Wirtschaftsverwaltungsrecht

(Stand 4. Mai 2020)

Worum geht’s?

Glossar

  • Neue Strategien und neue Kanzleien sorgen für scharfen Wettbewerb im Vergaberecht
  • Konkurrenzdruck treibt Stundensätze in den Keller
  • Umwelt-, Plaungs- und Regulierungrecht profitiert von Klimaschutzprojekten

 

Im Vergaberecht hat sich ein veritabler Sturm zusammengebraut: Die Top-Berater setzen die Strategie für ihre Zukunft fest, neue Berater drängen auf den Markt, und die Honorare sind enorm unter Druck. Dagegen bläst der Wind im Umwelt-, Planungs- und Regulierungsrecht stetig und sorgt für ein stabiles Beratungsgeschäft. Eine Triebfeder sind Klimaschutzvorhaben im Energiesektor.

Heid Schiefer hat der Sturm im Vergaberecht zerlegt. Dass sich eine der Vorzeigekanzleien im Vergaberecht im Herbst 2018 auflöste, ließ viele Beobachter verwundert zurück: „Getrennt sind sie nicht mehr das, was sie einmal waren“, stellte einer inzwischen mit Blick auf die nun eigenständigen Kanzleien von Martin Schiefer und Dr. Stephan Heid fest. Das liegt unter anderem daran, dass beide nicht mehr mit ihrem gebündelten Know-how und ihrer gemeinsamen Marktpräsenz auftreten.

Stundensätze im Keller

Die Beobachtung spiegelt aber auch wider, dass der Wettbewerb im Vergaberecht aktuell sehr scharf ist. Zu Tage trat das bei einer Ausschreibung für Anwaltsdienstleistungen der IT-Services der Sozialversicherung, die in verschiedene Rechtsgebiete aufgegliedert war. Im Vergaberecht gingen dabei Angebote ein, die erfahrene Berater schockierten. „Wenn die Stundensätze so im Keller sind, wie will man da wieder rauskommen?“, fragt sich einer.

Auffällig dabei ist: Die Top-Praxen von Schramm Öhler, Wolf Theiss, Schiefer und Heid & Partner stemmen sich nicht gegen den Preisverfall, sondern sind als Akteure mitten drin. Es ist also ein Kampf um Marktanteile entbrannt, den neue Einheiten wie die 2017 gestartete Kanzlei Feuchtmüller Stockert Moick zusätzlich befeuern. Zu den neuen Akteuren zählen auch die Kanzleien Buchberger Ettmayer und Oehner & Partner, die jeweils mit einer der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften kooperieren. Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche startet in diesem Markt zudem neu durch, nachdem der vorige Vergaberechtsspezialist die Kanzlei im Zug der Gründung von Buchberger Ettmayer verlassen hatte. Baker setzt nun auf die angesehene Vergaberechtlerin Dr. Kathrin Hornbanger, die zuvor Stephan Heids Kanzlei als Kooperationspartnerin angehörte. Erheblichen Anteil am intensiven Wettbewerb haben zudem Vergabeberater außerhalb der Anwaltschaft. Dass Schramm Öhler im Frühjahr auf einen Schlag seine Partnerzahl verdoppelte, ist vor diesem Hintergrund konsequent und hilft, die Zukunft der Kanzlei zu sichern.

Auf dem Weg in die Bundesländer

Natürlich ist der Preis nicht das einzige Element, mit dem die Vergaberechtler versuchen, bei Mandanten zu punkten und ihr Geschäft zu erhalten. Mehrere Berater setzen auf ihre eigenen Ausschreibeplattformen. Eine weitere Strategie besteht darin, die Bundesländer stärker in den Fokus zu nehmen. Das zeigt sich an der größeren Rolle, die Schiefer etlichen seiner Landesniederlassungen beimisst, und an den neuen Standorten von Schramm Öhler in St. Pölten und Eisenstadt. Dieses Erstarken der vergaberechtlichen Beratung außerhalb Wiens belegt auch der Ausbau des Geschäfts, der Dr. Philipp Götzl in Salzburg und Czernich Haidlen Gast in Innsbruck gelang.

Inhaltlich bedeutsam waren vor allem Ausschreibungen in den Branchen Bau, Verkehr, Gesundheit und IT. Verschiedene Mandanten griffen dabei auf innovative Beschaffungsverfahren wie eine Innovationspartnerschaft oder eine vergaberechtliche ‚Allgemeine Vorschrift‘ zurück.

Im Umwelt- und Planungsrecht rückten Projekte in den Fokus, die dem Klimaschutz dienen, darunter vorbereitende Schritte für den Bau großflächiger Photovoltaikanlagen, Umrüstmaßnahmen bei Windparks und energieeffizientere Hochspannungstrassen. Kanzleien wie Binder Grösswang und Eisenberger & Herzog beraten zu solchen Maßnahmen auch Investoren, die sich an Nachhaltigkeitskriterien orientieren oder in regulierten Bereichen wie der Breitbandtelekommunikation rentable Anlageziele erkennen.

Ein rechtlich neues Feld eröffnete das VWG-Verfahren mit EuGH-Vorabentscheid, in dem Onz Onz Kraemmer Hüttler für drei Betroffene einen stärkeren Schutz des Grundwassers vor Nitrateintrag verlangte. Auf diesem Niveau der Top-Praxen hat sich im Umwelt- und Planungsrecht bei den Beratern wenig geändert. Für Aufsehen sorgte allerdings die Ankündigung, dass Prof. Dr. Georg Eisenberger die Kanzlei Eisenberger & Herzog verlassen wird. Mit ihm geht ein Gutteil seines Teams aus dem Öffentlichen Recht, darunter auch Anwälte, die sich in den Augen von Wettbewerbern bewährt hatten.

Neue Kanzlei, neuer Ansatz

Eisenberger hebt unter seinem Namen im Juli eine neue Spezialkanzlei für Öffentliches Recht und Public Policy aus der Taufe. Diese soll mit knapp einem Dutzend Juristen und Standorten in Graz, Wien und Brüssel starten und hat sich unter anderem die strategische Beratung zu nationalen und europarechtlichen Gesetzesentwicklungen im Öffentlichen Recht auf die Fahnen geschrieben.

Bereits seit Jahren verfolgt Freshfields Bruckhaus Deringer einen Ansatz, der stark auf die regulierungsrechtliche Beratung von Unternehmen setzt, häufig von internationalen Großkonzernen. In Wien setzt sich die Kanzlei damit von vielen Wettbewerbern ab: Cerha Hempel berät und vertritt auf diesem Feld prominent auch die öffentliche Hand, während etwa Dorda und Schönherr hier gerade stärker Fuß fassen.

Im klassischen Umwelt- und Planungsrecht zählt Haslinger Nagele seit Jahren zu den Top-Einheiten, auch SCWP Schindhelm gehört zu den sehr angesehenen Adressen. Abseits der beiden Kanzleien mit Wurzeln in Oberösterreich machte sich inzwischen außerhalb Wiens auch das Büro von Niederhuber & Partner in Salzburg einen Namen. Die dort insgesamt sehr gut etablierte Kanzlei Pressl Endl Heinrich Bamberger entwickelt das Rechtsgebiet peu-à-peu mit einem jüngeren Partner.

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