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07.11.2012

Teldafax: Ex-Vorstandschef mit Wilhelm in Schadensersatzprozessen unter Druck

Gernot Koch, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des inzwischen insolventen Stromhändlers Teldafax, wird mit Schadensklagen ehemaliger Kunden überzogen. Ein geschädigter Stromkunde hat jetzt einen Musterprozess gewonnen.

Lars Winkler

Lars Winkler

In dem viel beachteten Prozess ging es um die Grundsatzfrage, ob Koch als ehemaliger Teldafax-Spitzenmanager von Kunden in Anspruch genommen werden kann. Vor dem Amtsgericht Lingen hatte eine Kunde geklagt, der bei dem Unternehmen einen Vertrag mit Vorkasse abgeschlossen hatte. Im Frühjahr 2011 zahlte er seine Jahresrate, doch schon wenige Monaten später war Teldafax pleite und musste die Stromlieferung einstellen.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass Koch als Verantwortlicher in seiner Position als Geschäftsführer im Streitfall bewusst hingenommen habe, dass der Kläger aller Voraussicht nach eine Zahlung erbringen würde, für die er keine Gegenleistung erhalten würde. „Der Beklagte als Geschäftsführer der Teldafax Services täuschte den Kläger insoweit vorsätzlich“, hieß es in der Entscheidung. Schon im Oktober 2010 hatte das Handelsblatt berichtet, dass Teldafax überschuldet sei.

Zwar ging es bei diesem Prozess nur um die Forderungen eines einzelnen Kunden und einen relativ kleinen Betrag, den Koch inzwischen auch gezahlt hat. Es liegen aber etliche vergleichbare Fälle liegen bei den Gerichten, potenziell geht es um mehrere hunderttausend Kunden.

Allerdings gibt es auch eine Reihe klageabweisender Urteile. So gewann Koch vor den Amtsgerichten Siegburg (Az. 111C 22/12) und München (Az. 231 C 19551/11). Zurückgenommen wurden zudem zwei Klagen vor dem Amtsgericht Siegburg (Az. 125 C 37/12 und 124 C 57/12).

Ob eine D&O-Versicherung, die Teldafax für seinen damaligen Geschäftsführer abgeschlossen hatte, für die Schäden aufkommt, ist nach einhelliger Meinung von Versicherungsrechtlern nicht relevant. Denn die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen Koch wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßigen Betrugs. Ein etwaiger Versicherungsschutz komme damit wegen vorsätzlicher Handlung nicht in Frage.

Neben den Schadensersatzforderungen von Kunden hat auch der Teldafax-Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr von White & Case (mehr…) Ansprüche gegenüber Koch geltend gemacht.  Die Auseinandersetzung in der Sache dauert noch an und ist aufgrund der umfangreichen Konzernstruktur der Teldafax-Gruppe ungleich komplexer als der Anspruch eines einzelnen Teldafax-Kunden. Das Urteil des Amtsgerichts Lingen hat insofern keine unmittelbaren Auswirkungen auf das laufende Insolvenzverfahren.

Vertreter Kunde
Bauer Dälken & Kollegen (Lingen): Florian Dälken

Vertreter Gernot Koch
Wilhelm (Düsseldorf): Lars Winkler

Amtsgericht Lingen: Nicht bekannt

Hintergrund: Wilhelm ist eine auf versicherungs- und haftungsrechtliche Fragen spezialisierte Boutique, die sich durch die Beratung von Industriekunden einen guten Ruf im Markt erarbeitet hat. Mit der Aufnahme eines Gesellschaftsrechtlers im Sommer 2010 hat  Wilhelm inzwischen mit der Krisenberatung von Unternehmen ein weiteres Geschäftsfeld aufgebaut (mehr…). Die Beratung von Teldafax ist das erste prominente Beispiel dieser Praxis (mehr…), dem nun die Prozessvertretung des früheren Geschäftsführers Koch bei Abwehr der Schadenersatzklagen folgt. Unternehmen der Teldafax-Gruppe berät Wilhelm dagegen nicht mehr. (Volker Votsmeier, Marcus Jung)