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09.01.2013

Bykow-Geschäfte: EnBW klagt mit Freshfields gegen ehemaligen Technikvorstand

Das rechtliche Tauziehen um die Aufarbeitung der umstrittenen Russland-Geschäfte des Energieversorgers EnBW geht in eine neue Runde. Vor dem Landgericht Heidelberg begann gestern der Prozess gegen Thomas Hartkopf, ehemaliger Technikvorstand des Unternehmens.

Hartkopf ist einer von vier Ex-EnBW-Managern, von denen der Energieversorger wegen ihrer Beteiligung an strittigen Atom-Geschäften Schadensersatz in Millionenhöhe fordert. Insgesamt will EnBW 220 Millionen Euro von den Ex-Managern und der dahinter stehenden D&O-Versicherung Chartis.

Michael Rohls

Michael Rohls

Im konkreten Fall soll Hartkopf 26 Millionen Euro zurückzahlen, weil er und die anderen Vorstände Geschäfte mit dem Russen Andrej Bykow gemacht beziehungsweise geduldet haben sollen. Die EnBW wertet das als Pflichtverletzung. Im Fall von Hartkopf geht es allerdings nicht um seine Aufgaben als Technikvorstand, sondern als Aufsichtsratschef der EnBW-Tochter EnKK.

Uwe Hornung

Uwe Hornung

Zwischen 2005 und 2008 soll der ehemalige kaufmännische Geschäftsführer der EnKK fragwürdige Geschäfte mir Bykov abgeschlossen haben. Vom ehemaligen Geschäftsführer des Kernkraftwerks Obrigheim Konrad Schauer fordert EnBW daher in einem anderen Verfahren 8,5 Millionen Euro (mehr…).

Das Verfahren gegen den ehemaligen Atommanager Wolfgang Heni, dem Ex-Geschäftsführer der EnKK, vor beim Landgericht Heilbronn hat noch nicht begonnen. Hier liegt der Streitwert bei 93 Millionen Euro.

Im vierten Fall, dem des aktuellen EnBW-Technik-Vorstandes Hans-Josef Zimmer, wird das Landgericht Landau am 7. März verhandeln. Von ihm verlangt EnBW 87,5 Millionen Euro. Das Pikante in diesem Fall: Kurz nachdem der Konzern den Manager abberufen hatte, setzte EnBW Zimmer wieder auf seinen alten Posten ein.

Vertreter EnBW
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Michael Rohls (Konfliktlösung; München), Dr. Andreas Fabritius (Gesellschaftsrecht); Associate: Dr. Martin Mekat (Konfliktlösung; beide Frankfurt)
Inhouse (Stuttgart): Michael Rummer

Vertreter Thomas Hartkopf
Clifford Chance
(Frankfurt): Uwe Hornung, Sebastian Rakob; Associate: Miriam Lichstein (alle Konfliktlösung)

Vertreter Chartis
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Björn Seitz (Versicherungsrecht)

Landgericht Heidelberg, Kammer für Handelssachen
Renate Rohde (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Weil sich zwei Handelsrichter aufgrund ihrer persönlichen Beziehungen zu Hartkopf befangen erklärten, konnte die eigentliche Verhandlung nicht wie geplant starten. Statt dessen lud Richterin Rohde zu einem zweistündigen mündlichen Hinweisgespräch, um mit den Parteien offene Fragen zu erörtern. Die Verhandlung wird am 24. September 2013 weitergehen. Dann soll auch der Beklagte selbst anwesend sein.

Freshfields vertritt EnBW in allen Vorstandsklagen (mehr…). Konrad Schauer wird in seinem Prozess vor dem Landgericht Mosbach von den CMS Hasche Sigle-Partnern Dr. Dorothee Ruckteschler und Dr. Thomas Lennarz vertreten. Bekannt ist zudem, dass Wolfgang Heni von Dr. Klaus Gerstenmaier und Dr. Hans-Georg Kauffeld von Haver & Mailänder vertreten wird. Hans-Josef Zimmer setzt auf Dr. Oliver Sieg von Noerr. (Ulrike Barth)