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2012-08-30

Korruption bei Kindersender: Weitere Verurteilungen in der KiKa-Affäre

Das Landgericht Erfurt hat erneut Haftstrafen verhängt im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal beim TV-Sender Kika. Es verurteilte den ehemaligen Herstellungsleiter des Senders, Marco K., zu einem Jahr Haft und zog dies mit einem ersten Urteil zu einer Gesamtstrafe von sechs Jahren und drei Monaten zusammen. Der mitangeklagte Klaus-Peter E., Geschäftsführer einer Produktionsgesellschaft, erhielt eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Frank Langen

Frank Langen

E. hatte in Abstimmung mit K. überhöhte Rechnungen an den Sender gestellt. Vom Gewinn profitierten beide. Die Initiative ging von K. aus. Er hatte eingeräumt, mit dem Geld unter anderem seine Spielsucht finanziert zu haben. Insgesamt ging es um einen Schaden in Höhe von 1,5 Millionen Euro. E. leistet Wiedergutmachung in hohem sechsstelligen Euro-Bereich, was zur Bewährung beigetragen haben dürfte.

K. wurde bereits im vergangenen Jahr wegen Betrugs und Bestechlichkeit in 48 Fällen zu einer Strafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Seinerzeit belief sich der Schaden auf 4,6 Millionen Euro. Auch in diesem Fall hatte K. nach gleichem Muster zusammen mit einer Berliner Produktionsfirma zum Nachteil des Senders agiert. Der Geschäftsführer der Berliner Firma war im Februar dieses Jahres wie jetzt auch E. zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Gegen acht weitere Personen wird derzeit Presseberichten zufolge noch ermittelt. Ein freier Mitarbeiter des Senders wurde inzwischen angeklagt, vier Verfahren wurden durch Strafbefehl erledigt.

Vertreter K.
Funke & Simon (Heiligenstadt): Herbert Funke – aus dem Markt bekannt

Vertreter E.
Langen (Köln): Frank Langen

Anklagevertretung, Staatsanwaltschaft Erfurt
Oberstaatsanwalt Dr. Joachim Becker

Landgericht Erfurt, sechste Große Strafkammer
Sabine Rathemacher (Vorsitz)

Hintergrund: Die Affäre um den Kinderkanal zieht sich bereits seit Jahren hin. Die Kanzlei Görling arbeitet den Fall für den Sender auf und kümmert sich soweit bekannt auch um die Beitreibung der veruntreuten Gelder. Laut Marktinformationen griff der Berliner Geschäftsmann in den vorangegangenen Verfahren vor Ort auf die Verteidigerin Nina Wittrowski zurück. K. soll dem Erfurter Verteidiger Stephan Rochlitz aus der Kanzlei Tyroller Rochlitz Kretschmer vertraut haben. Der seit Jahren in Köln tätige Verteidiger Langen kam über eine Empfehlung von Kollegen ins Mandat. Er begleitet aktuell auch eine Reihe von Verfahren aus den Bereichen Steuer- und Insolvenzstrafrecht. (Astrid Jatzkowski)