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21.10.2015

DFB-Affäre: Freshfields-Partner Christian Duve steuert externe Aufklärung

Langsam sickern mehr Details zur Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe durch, mit denen der Deutsche Fußball Bund seit einer Woche konfrontiert wird: In der Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer, die mit der Aufklärung einer unklaren Zahlung von 6,7 Millionen Euro beauftragt ist, steuert exklusiven JUVE-Informationen der Frankfurter Konfliktlösungsexperte Dr. Christian Duve die Untersuchung. Intern gerät der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach unterdessen immer stärker unter Druck.

Denn auch fünf Tage, nachdem das Nachrichtenmagazin ‚Spiegel‘ über eine mutmaßliche Bestechung bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 berichtete, können der Verband und seine Gremien selbst nicht für Klarheit über die Zusammenhänge der Zahlung sorgen.

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Christian Duve

Die Hoffnungen, die tatsächlichen Hintergründe der Zahlung ans Licht zu bringen, ruhen daher zunehmend auf den Schultern von Freshfields-Partner Duve. Dieser steuert das Mandat für die Kanzlei, die als externe Unterstützung hinzugezogen wurde. Der Konfliktlösungsexperte spielte in der Sozietät in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle beim Aufbau des Geschäftsfelds für unternehmensinterne Untersuchungen, in dem die Freshfields inzwischen zu den führenden hierzulande zählt. Zudem gilt Duve als sehr vielseitiger Prozess- und Schiedsexperte. Als einer von ganz wenigen Großkanzleianwälten war er jahrelang als Schiedsrichter am internationalen Sportgerichtshof CAS tätig (2007 bis 2014) und hat sich zudem als Wirtschaftsmediator positioniert.

Insbesondere gilt er aber bundesweit als einer der führenden Experten für gesellschaftsrechtliche Streitigkeiten und Schiedsverfahren – besonders anerkannt ist er für seine Erfahrung im Bank- und Finanzsektor. Bisher gibt es keine Details dazu, wie weit Duve und Freshfields bei den Untersuchungen zu der ominösen Zahlung bereits gekommen sind – auf Nachfrage wollte die Kanzlei keine Auskunft geben. Allerdings ist Freshfields JUVE-Informationen zufolge auch erst seit Kurzem mit der Untersuchung betraut – und nicht, wie Niersbach in einer Erklärung am Wochenende andeutete, bereits seit Monaten.

Niersbach-Alleingang sorgt für Ärger

Für seine unklare Haltung in der Aufklärung des Geldflusses und sein Krisenmanagement gerät der DFB-Präsident derweil immer stärker in die Kritik. Mehrere Funktionäre äußerten auch JUVE gegenüber ihre Verstimmung über dessen Informationspolitik. Denn mindestens Teile des DFB-Präsidiums erfuhren erst am vergangenen Freitag in einer Telefonkonferenz über die unklare Zahlung von 6,7 Millionen Euro und die angeblich seit Monaten andauernde Untersuchung. Dabei wäre es nach den Statuten des DFB die Pflicht des Präsidenten, über einen solchen Vorgang Schatzmeister und Präsidium zu informieren. Schatzmeister Reinhard Grindel indes gehörte auch zu den Mitgliedern des Präsidiums, die erst am vergangenen Freitag von dem Vorgang erfuhren.

JUVE-Informationen zufolge war es indes nicht der einzige Alleingang des Präsidenten in jüngster Zeit. Am Rande des EM-Qualifikationsspiels in Leipzig gab es demnach Verstimmung darüber, dass Niersbach den Zuschnitt der künftigen Gestaltungsfreiheit von Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff beim neuen Prestigesobjekt des Verbands, der DFB-Akademie, am Präsidium vorbei festlegte. Bierhoff ist der Projektleiter der Akademie.

Weit kritischer wird aber Niersbachs Umgang mit der unklaren Zahlung gesehen. „In einem Unternehmen würde eine solche Informationspolitik in einer bedeutenden Angelegenheit das Aus für den Chef bedeuten“, sagte ein anderer Funktionär gegenüber JUVE – sprach Niersbach aber gleichzeitig weiter das Vertrauen aus. Immer mehr Zweifel kommen zudem auf, ob der Kontrollausschuss tatsächlich, wie von Niersbach behauptet, bereits seit Monaten mit der Untersuchung befasst ist. Weder dessen Vorsitzender Dr. Anton Nachreiner noch mehrere andere Mitglieder wollten auf JUVE-Nachfrage Stellung beziehen, wann exakt der Ausschuss mit der Aufarbeitung beauftragt wurde.

DFB-Kontrollausschuss – die verbandsinterne Staatsanwaltschaft

Der Ausschuss gilt als eine DFB-interne Staatsanwaltschaft und ermittelt unter anderem zu Spielverstößen wie kürzlich einem per Hand erzielten Tor des Hannoveraner Spielers Leon Andreasen, untersuchte aber etwa auch den Manipulationsskandal um den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer. Qua Funktion überwacht er die Einhaltung der Satzung und Ordnungen des DFB sowie zahlreicher weiterer Richtlinien und Bestimmungen wie Anti-Doping-Richtlinien und Durchführungsbestimmungen der Spielordnung. Erkennt er bei Untersuchungen Verstöße, ist er dazu berufen, Anklage bei den zuständigen Rechtsorganen des DFB und der Mitgliedsverbände zu erheben.

Allerdings ist der DFB-Präsident weisungsbefugt gegenüber dem Kontrollausschuss. Kritiker zweifeln deshalb an seiner Unabhängigkeit im Hinblick auf die derzeitige Untersuchung der 6,7-Millionen-Euro-Zahlung. Laut Satzung des DFB sollen die Mitglieder des Ausschusses die Befähigung zum Richteramt oder dem gehobenen Polizeidienst haben. Tatsächlich sind auch fast alle Mitglieder Juristen. Insgesamt zählt der Ausschuss 13 Mitglieder, darunter Anwälte, aber auch Richter. Einer von ihnen, Dr. Rainer Koch, Richter am Oberlandesgericht München, ist ebenfalls im Präsidium vertreten. (René Bender)