Artikel drucken
02.02.2017

Softwaretests: Insight Venture übernimmt mit Binder Grösswang Mehrheit bei Tricentis

Das auf automatisierte Programmtests spezialisierte Wiener Softwareunternehmen Tricentis hat mit Insight Venture Partners einen neuen Mehrheitsgesellschafter erhalten. Die US-amerikanische Private-Equity- und Venture-Capital-Firma investiert umgerechnet rund 154 Millionen Euro.

Florian Khol

Der Einstieg von Insight Venture erfolgt durch die Ausgabe neuer Anteile und den Anteilszukauf von bestehenden Gesellschaftern. Die Teileigner Kennet Partners und Harbert stiegen im Zug der Transaktion aus. Dagegen bleiben Tricentis die geschäftsführenden Gesellschafter in beiden Funktionen, als Geschäftsführer wie als Gesellschafter, erhalten. Auch die Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft Next Enterprise hält weiterhin Minderheitsanteile an dem Unternehmen.

Insight Venture ist auf Software- und Internetunternehmen spezialisiert. Seit ihrem Bestehen hat die Gesellschaft mehr als 13 Milliarden Dollar eingeworben und in über 250 Unternehmen investiert.

Tricentis entstand 2007 und zählt mittlerweile 280 Mitarbeiter, die zuletzt mehr als 33 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschafteten. Das Unternehmen verfügt über einen internationalen Kundenkreis, darunter Großkonzerne wie ExxonMobil, HBO, Whole Foods, Toyota, Allianz, BMW, Starbucks, Deutsche Bank, Lexmark, Orange, A&E, Vantiv, Vodafone, Telstra und UBS. Mittlerweile hat Tricentis neben dem Hauptsitz in Österreich auch Niederlassungen in Deutschland, den USA, der Schweiz, Großbritannien, den Niederlanden, Polen und Australien.

Berater Insight Venture Partners
Willkie Farr & Gallagher (New York): Gordon Caplan (Private Equity), Matthew Guercio (Corporate; beide Federführung), Christopher Peters (Steuern), Michael Katz (Arbeitsrecht), Amir Ghavi (IP); Associates: Matthew Haddad (Corporate/Finance), Adam Remo, Daniel Alster, Christina Mann (Frankfurt), Andrea de Vos, Kapiljeet Dargan, Isabel Araujo
Binder Grösswang (Wien): Dr. Florian Khol (Federführung), Gottfried Gassner (Corporate), Dr. Christian Wimpissinger (Steuern), Horst Lukanec, Dr. Angelika Pallwein-Prettner (beide Arbeitsrecht), Dr. Hellmut Buchroithner (IP), Dr. Thomas Berghammer (Commercial), Dr. Isabelle Innerhofer (Kartell- und Wettbewerbsrecht); Associates: Dr. Hemma Parsché (Corporate), Clemens Willvonseder (Steuern), Dr. Robert Wippel (Finance), Markus Pinggera (Regulatory), Michael Ebner (Immobilien), Christoph Schober (Corporate), Maria Gernerth Mautner Markhof (IP), Mona Holzgruber, Florian Hutzl (beide Corporate), Barbara Gangl (Steuern), Sabine Apfl, Stefan Woda (beide Arbeitsrecht), Adrian Zuschmann (Finance), Stefanie Ziegler (Kartell- und Wettbewerbsrecht; letzte neun Rechtsanwaltsanwärter)

Berater Kennet Partners
Schindler (Wien): Martin Abram (Federführung; Corporate), Dr. Clemens Schindler (Corporate/Steuern); Associates: Martin Lanner (Corporate), Dr. Lars Gläser (Steuern)

Berater Harbert
Taylor Wessing enwc (Wien): Philip Hoflehner (Bank- und Finanzrecht), Claudia Steegmüller (Bank- und Finanzrecht); Associate: Allan Hahn (Corporate/M&A)

Berater Tricentis
O’Melveny & Myers (Silicon Valley): David Makarechian (Federführung; Corporate/M&A), Robert Fisher (Steuern), Jeff Cislini (Corporate/M&A), Warren Fox (Arbeitsrecht); Associates: Wenting Yu, Bhavreet Gill (beide Corporate/M&A)
Wolf Theiss (Wien): Hartwig Kienast (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Benjamin Twardosz (Steuern), Dr. Ralf Peschek (Arbeitsrecht); Associates: Lukas Pinegger (Corporate/M&A), Matthias Fucik (Tax; beide Rechtsanwaltsanwärter)
Inhouse (Wien): Mariana Spasojević (General Counsel)

Berater Next Enterprise
Pepelnik & Karl (Wien): Dr. Johannes Pepelnik – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Den beteiligten Anwälten aus Österreich zufolge gab es für sie viel zu tun, obwohl der Kaufvertrag (Share Purchase Agreement) nach US-Recht aufgesetzt war. Als Grund dafür nannten sie, dass ein wesentlicher Teil der Transaktion die Beteiligung der Gesellschafter-Geschäftsführer und der Arbeitnehmerbeteiligungsgesellschaft in Form eines Syndikatsvertrags betraf.

Binder Grösswang kam über das Frankfurter Willkie-Büro ins Mandat, zu dem die österreichische Kanzlei gute Kontakte pflegt. Grundlage für die regelmäßige Zusammenarbeit der Kanzleien ist die gemeinsame Beratung des französischen Investmenthauses Wendel beim Erwerb des österreichischen Verpackungsherstellers Constantia Flexibles Anfang 2015.

Namenspartner Schindler und der hier federführende Abram waren bis Sommer 2014 ebenfalls Partner bei Wolf Theiss. Beide haben den Investor ViewPoint Capital Partners Anfang 2013 noch in ihrer alten Kanzlei bei einer Tricentis-Wachstumsfinanzierung beraten. Nach der Übernahme des Investments durch Kennet 2015 ging die Mandatsbeziehung an den neuen Investor über.

Wolf Theiss zählt zu den laufenden Rechtsberatern von Tricentis und hat das Unternehmen in der Vergangenheit bereits bei mehreren Finanzierungsrunden beraten. Inhousejuristin Spasojević war einst Associate in der Kanzlei, seit 2011 ist sie General Counsel bei Tricentis. Bei der ViewPoint-Finanzierungsrunde hatte Tricentis die Kanzlei Arnold mandatiert. Dort arbeitet mit Andreas Eder ebenfalls ein ehemaliger Wolf Theiss-Anwalt.

Harbert setzt regelmäßig auf Taylor Wessing, unter anderem in Jurisdiktionen wie Deutschland und Großbritannien. Dabei stehen in allen Ländern Wachstumsfinanzierungen und Beteiligungen im Vordergrund. So beriet das Wiener Team auch schon bei der ursprünglichen Tricentis-Finanzierung beziehungsweise Beteiligung. (Geertje de Sousa)