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30.08.2011

50+1-Regel bleibt: DFL und Hannover 96-Präsident Kind freuen sich mit Nachmann und Schickhardt

Die sogenannte 50+1-Regel im deutschen Profifußball bleibt bestehen, die „Lex Leverkusen“ genannte Sonderklausel ist dagegen nichtig. Dies hat das Ständige Schiedsgericht der Lizenzligen entschieden.

Thomas Summerer

Investoren können damit bei Fußballvereinen der Deutschen Fußball Liga (DFL) weiter nur in Ausnahmefällen die Mehrheit übernehmen. Allerdings ist dies künftig grundsätzlich möglich, wenn sie mindestens 20 Jahre lang ununterbrochen und in einem erheblichen Umfang bei einem Verein finanziell engagiert sind.

Bislang mussten solche Investoren vor dem Jahr 1999 bereits 20 Jahre lang engagiert gewesen sein. Die sogenannte ,Lex Leverkusen’ wird damit modifiziert. Von der bisherigen Stichtagsregelung profitierten insbesondere Bayer 04 Leverkusen, wo der Pharmakonzern Bayer seit Jahrzehnten engagiert ist, sowie die beiden Clubs VfL Wolfsburg mit Volkswagen und 1899 Hoffenheim mit Dietmar Hopp als langjährigen Investoren.

Martin Kind, Präsident von Hannover 96, hatte die bisherigen Regeln angegriffen. Kind ist  seit 1997 bei Hannover 96 engagiert. Ursprünglich wollte er das 50+1-Konstrukt komplett kippen und drohte mit einem Gang vor den Europäischen Gerichtshof. Das Ende der 50+1-Modells hätte den Ligaverband und die bisherige Struktur des deutschen Profifußballs in seinen Grundfesten erschüttert.

Vor wenigen Wochen änderte Kind dann seinen Antrag ab und griff nur noch die vom Deutschen Fußball Bund vor über 20 Jahren geschaffene Stichtagsregelung an. In seinem jetzigen Urteil betonte das Schiedsgericht die Vereinbarkeit der 50+1-Regel mit deutschem und europäischem Recht.

Vertreter Martin Kind
Grub Frank Bahmann Schickhardt (Ludwigsburg): Christoph Schickhardt

Vertreter Ligaverband/DFL
Inhouse (DFL; Frankfurt): Jürgen Paepke
Nachmann & Kollegen (München): Dr. Thomas Summerer
Prof. Dr. Dirk Verse (Universität Osnabrück)

Vertreter Beigeladene Bayer Leverkusen/VfL Wolfsburg
Lentze Stopper (München): Martin Stopper

Vertreter 1899 Hoffenheim
Knorz Schütz (Karlsruhe): Dr. Markus Schütz

Ständiges Schiedsgericht der Lizenzligen
Prof. Dr. Udo Steiner (Vorsitz), Peter Duvinage (Beisitzer), Dr. Götz Eilers (Beisitzer)

Hintergrund: Dass der Ligaverband beziehungsweise die DFL in dem substanziellen Verfahren auf Thomas Summerer vertrauten lag mehr als nahe. Schließlich baute er für die DFL ab 2001 eine Rechtsabteilung auf und leitete sie jahrelang, bevor er 2007 zu CMS Hasche Sigle wechselte (mehr…). Seit dem vergangenen Jahr ist der renommierte Sportexperte Partner bei Nachmann & Kollegen (mehr…).

Als zusätzliche Unterstützung kam Dirk Verse dazu, der ein Gutachten über die 50+1-Regel zwischen Verbandsautonomie und Wettbewerbsfreiheit verfasst hat. Verse lehrt seit 2007 an der Universität Osnabrück, begonnen hat er seine Karriere bei Hengeler Mueller.

Auch Martin Kind setzte auf einen hochkarätigen Berater, denn Christoph Schickhardt gilt in der juristischen Beraterszene als der Experte in Sachen Fußball. Zahlreiche Vereine vertrauen ihm unter anderem in Streitigkeiten vor Sportgerichten. Für Hannover 96 war er aber in der Vergangenheit noch nicht ähnlich intensiv tätig.

Auch unter den übrigen Beteiligten sind zahlreiche seit Langem bekannte und anerkannte Namen mit dabei gewesen: So arbeitet Lentze Stopper unter anderem regelmäßig für den DFB, der der Kanzlei bereits seit Jahren bei verschiedenen vermarktungsrechtlichen Themen vertraut, so etwa vor wenigen Monaten bei der Ausschreibung der Länderspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaften bis 2016 (mehr…). Für Bayer Leverkusen ist die Sozietät schon seit Langem tätig. Seit dem vergangenen Jahr hat sie zudem noch so etwas wie eine familiäre Beziehung zu dem Club, denn damals stieg Felix Holzhäuser in die Kanzlei, der Sohn von Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen.

Im Schiedsgericht hatte mit Udo Steiner ein ehemaliger Bundesverfassungsrichter den Vorsitz, als Beisitzer agierten der erfahrene Münchner Medien und Sportrechtler Peter Duvinage sowie mit Götz Eilers der Ex-Chefjustiziar des DFB. (René Bender)