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08.08.2016

Flughafen BER: Lindemann Schwennicke und Müller-Wrede sichern Milliardenkredit

Die Betreibergesellschaft Flughafen Berlin Brandenburg hat eine neue Finanzierung mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Das Bankenkonsortium wird angeführt von der Norddeutschen Landesbank. Ein Teil des Geldes dient dem weiteren Ausbau des künftigen Hauptstadtflughafens BER. Die Europäische Kommission hat das Finanzierungspaket bereits abgesegnet.

Konrad Rusch

Konrad Rusch

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) betreibt die Flughäfen Tegel und Schönefeld und ist auch Bauherrin des BER. Der Flughafen, der schon den Namen ‚Willy Brandt‘ trägt, ist eines der größten Infrastrukturprojekte der Republik. Für seine Fertigstellung und mittelfristigen Ausbau werden nach derzeitigen Schätzungen noch 2,2 Milliarden Euro benötigt.

Nach wirtschaftlicher Analyse bestätigte die Europäische Kommission, dass die Eigentümer der Flughafengesellschaft – die Bundesländer Berlin, Brandenburg und die Bundesrepublik Deutschland – hier vergleichbar einem privatwirtschaftlichen Investor agieren. Das Finanzengagement könne langfristig profitabel sein.

Die staatlichen Aktionäre haben der Betreibergesellschaft FBB ein Gesellschafterdarlehen über 1,105 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von zwanzig Jahren gewährt. Weitere 1,1 Milliarden Euro hat die FBB am freien Kapitalmarkt aufgenommen. Damit möchte sie auch einen laufenden Kredit aus dem Jahr 2009 vorzeitig ablösen. Auch für den neuen Kredit, der in einen Festsatzkredit und eine variabel nutzbare Tranche aufgeteilt ist, bürgen die Gesellschafter. Diese Bankfinanzierung hat eine Laufzeit von zehn Jahren.

Bei der Ausschreibung im Wettbewerbsverfahren gab es aufseiten der Banken laut Aussage der FBB eine deutliche Überzeichnung. Nun sind unter der Federführung der Nord LB noch die KfW IPEX-Bank, die Investitionsbanken Berlins (IBB) und Brandenburgs (ILB), die Berliner Volksbank, die Berliner Sparkasse sowie die Mittelbrandenburgische Sparkasse mit im Boot.

Berater FBB:
Lindemann Schwennicke & Partner (Berlin): Dr. Konrad Rusch (Federführung); Associates: Ulrike Römhild, Michael Kurz
Müller-Wrede & Partner (Berlin): Christoph von Donat, Gabriele Quardt (beide EU-Beihilfenrecht)
Inhouse Recht (FBB; Berlin): Franziska Wagner (Leiterin Luftrecht, öffentliches Planungsrecht und Umweltrecht in der Stabsstelle Recht & Compliance)

Helge Kortz

Helge Kortz

Berater Bankenkonsortium:
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Helge Kortz (Federführung), Dr. Eva Reudelhuber (beide Bank- und Finanzrecht), Dr. UIrich Soltész (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Andreas Kohlheim (Bank- und Finanzrecht)

Hintergrund: Die Berliner Spezialkanzlei Lindemann Schwennicke, die sich vor knapp zehn Jahren als Abspaltung von Lovells (heute Hogan Lovells) gründete, steht der Flughafenbetreiberin schon länger finanzierungsrechtlich zur Seite. Sie war auch involviert, als 2009 ein größeres Darlehenspaket geschnürt wurde, um den seinerzeit angedachten Ausbau des Flughafens Berlin-Schönefeld zum neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg zu ermöglichen.

Der hier federführende Konrad Rusch gehörte seinerzeit mit zum wechselnden Lovells-Team, er ist seit 2010 Partner. Zur regelmäßigen Mandantschaft der Kanzlei, die auch Immobilienfinanzierungen betreut, gehört etwa der Projektentwickler Windland, der im Offshorepark Meerwind engagiert ist.

Christoph von Donat

Christoph von Donat

Für die entscheidenden Abstimmungen mit der EU-Kommission sorgte unter anderem Christoph von Donat aus der Berliner Sozietät Müller-Wrede. Der Praxisgruppenleiter Beihilfenrecht und die Kanzleipartnerin Gabriele Quardt stimmten das Notifizierungsverfahren eng mit FBB-Inhousejuristin Franziska Wagner ab. Die Leiterin für Luftrecht ist selbst eine erfahrene EU-Wettbewerbsrechtlerin und koordinierte die Transaktion umfassend. Die Kanzlei Müller-Wrede ist seit 2008 für die FBB tätig, das aktuelle Finanzierungspaket ist nach 2009 und einem Gesellschafterdarlehen 2012 die dritte Finanzierungsrunde, die bei der Kommission angemeldet wurde.

Gleiss Lutz kam für das aktuelle Finanzierungskonzept über die Konsortialführerin Nord LB ins Mandat, die diverse Kanzleien zum Pitch geladen hatte. Neben Praxisgruppenleiter Kortz kam hier auch Partnerin Reudelhuber zum Einsatz, die im letzten Sommer von Linklaters gewechselt war. Das Gleiss-Team beriet beispielsweise auch den US-Investor Blackstone in der Refinanzierung des Meerwind-Projekts, bevor er seine Anteile dann an den asiatischen Wasserkraftkonzern China Three Gorges verkaufte. (Sonja Behrens)