wir uns mit einem erwünschten Klimawandel – hin zu einem Arbeitsumfeld ohne Sexismus und Belästigungen. Wir haben untersucht, wie die MeToo-Debatte innerhalb weniger Jahre den Alltag und das Denken in Kanzleien verändert hat.

Daran, dass die Zukunft nicht nur des Rechtsmarkts immer unberechenbar bleibt – und damit spannend – erinnern wir mit einem Zitat des Zukunftsforschers Matthias Horx aus dem Jahr 2001: „Das Internet wird kein Massenmedium.“

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