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13.09.2017

Air Berlin: Piloten bringen Gesellschaft ins Trudeln, neue Bieter werden bekannt

Im Insolvenzverfahren um Air Berlin hat sich die Situation nach den zahlreichen Krankmeldungen von Piloten weiter zugespitzt. Zwar haben sich im Laufe des Vormittags etliche Crews wieder zur Arbeit zurückgemeldet, dem Unternehmen sei aber ein Schaden von rund fünf Millionen Euro durch Flugausfälle entstanden, hieß es. Gestern morgen hatten sich rund 200 Piloten krank gemeldet, insgesamt mussten 130 Flüge ausfallen. Gleichzeitig brachte sich die Betreibergesellschaft des Flughafens Schwerin als weitere Bieterin für Air Berlin ins Gespräch.

Cristina Weidner

Cristina Weidner

Die Pilotenvereinigung Cockpit zeigte sich überrascht von den Krankmeldungen und distanzierte sich von den Aktionen der Piloten. Sie verhandelt gerade über einen vorsorglichen Sozialplan für das Cockpitpersonal im Falle eines Verkaufs – da kam der Protest eines Teils der Kapitäne zur absoluten Unzeit. Hinter den Kulissen werden parallel zum Bieterverfahren bereits arbeitsrechtliche Szenarien durchgespielt, die teilweise umstritten sind. Vor allem die besserverdienenden Langstreckenpiloten fürchten, dass ihre Strecken jetzt bereits gestrichen werden, um sie leichter entlassen zu können und damit auch „Ballast“ für Kaufinteressenten loszuwerden. Damit spielen sie vor allem auf die Lufthansa-Tochter Eurowings an, deren Piloten weniger verdienen als die Kollegen derzeit bei Air Berlin. 

Gleichzeitig tickt die Uhr für die Abgabe von Kaufangeboten. Bis zum kommenden Freitag können Interessenten noch verbindliche Vorschläge machen. Gerade hat auch die chinesische Betreibergesellschaft LinkGlobal ihren Hut in den Ring geworfen, sie ist seit zehn Jahren am Flughafen Schwerin-Parchim beteiligt und will Air Berlin dort ansiedeln. Weitere Bieter sind bekanntlich Lufthansa, Easyjet und Condor, außerdem der ehemalige Niki Air-Gesellschafter und Ex-Rennfahrer Niki Lauda sowie die Frachtgesellschaft Zeitfracht. Dazu kommen Einzelunternehmer wie Hans Rudolf Wöhrl und Utz Claasen. Möglich ist außerdem, dass Iberia Interesse an einigen Assets hat. Bis zum 21. September soll der Gläubigerausschuss seine Entscheidung getroffen haben.

Berater Arbeitsrecht

Berater Vereinigung Cockpit
Inhouse Recht (Frankfurt): keine Nennungen

Berater Gesamtbetriebsrat Air Berlin Technik
Weißmantel & Vogelsang (Bremen): David Schäfer

Berater Air Berlin
Baker & McKenzie (München): Dr. Burkard Göpfert

Michael Dolfen

Michael Dolfen

Berater Bieterprozess

Berater Easyjet
Clifford Chance: Dr. Cristina Weider (Restrukturierung)

Berater Niki Lauda
Schuppich Sporn & Winischhofer (Wien): Dr. Haig Asenbauer

Berater Zeitfracht
Görg (Köln): Dr. Michael Dolfen (Federführung), Dr. Wolfgang König, Dr. Sascha Lehmann (alle M&A), Dr. Helmut Balthasar (Restrukturierung), Dr. Christian Bürger (Kartellrecht), Dr. Marcus Richter (Arbeitsrecht), Dr. Katharina Landes (IP); Associates: Simon Lill, Claus Christopher Schiller (beide M&A), Dr. Anna Recker (Luftverkehrsrecht), Dr. Piero Sansone (Arbeitsrecht)
BWLS Strunk Stoffersen (Hamburg): Peter Stoffersen, Benjamin Karten, Ferdinand Petersen (alle Steuern)

Berater Thomas Cook/Condor
Noerr: Dr. Thomas Hoffmann (Insolvenzrecht; Berlin), Holger Alfes (Corporate/M&A; Frankfurt; beide Federführung), Uwe Erling (Luftverkehrsrecht; München), Alexander Israel (Kartellrecht; Brüssel)
Herbst Kinsky (Wien): Dr. Philipp Baubin, Dr. Christoph Herbst, Dr. Christoph Wildmoser, Dr. Wolfgang Schwackhöfer (alle Corporate/Bank- und Finanzrecht)

Berater Hans Rudolf Wöhrl
Gerloff Liebler (München): Dr. Christian Gerloff (Insolvenzrecht)
BTU Simon (München): Eberhard Simon (Federführung), Susanne Schröder (Arbeitsrecht), Gregor Wenzel (Steuern); Associates: Dr. Frank Harmann (Luftfahrtrecht), Michael Baumann (Steuern)

 

Mike Danielewsky

Mike Danielewsky

Berater Lufthansa
Inhouse Recht (Frankfurt): Michael Niggemann (General Counsel)
Hengeler Mueller: Dr. Daniel Kress (Corporate/M&A; London)
Latham & Watkins (Brüssel): Dr. Sven Völcker (Kartellrecht)
SGP Schneider Geiwitz (Neu-Ulm): Arndt Geiwitz (Insolvenzrecht)

Berater British Airways/Iberia
DLA Piper: Mike Danielewsky (Restrukturierung; Frankfurt), Guido Kleve (Öffentliches Recht/Aviation)

Berater Link Global
Helmut Naujoks (Hamburg)

Berater Utz Claasen
Nicht bekannt

Sachwalter Air Berlin
Flöther & Wissing (Leipzig): Prof. Dr. Lucas Flöther (Insolvenzrecht)

Generalbevollmächtigter Air Berlin
Kebekus et Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus (Insolvenzrecht)

Burkard Göpfert

Burkard Göpfert

Berater Air Berlin
Inhouse Recht (Berlin): Michelle Johnson (General Counsel)
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Konrad Schott (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Peter Niggemann, Juliane Ziebarth (beide Kartellrecht; beide Düsseldorf); Associate: Dr. Marvin Knapp (Insolvenzrecht; Hamburg)
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus, Dominik Demisch, Katharina Gerdes, Dr. Carsten Siebert, Björn Schwencke, Friedemann Schade (Berlin; alle Insolvenzrecht – für die PLC und die Luftverkehrs-KG)
Finkenhof (Frankfurt): Dr. Lorenzo Matthaei (Federführung), Stephan Strumpf; Associates: Dr. Kaan Güzel, Tim Grabbe (alle Insolvenzrecht – für operative Gesellschaften)
Jank Weiler Operenyi (Wien): Alexander Operenyi, Dr. Andreas Jank; Associate: Gerald Hendler (alle Corporate/M&A)

Hintergrund: Die Berater sind größtenteils aus dem Markt bekannt. 

Die Arbeitsrechtler sind derzeit vor allem im Hintergrund mit der Prüfung verschiedener Übergangsszenarien beschäftigt. Die Beratung zu den massenhafte Krankmeldungen der Piloten stand dabei nicht im Vordergrund.

Die Bremer Kanzlei Weißmantel & Vogelsang verfügt über reichlich Erfahrung bei der Vertretung von Gewerkschaften gegenüber Fluggesellschaften. In der Vergangenheit vertrat sie beispielsweise auch die Gewerkschaft der Fluglotsen. Inwieweit sich Kabinen- und Bodenpersonal aktuell arbeitsrechtlich beraten lassen, ist derzeit nicht bekannt. Regelmäßig sind für die beiden Berufsgruppen aber die erfahrenen Arbeitnehmervertreter von Schwegler und Stickler Posner Limpinsel im Markt zu sehen.

David Schäfer

David Schäfer

Soweit bekannt, haben Baker und auch die Arbeitsrechtler von Noerr um Partner Dr. Hans-Christoph Schimmelpfennig im Vorfeld der drohenden Insolvenz von Air Berlin Szenarien für mögliche Restrukturierungen und Betriebsübergänge erstellt. In die arbeitsrechtlichen Aspekte seit dem Insolvenzantrag ist Noerr allerdings nicht mehr involviert. Göpfert kam JUVE-Informationen zufolge 2016 über die Beratung von Etihad im Zusammenhang mit einem Sanierungstarifvertrag ins Mandat. Erst gestern wurde bekannt, dass der angesehene Arbeitsrechtler ab November als Partner zur Arbeitsrechtsboutique Kliemt & Vollstädt wechselt. Noerr gehörte dem Vernehmen nach schon seit vielen Jahren zu den regelmäßigen Beratern von Air Berlin. Welche von den möglichen arbeitsrechtlichen Maßnahmen am Ende Realität wird, hängt jedoch sehr stark vom Verlauf der nächsten Tage ab: Bis eine Entscheidung über Zerschlagung oder Liquidation von Air Berlin getroffen ist, halten sich die arbeitsrechtlichen Berater im Hintergrund in den Startlöchern.

Kurz vor Torschluss am kommenden Freitag haben sich weitere Interessenten ins Spiel gebracht. Dazu gehört unter anderem Zeitfracht, die sich schon seit vielen Jahren von Görg beraten lassen. Neben Lufthansa, die weiterhin von Hengeler betreut werden, gilt auch Mitbewerberin Easyjet als ernsthafte Kandidatin für eine Übernahme von Teilen Air Berlins. Dem Vernehmen nach wird sie von einem deutsch-britischen Team von Clifford Chance vertreten, wobei die deutsche Seite von Weidner vertreten wird. Nach Marktinformationen ist Clifford Chance hinter Chinese Walls auch auf Gläubigerseite zu sehen. Der Frankfurter Restrukturierungspartner Dr. Stefan Sax vertritt eine Gruppe von Flugzeugleasinggesellschaften.

Der ehemalige Rennfahrer Niki Lauda, der an der Übernahme seiner ehemaligen Fluggesellschaft Niki interessiert ist, lässt sich von seinem langjährigen Anwalt Asenbauer beraten, Partner der Wiener Sozietät Schuppich Sporn & Winischhofer. Den österreichischen Part aufseiten Air Berlins betreuen schon länger die beiden Namenspartner Operenyi und Jank. (Christiane Schiffer, Catrin Behlau)

Dieser Artikel wurde am 14.09.2017 ergänzt: Wie nach Veröffentlichung des Artikels bekannt wurde, bemüht sich Lauda nach eigener Aussage gemeinsam mit Condor um ein Stück des Air Berlin-Kuchens. Condor hat das weder bestätigt noch dementiert, sondern teilte lediglich mit, man sei weiterhin eine aktive Rolle bei der Restrukturierung von Air Berlin und Niki zu spielen. Alle Optionen würden geprüft.