EDITORIAL 05/21

Wolfsburger Flügelschlag

JUVE Verlag

Christine Albert und Marc Chmielewski

Manchmal ziehen kleine Ereignisse riesige Kreise. Man muss für diese Erkenntnis nicht den berühmten Schmetterling bemühen, der mit seinem Flügelschlag in Brasilien zu einem Sturm in Texas beitragen kann. Man kann auch an den 15. November 2006 denken, den Tag der großen Siemens-Razzia. Schon bald ging es nicht mehr nur um Siemens. Rückblickend war es die Geburtsstunde moderner Compliance-Systeme – und damit nicht zuletzt eines wichtigen Geschäftsfelds von Wirtschaftskanzleien.

Auch als die US-Behörde EPA am 18. September 2015 den VW-Abgasskandal öffentlich machte, blieb das nicht lange ein Thema nur für einen deutschen Autokonzern. Vielleicht noch stärker als Siemens schlägt der Fall seither auf den Rechtsmarkt durch. Wenn man so will, hat hier ein Flügelschlag von VW einen gewaltigen Modernisierungsschub ausgelöst. Wie in einem Brennglas bündeln sich im Dieselkomplex Trends, die bereits in der Luft lagen: Massenverfahren als Treiber des Prozessgeschäfts, die Digitalisierung von Rechtsberatung, Litigation-PR.

Um all das geht es in diesem Heft – wie immer in der Mai-Ausgabe mit einem besonderen Augenmerk auf Deutschlands Mittelstandsberater. Die umfassende JUVE-Umsatzanalyse zeigt, wie wichtig der Fall Diesel finanziell für viele war, aber auch, dass es um viel mehr geht als Geld. Insgesamt hält sich der Markt überraschend stabil: Trotz abflauenden Diesel-Prozessgeschäfts und Corona gingen die Umsätze der 50 größten mittelständischen Kanzleien nicht zurück.

Dass es auch jenseits von Diesel und Corona jede Menge Spannendes über Mittelstandsberater zu berichten gibt, zeigt unsere Geschichte über Görg – einen Riesen des Mittelstands, der unter einem neuen Management zunehmend die alte kölsche Gemütlichkeit abstreift.

Christine Albert
christine.albert@juve.de

Marc Chmielewski
marc.chmielewski@juve.de

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